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Luckenbach, Hermann
Die Akropolis von Athen — München und Berlin, 1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.876#0016
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B. Die Zeit nach den Perserkriegen.

I. Allgemeine Übersicht.

Dazu besonders Fig. 19 u. 20.

Nicht wenige Jahre sollte es dauern, bis statt-
liche Neuhauten sich erhoben, die dann allerdings
alles, was bis dahin geleistet war, in den Schatten
stellten. Zunächst scheint man die Burg als
Festung wiederhergestellt zu haben. Dabei wurden
auch die Propyläen wieder instand gesetzt, die
beschädigten Wände ausgebessert und mit einem
"feinen Marmorstuck überzogen; Anten und Säulen
werden vermutlich aus neuem Stein gearbeitet
worden sein. In ähnlicher Weise scheint man
die beiden Tempel, Erechtheion und Hekatom-
pedon, für die Benutzung zurecht gemacht zu
haben, indes so, daß das Hekatompedon ohne
Säulenhalle blieb. Den größten Tempel dagegen,
den Parthenon, nahm man zunächst noch nicht
in Angriff.

Dann aber ist nach und nach die Burg in
der uns geläufigen Gestalt entstanden. Dreierlei
war es, was das Aussehen der Burg gegenüber
dem früheren Zustande wesentlich veränderte.
Erstens wurde die ganze Burg mit mächtigen, am
äußeren Rande des Felsens aufsitzenden Stütz-
mauern umgeben und die Ringmauer wesentlich
erhöht. Zweitens wurde im Zusammenhang damit
die Oberfläche der Burg vergrößert und mehr
als früher ein einziges großes Plateau hergerichtet,
das sich nur noch gegen Westen zu senkte (vgl.
Fig. 19, links oben die größere Skizze). Drittens
erstanden neue großartige Bauten. Themistokles,
Kimon und besonders Perikles sind die leitenden
Männer. Themistokles scheint die Nordmauer,

oder wenigstens große Stücke derselben erbaut
zu haben, im allgemeinen den Lauf der pelas-
gischen Mauer beibehaltend. Von der Ring-
halle des Hekatompedon ließ er einige Gebälk-
stücke, Säulentrommeln, Epistyl, Fries und
Geison, so in die Mauer verbauen, daß sie bis
heute sichtbar geblieben sind, um so eine ewige
Erinnerung an die denkwürdigen Perserkriege
wachzuhalten1). Der Ausbau der Mauer im
Südwesten, Süden und Osten blieb dem Kimon
vorbehalten, der dabei die Burgfläche erheb-
ich vergrößerte (vgl. Fig. 2). Mit den Trüm-
mern der älteren Bauten, mit den zerbrochenen
Vasen, den zerschlagenen Statuen räumte man
zugleich gründlich auf. Manche Stücke wurden
zu Quadern bearbeitet und zu der äußeren Stütz-
mauer verwandt, das andere wurde alles als
Schuttmasse angesehen. Dieser »Perserschutt«
wurde besonders zur Ausfüllung des Raumes
zwischen der pelasgischen und der neuen Burg-
mauer benutzt. Bei den Ausgrabungen, die im
Jahre 1885 begannen und überall womöglich bis
zum gewachsenen Felsen hinabgingen, fand man
daher eine überraschende Ausbeute: dem Vor-
gehen der Athener bei der Neueinrichtung der
Akropolis verdanken wir eine Kenntnis der Kunst-
blüte in Athen vor den Perserkriegen, wie wir sie
zu erlangen vorher nie hatten hoffen können.

') E. Curtius, Stadtgesch. v. Athen S. 125;
Michaelis, Tabulae are. Ath. illustr. XIV.
 
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