Cranach, Lucas [Editor]; Lüdecke, Heinz [Editor]
Lucas Cranach der Ältere: der Künstler und seine Zeit — Berlin, 1953

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sprechen gleichsam im Volksliedton von all gern ein verständlichen Dingen. Eines der Hauptkennzeichen
seiner Kunst ist ihre Schlichtheit. Die Frucht seiner Verbundenheit mit den einfachen Menschen ist
eine echte Popularität, die die Jahrhunderte überdauert.

In der Periode der Fürstenreformation jedoch diente Cranach, unterstützt von seinem Sohn und seiner
fast manufakturmäßig arbeitenden Werkstatt, dem wachsenden Repräsentationsbedarf der Höfe. Indem
er dem Verfallsgeschmack dieser Auftraggeber Rechnung trug, erschöpfte sich seine Gestaltungskraft
mehr und mehr und entfremdete sich den nationalen Inhalten und Formen.

Im Zeichen unseres Kampfes um Einheit, Frieden und Demokratie ist die kritisch-schöpferische An-
eignung des nationalen Kulturerbes von hoher Bedeutung. Die nationale Kunstblüte im ersten Viertel
des 16. Jahrhunderts, die mit dem gesellschaftlichen Fortschritt dieser gewaltigen Epoche ursächlich
verbunden ist, hat eine große Zahl von Vorbildern hervorgebracht. In Fucas Cranachs Werk sind vor-
bildliche Elemente enthalten. Deshalb verpflichtet uns die 400. Wiederkehr seines Todestages, seine Per-
sönlichkeit und sein Schaffen neu zu würdigen. Wir feiern in Lucas Cranach den kraftvollen Maler und
Graphiker der deutschen Reformation und den von Patriotismus erfüllten realistischen Gestalter des
deutschen Menschen und der deutschen Fandschaft.

DATEN ZUR CRANACH-BIOGRAPHIE

Im folgenden werden einige Daten aus dem Lehen und Schaffen Lucas Cranachs mitgeteilt. Die Aus-
wahl möchte die Herkunft, die Familien- und Vermögensverhältnisse, die soziale Stellung und die
Arbeitsgebiete des Wittenberger Meisters sichtbar machen. Sie stützt sich auf eine umfangreiche Lite-
ratur, die nicht im einzelnen angeführt werden kann.

1472:

1495-1498:

1500:

1500-1504:

1504:

1505:

1505-1506:

1506:

Um 1507:

1507:

In Kronach (Oberfranken) als Sohn eines Malers (Hans Maler) und der Tochter eines
Schuhmachermeisters geboren.

In Kronach; Arbeiten für Coburg und Gotha.

In Coburg; Arbeiten in der durch Feuer beschädigten Veste.

Wanderung zur Donau, wahrscheinlich über Nürnberg, und donauabwärts nach Wien.
Im Wiener Humanistenkreis. Bildnisse der Gelehrten Cuspinian und Reuß und ihrer
Frauen; Kreuzigungen und andere religiöse Bilder (Gemälde und Holzschnitte); Arbei-
ten für den Verleger Winterburger.

Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, vielleicht noch in Wien, vielleicht in Kronach oder
Coburg gemalt. - Verheiratung mit der Gothaer Ratsherrn- oder Bürgermeisterstochter
Barbara Brengbier. - Berufung als Hofmaler durch Kurfürst Friedrich den Weisen von
Sachsen.

Um Ostern: Übersiedlung nach Wittenberg.

Dreifaltigkeitsaltar für die Wittenberger Schloßkirche (1760 verbrannt). - Holz-
schnitte.

Katharinenaltar (Pillnitz). - Meisterhafte Holzschnitte, darunter Hl. Georg, Hirsch-
jagd, Turnier.

Die vierzehn Nothelfer, Altarstaffel für die Torgauer Marienkirche, wahrscheinlich zum
Sippenaltar (sogenannten Torgauer Fürstenaltar).

Erwähnung als Lucas Möller in einem lateinischen Gedicht des Georgius Sibutus. -
Holzschnitte mit Gold- und Silberdruck.

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