Siebmacher, Johann [Begr.]; Grass, Carl August von [Bearb.]
J. Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch: in einer neuen, vollständig geordneten u. reich verm. Aufl. mit heraldischen und historisch-genealogischen Erläuterungen (Band 2,6): Der Adel in Baden: nebst Anhang, die Standes-Erhebungen des fürstlichen Hauses Fürstenberg enthaltend — Nürnberg, 1878

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DER ADEL IN BADEN.

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Tann von der, Freilierrren. (Taf. 16.)

Uradel aus Franken, dessen unmittelbare reichs-
ritterschaftliche Besitzungen den Cantonen Rhön und
Werra incorporirt waren und dessen gleichnamiges
Stammhaus nahe bei Fulda liegt.

Konrad erwält 1232 f 1237 war Bischof zu Speyer
und Mitglieder des Geschlechtes finden sich in vielen
geistlichen und weltlichen Stiftern des deutschen Rei-
ches. Von den verschiedenen noch blühenden Linien
(Baiern, Sachsen etc.), kommt hier nur die Konradi-
sche Hauptlinie (gelbes Schloss) in Betracht, als Mit-
erben der f Familie der Freiherren von Rathsamhausen.

Heinrich von und zu der Tann fürstlich
fuldaischer Geheimerath, Obersthofmarschall und Rit-
terhauptmann des Cantons Rhön und Werra f 1714,
erlangte am 7. Juni 1704 für sich und seine Nach-
kommen den Reichsfreiherrenstand. Grundherrlicher
Besitz in Baden (1843) im Amt Lahr Antheil an
Nonnenweier.

Stimmfähig und wählbar zur ersten Kammer ist
(1869) das Geschlecht nicht mehr.

Stammwappen: In R. eine rechts gewendete,

mit Kopf und Schwanz abwärts gebogene, s. Forelle
mit g. Flossen.

Kleinod: eine g. gekrönte r. Säule, belegt mit
der Forelle und oben besteckt mit einer r. Feder zwi-
schen 2 s., oder auch einer s. zwischen 2 r. Federn.

Decken: r. s.

Vermehrtes, freiherrliches Wappen.
Von S. und G. geviert, mit dem Stammwappen als
Mittelschild. I. und IV. auf gr. Boden eine gr. Tanne.
H. und III. ein rechts gewendeter gekrönter b. Löwe.

Kleinode: 3 gekrönte Helme. I. wachsende,

einwärts gekehrte r. gekleidete Jungfrau mit fliegen-
dem Haar kurzen Aermeln auf dem Kopfe einen b.
(auch r.) Reichsapfel tragend und eine s. Sichel vor-
haltend, welche auf der äussersten Biegung mit 4
Pfauenfedern besteckt ist. II. zum Stammwappen.
HI. Wachsend ein geharnischter Ritter mit offenem
Visir, einer b. zwischen 2 g. Federn auf dem Helme,
in der Rechten ein Schwert emporhaltend , die Linke
in die Seite gestemmt.

Decken: I. und II. r. s. III. b. g.

Ixkull - Gyllenbaud, Freiherren. (Taf. 16

und 17.)

Liefländischer Uradel, der aus der Mark Branden-
burg und dem Magdeburgischen stammen soll, sich
aber auch nach Schweden wendete. Aus der schwe-
dischen Linie focht Konrad v. U. unter Gustav Adolf
in Deutschland und fiel 1656 in der Schlacht bei War-
schau. Er war am 23. August 1648 in den schwedi-
schen Freiherrenstand gleichzeitig mit seinem Bru-
der Reinhold Johann und seinem Oheim Otto erhoben
worden. Bei dieser Gelegenheit erhielten sie eine Wap-
penvermehrung und den Beinamen Gyllenband (gol-
denes Band). Konrad’s Nachkommen blieben in Deutsch-
land und sein Enkel: Friedrich Johann Emich
wurde der gemeinschaftliche Stammvater der in Ba-
den vorkommenden freiherrlichen und der inWürtem-
berg blühenden gräflichen Linie. Er trat in baden-
durlach’sche Dienste, erwarb das Rittergut Mönch-
zell und f 1768. Unter seinen 5 Söhnen wurde
Emich Johann Friedrich, f 1810, als würtem-
berg’scher Staatsminister etc. am 22. Februar 1790
wegen Mönchzell in die freie Reichsritterschaft,
Canton Kraichgau, aufgenommen.

