Rocznik Historii Sztuki — 42.2017

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Rocznik Historii Sztuki, tom XLII
PAN, 2017

ANDREA HUCZMANOVÀ
UNIWERSYTET WROCŁAWSKI

DIE STADT JOACHIMSTHAL UND IHRE MEMORIALKULTUR
IN 16. JAHRHUNDERT.
EIN BEITRAG ZUR ENTSTEHUNG, IKONOGRAPHIE
UND AUFTRAGGEBERN DER BILDEPITAPHIEN
AUS DER „SPITALSKIRCHE“

Entdeckungen reicher Erzlagerstätten auf der sächsischen Seite des Erzgebirges und ihre wiederholte
Ausbeutung waren ein Grund für die Entstehung bedeutender Bergbaustädte, die ein breites Spektrum
von Bewohnern aller Stände anzogen, sowohl auf dem Gebiet des Königtums Böhmen als auch auf den
Gebieten, die von Wettinnern verwaltet wurden. In den Städten finden wir deshalb neben den üblichen
ffandwerkern, Bergbauunternehmern und Bergarbeitern auch zahlreiche Künstler und Adlige. Ein gut
entwickeltes kulturelles Leben war daher ein charakteristisches Merkmal dieser Städte.
Viele entwickelten sich zu bedeutenden Kunstzentren und zu Orten des aufstrebenden Humanismus.
Das Auftreten Martin Luthers und einiger anderer Reformationstheologen am Anfang des 16. Jahrhunderts
beeinflusste nicht nur die intellektuellen Ansichten der Adligen und Gelehrten dieser Städte, sondern auch
aller Schichten der Bevölkerung. Diese Theologen, zum Beispiel Johann Mathesius oder Cyriakus Span-
genberger d. J., nutzten perfekt den spezifischen Charakter der Bergbaustädte für ihr Schaffen1. Dem Ruhm
und dem Wandern der Prediger halfen auch rege Kontakte der Bürger zu den Predigern, die in erhaltenen
Kirchen- und Stadtbüchern nachweisbar sind. Außerdem stärkte die ethnische Zusammensetzung der hiesigen
deutschsprachigen Städte die kulturelle Integrität der Region. Der nationale und sprachliche Charakter der
Bevölkerung ist auch ein Grund, warum gerade hier das älteste und meistkonzentrierte lutherische Gebiet
Böhmens entstand und warum man im Falle des Erzgebirges nach H. Brauer von einem geokulturellem
Raum sprechen kann, der hier noch dazu mit dem Kulturraum der Bergbaustädte verbunden war2.
Eine bedeutende Rolle in der Bildung diesen Raumes spielten auch die Wittenberger Reformtheologen,
allem voran Martin Luther, die Kontakte mit hiesigem Adel knüpften. Darunter kann man auch die Meiß-
ner, sächsische und thüringische Adelsfamilien finden, die in dem Grenzgebiet des Königtums Böhmen
in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehrere Güter kauften und fingen an, hier in das politische,
wirtschaftliche und kirchliche Leben ihrer Umgebung aktiv zu beeinflussen. Stellvertretend kann man

1 Ch. Reizig, G. Müller, Martin Luther und der Bergbau: aus Tischreden, Briefen und Predigten, Wittenberg 2000.
2 H. Brauer, Das 15. Jahrhundert zwischen Freiberg und Zwickau. Tendenzen der Forschung, [in:] Des Himmels Fundgnibe:
Chemnitz und das sächsisch-böhmische Gebirge im 15. Jahrhundert. Ausstellung 3. Oktober 2012 bis 20. Januar 2013, Hrsg. U. Fie-
dler, H. Thoß, E. Bünz, Chemnitz 2012, S. 28-42; P. Hlaväcek, Der böhmisch-sächsisch Grenzraum im Spätmiettelalter und in
der Frühneuzeit zwischen Integration und Desintegration, [in:] Grenzraum und Transfer. Perspektiven der Geschichtswissenschaft in
Sachsen und Tschechien, Hrsg. M. Reznik, Berlin 2007 (Chemnitzer Europastudien Bd. 5), S. 83-94; A. Huczmanovä, Horni mèsta
Krusnohon coby umeleckä centra na prelomu XV. a XVI. stoleti, [in:] Stredoeuropské mesto ako politické, hospodàrské a kultürne centrum,
Hrsg. P. Kacvincky, N. Dzurikaninovä, Kosice 2015, S. 23-36.
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