Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 19.1976

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3.1 Der Schüler prüft die Bedeutung des aufgeworfenen Problems; es handelt sich um ein
Halb-Schuldig-Werden aller ohne ganz faßbare Einzelschuld einzelner.
Er wird sich bewußt, daß Menschen auch heute noch in derartige Zwangslagen geraten
können. Er selbst kann später etwa mit folgenden Problemen konfrontiert werden: Befehls-
zwang — Verschiedene Grade des Widerstandes — Unklarheit bei der Festlegung von
Verantwortungen - Bemühen um Verständnis für den in Schuld verstrickten Menschen.
3.2 Das aufgeworfene Problem wird in die größeren Zusammenhänge von Befehl, Gehorsam,
Gewissen, Widerstand eingeordnet.
Das Verhalten der Freundin des Alkibiades ist (römisch) als Pietät zu deuten, das Opfer des
Kleides als antike Dezenz (vgl. Caesar, der sich im Tode verhüllt).
3.3 Er vergleicht verschiedene Lösungsversuche. Hier lassen sich u. a. Beispiele von Befehlsver-
weigerung aus der Antike (Sokrates gegenüber den 30 Tyrannen) und dem Dritten Reich
anführen. (
4.1 Der Schüler gibt ein begründetes Urteil über das Verhalten des Lysander, die Schwäche der
Befehlsempfänger und die Verletzung des Gastrechtes ab. Gegenüber steht die von Pietas
bestimmte Haltung der Frau.
4.2 Der Schüler tritt in freier Entscheidung für eine bestimmte Lösung ein:
er bejaht Widerstand und Leiden;
er akzeptiert den Befehlsnotstand als Ausflucht und Rechtfertigung;
er versucht eine List auszudenken, die ihn der Notwendigkeit, sich zu entscheiden, enthebt
(z. B. vorgeschützte Krankheit).
4.3 Der Schüler soll willig und bereit sein, beim Hervortreten neuer Gesichtspunkte seine hier
getroffene Entscheidung zu überprüfen.
O. Schönberger

Neues Handbuch der Literaturwissenschaft: Römische Literatur, Herausg. M.
Fuhrmann, Athenaion, Frankfurt, 1974, 88.- DM.
Das „Neue Handbuch der Literaturwissenschaft“ ist als eine moderne Gesamtdarstellung
der Weltliteratur konzipiert; es will mehr sein als eine Addition nationaler Literaturgeschichten
und die übernationalen gesellschaftlich-kulturellen Voraussetzungen und Strukturparallelen,
die Ausbildung neuer Gattungen und Gattungstraditionen verdeutlichen. Der vorliegende Band
befaßt sich etwa mit der Zeit von 250 v. Chr. bis 250 n. Chr., denn der griech.-lat. Literatur der
Spätantike bzw. der folgenden Epochen sind eigene Bände Vorbehalten. Das reichhaltig mit
Bildmaterial ausgestattete Buch gliedert sich folgendermaßen:
M. Fuhrmann, Die röm. Literatur; E. Lefevre. Die röm. Komödie; W. Schetter, Das röm.
Epos; W. Schetter, Das röm. Lehrgedicht; A. D. Leeman, Die röm. Geschichtsschreibung; P. L.
Schmidt, Cicero und die republikanische Kunstprosa; M. Fuhrmann, Die röm. Fachliteratur; D.
Liebs, Die juristische Literatur; K. Quinn, Die persönliche Dichtung der Klassik; H. Cancik,
Seneca u. die röm. Tragödie; H. Cancik, Die kleinen Gattungen der röm. Dichtung in der Zeit
des Prinzipats; B. Kytzler, Die nachklassische Prosa Roms; Namensregister.
Als Altphilologe denkt man bei dem Begriff „Handbuch“ unwillkürlich an die Standardwer-
ke unserer Fachwissenschaft: auf Vollständigkeit ist hier jedoch verzichtet, ein bestimmter
Umfang durfte nicht überschritten werden, auch der Nicht-Fachmann sollte als Käufer gewon-
nen werden. Erfreulich erscheint mir, daß bei der Vielzahl der Autoren kaum Überschneidungen
Vorkommen, das Grundsätzliche entsprechend dem heutigen Stand der Forschung hervorgeho-
ben wird und am Ende eines jeden Abschnittes ein knappes Literaturverzeichnis erscheint, mit
dem sich zuverlässig Weiterarbeiten läßt.
Wolfgang Königer

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