Riegl, Alois
Das holländische Gruppenporträt (Band 1): Textband — Wien, 1931

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ERSTE PERIODE DER HOLLÄNDISCHEN GRUPPEN-
PORTRÄTMALEREI (1529—1566)

Eine Korporation, wie sie das holländische Gruppenporträt forderte

— also eine Korporation, deren einzelne Mitglieder zugunsten eines
gemeinsam zu erreichenden, praktisch-irdischen und dabei gemein-
nützigen Zweckes ein Stück ihrer Individualität und ihres Selbstbe-
stimmungsrechtes preisgaben —, waren weder der Orden der Johan-
niter noch jener der Bruder vom Heiligen Grabe, Uberhaupt kein
geistlicher Orden, dessen Zwecke, mögen sie auch die höchsten sein,
stets egoistische, weil auf die Erlösung und das Heil des einzelnen
Mitgliedes beschränkte, bleiben müssen, sondern in ältester Zeit die
Schützengilden. Zwar waren auch sie ursprünglich auf religiöser
Grundlage errichtet und das von ihnen eifrig betriebene Papageien-
schießen läßt einen zweiten egoistischen Zweck, denjenigen des
Vergnügens, erkennen. Damit verbanden sie aber doch den Gedanken
gemeinsamer Abwehr der Feinde der Bürgerschaft und auf dieser
Grundlage ließ sich schon ein echtes und wirkliches Gruppenporträt
begründen. Allerdings bewahrte dasselbe, wie sich zeigen wird,
noch während der ganzen ersten Periode gewisse Züge des
älteren geistlichen Korporationsporträts, die es sogar jetzt erst recht
ausgebildet und nicht früher eingebüßt hat, als mit Beginn der
zweiten Periode der Zusammenhang der Schützengesellschaften mit
den alten, unter dem Patronate von Heiligen gestandenen Doelen
bis auf den Namen vollständig verlorengegangen war. Die Werke
dieser ersten Periode zeigen somit einen Übergangscharakter, der von
der Kultkunst des XV. zur Profankunst des XVII. Jahrhunderts Uber-
leitet und sich auch darin ausspricht, daß diejenigen Gattungen des
Gruppenporträts, die von Haus aus rein weltlichen Charakters waren

— die sogenannten Anatomien und die Regenstücke —, während der-
selben noch nicht nachzuweisen sind. Was diese Periode an Gruppen-
porträts hervorgebracht hat,sind ausschließlich SchützenstUcke aus den
drei Amsterdamer Gilden: dem Kloveniers- (Buchsenschützen), Voet-
boogs- (Armbrustschutzen) und Handboogs- (Bogenschützen) Doelen.

Das Schützen- Als das älteste SchützenstUck gilt heute wohl mit Recht dasjenige
StÜjacobLDvom des Dirck Jacobsz im Rijksmuseum Nr. 1288, das die Jahreszahl I52Q
Jahre 1529- trägt und aus dem Kloveniersdoelen stammt. Es besteht aus einem

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