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Luckenbach, Hermann
Die Akropolis von Athen — München und Berlin, 1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.876#0017
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I. Allgemeine Übersieht.

13

(Athen. Mitt.; Dörpfeld.)

Fig. 21. Durchschnitt des Stofenlmiies des Uteren nnd jüngeren

Parthenon.

III. II. I. A. A Stufen und Säulentrommeln des älteren,
3. 2. 1. a. a des jüngeren Parthenon.

Mehr als 20 Jahre waren schon vergangen,
und noch immer war die Stelle, an der der Vor-
parthenon hatte erbaut werden sollen, leer. Die
kriegerischen Ereignisse ließen es nicht zu größeren
Plänen kommen, die Befestigung der Burg und
der Stadt und der Bau der langen Mauern hatten
genug Arbeit gekostet. Das Jahr 456 bedeutet
den Wendepunkt. Jetzt ließ Perikles zu einem
panhellenischen'Kongreß einladen: es sollte über
den Wiederaufbau der von deif Persern zerstörten
Heiligtümer und über die bei der Rettung aus
der Persergefahr gelobten Opfer gemeinsam be-
raten werden. Wohl konnten die Spartaner den
Kongreß vereiteln, aber für die Burg war eine
neue Zeit gekommen; es war eine Baulust er-
wacht, die außerordentliche Früchte tragen sollte.1)

In den Jahren 447—432 wurde durch den
Baumeister Iktinos der berühmte Parthenon er-
baut, der noch heute in seinen Trümmern Zeugnis
von der antiken Meisterschaft auf dem Gebiete der
Baukunst ablegt. Verglichen mit dem früheren
Bau, ist er etwas breiter, aber minder lang und

*) Neue Gesichtspunkte hat das scharfsinnige
Buch von Br. Keil, Anonymus Argentinensis, 1902,
beigebracht.

etwas mehr nach Norden zu gerückt, so daß hier
ein Stück neues Fundament nötig wurde, während
sonst der neue Tempel ganz auf dem Platz des
alten liegt. Er wurde höher als der alte gelegt,
wie sich aus Fig. 21 ersehen läßt. Mit III. II. I
sind die alten Stufen, mit 3. 2. 1 die jüngeren,
mit A. A die alten Säulen trommeln, mit a. a
die jüngeren bezeichnet. Übrigens war die oberste
Lage (I) bei dem Brande so mitgenommen, daß
sie ganz entfernt werden mußte, die Ersatzsteine
(3) bildeten jetzt die unterste Stufe. So wurde
auch durch seine hohe Lage der Parthenon das
beherrschende Gebäude der Burg.

Noch ehe er fertig war, hatte Perikles im
Jahre 437 die Propyläen durch Mnesikles be-
ginnen lassen, einen gewaltigen Torbau, der mit
seinen Seitenflügeln die ganze Westseite der Burg
einnehmen sollte. Seine Absicht wurde durch-
kreuzt und nur der Mittelbau ganz nach seinen
Plänen vollendet, während die Seitenbauten nur
teilweise zur Ausführung kamen. Abgeschlossen
wurde der Bau im Jahre 432, ohne doch die
letzte Feile bekommen zu haben.

Nicht weit von den Propyläen wurde der
kleine Niketempel errichtet. Schon im Jahre 456
beschlossen, kam er vermutlich erst im Jahre 435
zur Ausführung, und etwa gleichzeitig mit den
Propyläen war er vollendet.

In die Zeiten des peloponnesischen Krieges,
wie es scheint nach dem Frieden des Nikias
421J), fällt das Erechtheion, der Neubau des
alten Athena-Erechtheustempels. Die Arbeiten
wurden im Jahre 413 nach der sizilischen Nieder-
lage abgebrochen und erst 409 wieder aufge-
nommen, um im Jahre 407 vollendet zu werden.
Der Tempel lag unmittelbar neben dem Heka-
tompedon, ja ein Teil des Neubaues, vor allem
die Korenhalle, griff auf den Platz über, wo die
Ringhalle des alten Baues gestanden hatte. Das
ältere Erechtheion war, wie sich von selbst ver-
steht, vor dem Neubau abgetragen worden.

Schließlich müssen wir noch des Baues ge-
denken, der südwestlich vom Parthenon lag, und
dessen südüche Längswand von der südlichen
Burgmauer selbst gebildet wurde. Es ist wohl
nicht die Chalkotheke, wie man vielfach glaubt,
und wie es im Plan (Fig. 20) heißt. Wir kennen

•) Michaelis, Athen. Mitt. XIV, 1889, S. 349ff.
 
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