Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 19.1976

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Demgegenüber trat das englische und niederländische Element-in Canterbury 1971
und in Gent naturgemäß stärker vertreten — zurück. Auch die Franzosen waren nur
durch vier, allerdings hervorragende Sprecher vertreten. Die Beteiligung der BRD
war erstaunlich gering (44), vermutlich infolge mangelnder Information; und daß
weder der DAV noch die Mommsengesellschaft offiziell vertreten waren, wurde von
manchen als skandalös empfunden. - Deutsches Mitglied in dem „Internationalen
Büro für das Studium der Probleme der Didaktik des Griechischen und Lateini-
schen,“ das von Gent aus seit 1963 die Colloquia veranstaltet, ist jetzt Prof. P.
Wülfing, Universität Köln, als Nachfolger von Prof. H. Patzer.
Bunte Sprachenvielfalt bei gleichzeitiger Konzentration auf das gemeineuropäi-
sche griechisch-lateinische Erbe - das ist für den Berichterstatter das beherrschende
Erlebnis der Tagung, dem man beinahe etwas Symbolgehalt zusprechen möchte.
Jedenfalls ließ beim glanzvollen Empfang in den Sälen der Hofburg Robert Schilling,
Straßburg, seine formvollendeten französischen Grußworte in dem Satz gipfeln:
Patriam eandem habemus.
Das Thema der Tagung: „Lehren und Lernen. Der altsprachliche Lektüreunter-
richt an Universität und Schule“ wurde überaus geschickt angegangen, indem jeweils
ein Universitäts- und ein Gymnasiallehrer denselben Text in Korreferaten behandel-
ten. Diese Koppelung war instruktiv, mochte sie nun - was beides geschah - harmo-
nisch oder konfrontativ enden. Zu diesen Hauptveranstaltungen trat ein fleißiges
Programm aus weiteren Vorträgen, Diskussionen und Arbeitskreisen (Beginn mor-
gens 8 Uhr s. t.!) und szenischen Aufführungen, von denen die Darbietung der
„Frösche“ des Aristophanes hervorgehoben sei. Die Schauspieler waren Schüler des
Akademischen Gymnasiums Wien I. An der Einstudierung hatten außer Lehrern
auch Fachkräfte des Theaters mitgewirkt, und das Ergebnis dieser Arbeit erschien
vielen Tagungsteilnehmern als Höhepunkt der Woche und verdiente Beachtung weit
über Österreichs Grenzen hinaus.
Uber die Vorträge soll im einzelnen an anderer Stelle berichtet werden. Die
vollständige Veröffentlichung der Referate und Protokolle wird ohnehin wie
gewöhnlich vonstatten gehen. Das Heft, das im nächsten Jahr erscheinen wird, kann
schon jetzt bestellt werden beim Verlag der Zeitschrift
Didactica Classica Gandensia
Blandijnberg 2, B 9000 Gent, Belgien
Folgende Texte wurden in den Hauptvorträgen behandelt: Sallust hist. III fr. 48,
Catull 76, Kritias TrG F 43 f 19 Snell, Caesar b.g. IV 17, Vergil Aen. I 1-7, Tacitus
ann. XIV 53-54, Plato Ion 530-534.
Aber wie alle Kongresse erfüllte auch dieser seinen Zweck teilweise neben dem
Programm durch die Gelegenheit zum Gespräch über die Grenzen hinweg. Es ist
erstaunlich, wie viel an gemeinsamen Problemen, aber auch an unterschiedlichen
Methoden und Organisationsformen aus der Schul- und Universitätswelt der EG-
Länder und Jugoslawiens zu erfahren ist. Die Veranstalter verdienen für die Schaf-
fung dieser m. W. einzigen internationalen Begegnung von Schulaltsprachlern Dank
und Unterstützung.
Eberhard Oberg
433 Mülheim a. R., Alfredstr. 22

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