Grundherrliche, ritterschaftliche Besitzungen im
Grossherzogthum (1843): im Amt Neckargemünd

Mönchzell und im Amt Wiesloch: Antheil anAlt-
wiesloch und Baierthal.

Bd. II. Abth. 6.

Stammwappen: In £{; eine g. Krone, durch

welche zwei s. Streithämmer gekreuzt gesteckt sind.

Kleinod: gekrönter Helm mit einem Pfauenspie-
gel zwischen zwei s. Sicheln an g. Stielen, die Schneide
nach innen gekehrt.

Decke n: ££. g.

Freiherrliches Wappen: Von G. und ^ ge-
viert mit b. Mittelschild, darin eine g. Schleife (Band)
wegen des Beinamens Gyllenband. I. und IV. rechts
gewendet ein r. Löwe, der Länge nach mit g. Bande
umwunden und an einem gebogenen Stiele eine s.
Lanze haltend. (Wahrscheinlich Gnadenzeichen, we-
gen der Verdienste um Schweden, da dieser Löwe Wap-
penzeichen Norwegens ist.) II und III Stammwappen.

Kleinod: 2 gekrönte Helme 1 zum Stamm Wap-
pen , der Pfauenspiegel indessen mit einem g. Quer-
band umwunden. II der Löwe von I und IV.

(Vide Adel in Würtemberg und Nassau.)

Ein weiteres vermehrtes Wappen, welches sich im
alten Siebmacher Bd. III. S. 168 findet und hier eben-
falls gegeben ist, hat die Löwen in I und IY ohne
Lanze und als Kleinod zu Helm II den Löwen wachsend
mit s. Lanze an gradem Stiel.

Hiernach wäre nur die Lanze an gebogenem Stiele,
bei Erhebung der Familie in den Freiherrnstand, bei-
gegeben, etwa um das Norwegen’sehe Wappenzeichen
anzudeuten.

Das Geschlecht ist in Baden f.

Waldner von Freumlstein, Grafen. (Taf. 17.)

Früher W. v. Sulz, W. v. Gebwiller, W. v. Thann.

Uradel aus dem Eisass, woselbst das Stammschloss
Freundstem, Frundstein unweit Sulz in den
Vogesen gelegen ist. Das Geschlecht war aber auch
in Schwaben begütert und gehörte zur Reichsritter-
schaft der Cantone Ortenau und Neckar-Schwarzwald.
Johann Ludwig, französischer Brigadier, erhielt vom
König Ludwig XV. von Frankreich 1769 den Titel
Baron von Colmar und Christian Friedrich Dagobert
Herr auf Ollweiler etc., französischer Marechal de
camp und Oberst, wurde 1748 von demselben König
in den Grafenstand erhoben.

Wegen Antheils an der Grundherrschaft Schmie-
heim, Amts Ettenheim, zählte 1843 die Familie
zu den Grundherrn, 1869 indessen nicht mehr. Aus-
serdem besitzt sie Güter in Weinheim, Amts Wein-
heim.

Wappen: In S. 3 neben einander stehende, bis

zum Schüdeshaupt reichende ■££ Spitzen, auf jeder
derselben sitzend ein r. Vogel. Nach Anderen erhebt
jeder Vogel die rechte Klaue.

Kleinod: Meist gekrönter Helm, mit 15 Strauss-
federn übereinander 5. 4. 3. 2. 1. Die Reihen 1. 3. 5.
(9 Federn) jj; und die Reihen 2 und 4 (6 Federn) s.—
(Zuweilen auch ein s. Federbusch.)

Decken: ■££. s.

Wambold von Umstadt, Freiherren. (Taf. 17.)

Rheinischer Uradel, welcher den Beinamen v. U.
seit 1306 von Lehengütern in der Stadt Umstadt bei
Darmstadt führt, die von Kurpfalz und Hessen ver-
liehen waren. Einverleibt war das Geschlecht in den
Reichsrittercanton Odenwald und erscheint in fast al-
len rheinischen Ritterstiftern. Anselm Casimir,
Erzbischof und Churfürst zu Mainz erw. 1629, f 1647.
Heinrich Friedrich, zuletzt kurmainzischer Ob-
rist, Hofkriegsrath und Amtmann zu Dieppurg wurde
für sich und seine Nachkommen am 6. Mai 1664 in
den Reichsfreiherrnstand erhoben.

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