Cranach, Lucas [Editor]; Lüdecke, Heinz [Editor]
Lucas Cranach der Ältere: der Künstler und seine Zeit — Berlin, 1953

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108. Frauen vertreiben Mönche • Zeichnung • Um 1530)40

HEINZ LÜDECKE

LUCAS CRANACH IN SEINER ZEIT

T iiii-as Cranach - neben Dürer und anderen schöpferischen Persönlichkeiten, die wir lieben und be-
wundern - gehört zu den Künstlern der deutschen Reformation. Sein Leben und Werk ist eine Wider-
spiegelung des Kampfes gegen den Feudalismus und darüber hinaus des Gesamtverlaufes der ersten
bürgerlichen Revolution. Das wird an Beispielen zu zeigen und durch die nötigen Hinweise auf die
historische Situation zu erläutern sein. Dabei versteht es sich von selbst, daß diese Hinweise frag-
mentarisch bleiben müssen und keine Geschichte des Reformationszeitalters ersetzen können. Vor-
auszuschicken ist ferner, daß keine zusammenfassende Darstellung des Cranachschen Schaffens geboten
wird; die Absicht des Verfassers ist, an den Hauptbeitrag des vorliegenden Buches, der das Gesamt-
werk des Meisters erläutert, einige gesellschaftswissenschaftliche Gedanken anzuknüpfen.

Der enge Zusammenhang zwischen der Blüte der deutschen bildenden Kunst am Ende des 15. und
in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts und der gewaltigen sozialen und nationalen Volks-
bewegung, die man zusammenfassend als ,,die Reformation“ bezeichnet, ist schon von den besten Ver-
tretern der älteren Kunstgeschichtsschreibung erkannt und beschrieben worden. Georg Dehio
z. B. spricht in seiner „Geschichte der deutschen Kunst“ von der „Kunst der Reformationszeit“ und
definiert sie als „die Kunst der Generation, welche den Tag von Wittenberg im reifen Mannesalter er-
lebte“, wobei er hervorhebt, daß es „eine mechanistische und sehr verfehlte Auffassung“ wäre, „die
Kunst der Reformationszeit erst mit dem 31.Oktober 1517 beginnen zu lassen“, d. h. mit dem Tag, an
dem Luther seine Thesen gegen den Ablaßhandel an die Tür der Wittenberger Schloßkirche anschlug.
Über d ie Generation, die er als Trägerin der Reformationsbewegung ansieht, urteilt der 1932 verstor-
bene Forscher: „Besäßen wir über sie kein anderes Zeugnis als ihre Kunst, so würde allein schon diese
uns sagen, was diese Generation war: eine außerordentliche im Ernst ihrer Gesinnung, männlich durch-

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