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Der Getten- oder Iettenbühl.

Von Karl Lhrist.

Dcr älteste Name des untern Schlosses ist bekanntlich Gettenbubel,
(so s^56 bei Dautz, Gesch. der Univ. sseidelb., I S. 259 - Gettenpubel) oder
in späterer Zorni Iettenbühl, woraus die Uuniaiiisteii in Anlehiiuiig an
die gernianische Weissagerin veleda bei Tacitus eine entsprechende Ueldeu-
jungfrau uud Zauberin Zetta erdichtet baben, welche theils hier, theils
im sog. Geidenloch, eineni noch vorhandeiien unterirdischen Gaug bcini
lVolssbruinieii gewohnt habe. Zu Grunde lag wohl eine jener an Uöhlen
und Tuelleu der Neckargegend uud des Ddenwaldes vielverbreiteten Sagen
von einer heilkundigeii Masseriiynixhe, die nian dami nach deni Nameii des
Gettenbühls „Getta" oder „Zetta" genannt haben niochte.*) Menn nian
aber in Betracht zieht, das; z. B. auch beini neuen Ächloß zu Baden-Baden
eine Schlucht Namens Getten- oder Göttengasse liegt, so wird dieser Nanie
in beiden Fällen einfach auf das mittelhochdeutsche Mort ßiat — Uöhle,
Loch zurückgehn, wobei wohl auch der Gedanke an das U)ort „Göttin"
zur Ausschmückung unserer Zetta mit den göttlichen Ligenschaften der
Meissagung mitgewirkt haben mag. chollte dieselbe doch eine Rapelle in
der Gegend des Glockenthurmes gehabt haben.

Iedenfalls gehört aber die ganz moderne und künstliche sog. Zettahöhle
hinter dem chchlosse gegen die Nkolkenkur zu, wo früher cin chteinbruch
bestand, nicht hierher.

Menn nun in der ersten Lrwähnung des Gettenbühls in einer zu
Aarlsruhc befindlichen Urkunde von f565 derselbe „Geltenpogel" geschrieben

vergl. Mar lsuffschniid „lsochhausen am Neckar nud die heilige Notbnrga"
in dcr Zeitschrift für Geschichte dcs Gberrheins, Neue Folge, Ld. I, 2. Z85> ff. —
2odami nieine Schrift iiber das kseidelberger Faß, 2. 25 u. 25, Annierk. — Der Lhronist
Lueä (neu herausgeg. bei Brönner in Frankfurt) berichtet ini Iahr t6S2: „Nächst
hinter dem 2chlotz ist ein hoher Berg Rönigsstuhl genannt. — Unten ain Berg isr
der berühintc Molfsbrnnn, von dein die Beidelberger viel fabuliren. Diesc Gegend ist
sehr lustig wcgcn der tiefen Thälcr und dabei befindlichen Forcllenwciher. Ich besucbte
daselbsl die köhle, worinnen dic sibpllische Mahrsagerin Ietta gewohnt habcn soll.
U?ir gingen zn derselben mit brcnnenden Fackeln dnrch einen langen untcrirdischen
Gang. Uäie groß aber mein Oerlangen gewesen, sie zu sehen, desto mehr eilte ich wicder
hinaus, dcm bösen Gestank, 2chlangen und anderem Ungeziefer zu entsiichen." — Anch
gelegentlich dcr Lroberung kieidclbergs durch die Franzosen ist ;6yZ die Redc oon
diesem i.nterirdischcn Gang sbci 2alzer, Zur Gesch. kieidelb. II 2. 26), welchcr jctzt
zwar halb vcrschüttct, aber doch noch mit Guadern gewölbt ist und vom lDolssbriiiinen
gegcn dcn Neckar zn zieht.
 
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