Staiger, Franz Xaver Konrad
Salem oder Salmansweiler: ehemaliges Reichskloster Cisterzienser-Ordens jezt Großh. Markgräfl. Bad. Schloß und Hauptort der Standesherrschaft Salem sowie die Pfarreien Bermatingen, Leutkirch, Mimmenhausen, Seefelden und Weildorf mit ihren Ortschaften und Zugehörungen ; topographisch-historisch ausführlich beschrieben — Konstanz, 1863

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klosters i'st Guntramus, Baron von Adlsreiter, um daS jahr 1134 und 1140
gewcsen. Der erste Prälat war Frowinus, ein relsegefährte des hl. Beru-
hardi und sein dollmetsch. Heruach soll Kayser Conrad III. Anno 1142
dieses kloster dem Reiche unmi'ttelbar unterworffen, der Kayser Friedrich
aber mit mehrern freyheiten und güthern begabet haben. Kayser Carl IV.
hat anno 1541 demselben die freyheit ertheilet, daß die Reichsächter in dem
kloster, und dessen gantzen gebiethe st'ch aushalten dürfen. Die Grafen von
Moutfvrt sollen die rnhmliche stiftung gethan haben, daß alle Rittersleuthe
und fremde eine nacht darinn ohne entgeld traktiret würden. Als mit an-
sang des xill. saeeuli die stifter dieser Abtei ausgestorben, hat fich Eber-
hardus il. Erzbischoss zn Salzburg derselben mit allem ernst angenommcn
und ihr eiue salzkothe zu Waldbrunnen verehret, auch viele andere wolthaten
erwiesen, weßwegen die Abtey uoch immer zum andenken nebst dem Adls-
reiterischen auch das Salzburgifche wappen führt. Weil eS mit dem gebiethe
der Grafschaft Heiligenberg umgeben i'st, so haben die Grafeu von Fürsten-
berg aus der roxnl, ciuocl iutra torrilorium ost, aä illucl pertinero victe-
tur, wie auch deßwege», daß fie den blutbann über das kloster ererciren,
einen anspruch auf des klosters immedietät gemacht, und die hohe obrigkeit-
liche gewalt darüber üben wollen. Wie denn Graf Joachim zu Fürstcnberg
anno 1598 die von dem Prälaten angeschlageneu vffentlichen patente, worinn
enthalten, wie die allda ei'nquartirten soldaten sich halten und leben sollten,
abreißen lassen. Allein zu geschweigen, daß Schwaben niemals ein geschlossen
territorium gewesen, und alsv die regul so schlechterdi'ngs fich daselbst nicht
thun laffet, so erfordert die erste institution des Ci'sterckenser-Ordens, daß
fie unter keinem Bischoffe und Reichsstand stehen, sondern im geistlichen dem
Römischen stuhle, und im weltlichen allein dem Kayser unterworffen seyn.
Hicrzu kommt noch, daß dieseS kloster von den Schwäbischen Herzogen, denen
das Linzgau damals zugehört, zu einer solchen zeit gestiftet worde», da nvch
kein Graf von Heili'genberg an ein perpetuirliches terri'torium, vielweniger an
die hohe Obrigkeit gedenken dürfen, und wenn auch dieses alles wäre, so ist
die befreyung des Kaysers Conradi lli. vorhanden, welcher die Grafen wohl
wkrd darum haben wisscn lassen, als er solches pri'vilegi'um ertheilet. Dieser-
halben nun haben die von Fürftenberg nichts auSgerichtet, sondern daS kloster
hat seine Reichs-Jmmedietät bis hieher behauptet, und haben die Aebte dem
ReichSabschiede ;u Negensburg anno 1500, dem zu Augsburg anno 1510,
dem zu Cöln anno 1522 und leztlich dem zn Regensburg anno 1654 bei-
gewohnt und fie unterzeichnet. Und obwol das Hans Oesterreich die After-
Schutz-Gerechtigkeit über das kloster übet, so ist doch der Kayser allemal der
oberste Voigt, uud das kloster bleibet ein freier Reichs-Stand, wie es denn
land und leuthe, Vogteyen. Gericht und gebot, zwang und bann besitzet,
außer dem einzigen blut-banne, welche die von Fürstenberg von langer zeit
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