Riegl, Alois
Das holländische Gruppenporträt (Band 1): Textband — Wien, 1931

Page: VII
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/riegl1931bd1/0015
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
VORWORT'DES HERAUSGEBERS

In seiner Spätrömischen Kunstindustrie und im Holländischen
Gruppeiiporträt hat Alois Riegl seine an wissenschaftlicher Aktualität
stets wachsende Theorie vom Kunstwollen, als eines hinter den bis-
herig en Stilhegriffen aufzeigbaren und aus der jeweiligen Weltan-
schauung erklärbaren inneren Organisationsprinzips der Kunstwerke
dargelegt und zugleich an der Bearbeitung größerer Abschnitte der
Kunstgeschichte fruchtbar gemacht. Wie die Spätrömische Kunst-
mdustrie, ging im wissenschaftlichen Arbeitsgang Riegls auch das
Holländische Gruppenporträt in letzter Linie aus seinen akademischen
Vorlesungen hervor. Er hatte 18Q5 96 und lQOO/O] Uber nieder-
ländische Malerei im XVII. Jahrhundert gelesen. Aus dieser umfas-
senden Behandlung des ganzen Stoffes, die in einem weiteren Band der
Neuausgabe der Schriften Riegls veröffentlicht werden soll, griff er das
Gebiet des Gruppenporträts, das, wie er selbst sagt, „wie kein anderes
geeignet ist, den eigensten Charakter des holländischen Kunstwollens
zu offenbaren", zu einer eingehenden Darstellung im Sinne jener in
seinen letzten Lebensjahren erst voll entwickelten Theorie heraus.

Die wissenschaftliche Bedeutung der Schrift ist daher eine doppelte.
-£üimal ist es die reifste, noch nach der Spätrömischen Kunstindustrie
entstandene Verkörperung seines Theoriengebäudes, somit eine Haupt-
grundlage fllr das Verständnis Riegls als Theoretikers seiner Wissen-
schaft. Dann ist die Schrift an sich als Behandlung niederländischer
Malerei des XVI. und XVII. Jahrhundert wertvoll. Die historische Dar-
stellung dieses Gebietes ist in eigentümlicherweise zurückgeblieben.
Neben den vielen Materialsammlungen, Katalogen und Monographien
gibt es bis heute keine Schrift, die als zusammenhängende historische
Darstellung niederländische Malerei des XVI. und XVII. Jahrhunderts
auf der neuern theoretischen Grundlage der Kunstgeschichte als
autonomer Wissenschaft das Werk Riegls irgendwie zu ersetzen im-
stande wäre.

Es bedarf daher keiner weiteren Rechtfertigung, wenn der IQ27
erfolgten Neuausgabe der Spätrömischen Kunstindustrie, die ja schon

VII
loading ...