Thieme, Paul [VerfasserIn]
Der Fremdling im Ṛgveda: eine Studie über die Bedeutung der Worte ari, arya, aryaman und ārya — Leipzig, 1938

Seite: 134
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4. Kapitel: aryaman

130 Nur in dem Punkt, auf den es in GünterTs Zusammen-
hang eigentlich ankommt, vermag ich ihm nicht zuzustimmen.
Ich glaube es nicht, daß Aryaman und Mitra „durchaus
Synonyme sind, wenn man die Namen rein sprachlich be-
trachtet“ (a. a. 0. S. 181): aryä heißt nicht „befreundet,
verbündet“ (oben 70ff.); aw. airyaman nicht „Sippe“
(oben 101), und in RV. 10. 85. 23 handelt es sich um Ar-
yaman nicht als einen „verbindenden“ (a. a. 0. S. 81), sondern
als einen „geleitenden“ Gott (oben 118). Davon, daß Aryaman
„die Bande der Familienzugehörigkeit beschützt“ (a. a. 0.
S. 181), ist im Text nirgends etwas zu finden.
Die „wichtige Entsprechung“ Aryaman: mittelirisch
Airem, die Hillebrandt (a. a. 0. S. 77) wie Güntert
(a. a. 0. S. 180) zu einem ihrer Ausgangspunkte wählen,
muß jedenfalls weit hinter das zurücktreten, was uns die
Worte des RV. über den Sinn und die Bedeutung des Wortes
aryaman und des Gottes Aryaman tatsächlich angeben oder
mit Sicherheit erschließen lassen. „Ob Aryaman (aw.
Airyaman) mit Airem, dem Namen eines sagenhaften Stamm-
vaters des Irenvolkes zusammengehört, . . . entzieht sich
meiner und wohl jeder sicheren Beurteilung“: OldEnberg-,
Religion des Veda S. 190 Anm. 1. Wir dürfen es den Kennern
keltischer Sprache und Sage überlassen, zu untersuchen, ob
es wahrscheinlich ist, daß der Name Airem auf ein Appel-
lativum „[bewirtender] Gastfreund, gastlicher Herr“ oder
dergleichen zurückgeht.
D. Die Bildung des Wortes arya-mdn
131 In JA. 1907 S. 14311. hat A. Meillef über den Indo-
Iranischen Gott Mitra, MiJra in einer Weise gehandelt, die
für die neuere Auffassung1) vom Wesen der Äditya bahn-
0 Vgl. vor allem B. Geiger, Die Amaäa Spantas S. 164ff., ins-
besondere 245ff.; St. Konow, The Arian Gods of the Mitani People
(1921); Lehrbuch der Religionsgeschichte4. Die Inder § 4, insbe-
sondere S. 21 ff.; Zur Frage nach den Asuras (Festgabe H. Jacobi
S. 251 ff.); Medhä and Mazda (Jhä Commemoration Volume
S. 217ff.).
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