Thieme, Paul [VerfasserIn]
Der Fremdling im Ṛgveda: eine Studie über die Bedeutung der Worte ari, arya, aryaman und ārya — Leipzig, 1938

Seite: 157
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C. riäädas und süri. § 150

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pflicht, der im RV. noch erkennbar (oben 140), dem der Not-
wendigkeit Drohungen, Rachekräfte zu beschwichtigen gänz-
lich das Feld zu überlassen scheint, entspricht durchaus der
Art, in der sich die Vorstellungen auch sonst ändern. Der
Vorgang ist wirklich nur ein einzelner Zug in einer all-
gemeinen Bewegung: dem Absinken des religiösen Denkens
in die Sphäre der Magie. Auch das Opfer, ursprünglich als
festliche Bewirtung der Gottheit gedacht, zu der man ein-
lädt mit schmeichelhaften Worten, oft mit einem Versprechen
des Gastgeschenks, in der Hoffnung auf die „Segenswünsche
des Fremdlings“ (oben 23), ist in den Brähmana zum Zauber-
zwang geworden, der den gewünschten Erfolg kraft der ihm
innewohnenden Naturgewalt erwirkt. Das Einladungslied wird
zur magischen Formel, die als solche, nicht aber als sinnvolles
Gedankengefüge1), eine gewaltige, immer unheimliche, oft
furchtbare Kraft entfaltet.
€. risadas und süri
150 Von höchstem Interesse ist nicht nur der Begriff, den
es benennt, sondern auch das Wort ari selbst. Es folgt einer
Flexionsweise, die „nur noch der RV. kennt und nur noch
von wenigen Stämmen“, die aber „durch schlagende Par-
allelen in anderen Sprachen als idg. erwiesen wird“ (Wacker-
nagel-Debrijivn'er, Grammatik III § 69a).
Ja, ich glaube noch eine andere Spur der Altertümlichkeit
erkennen zu dürfen. Bei mehreren w-Stämmen läßt sich noch
ein Stammablaut beobachten, der ursprünglich sicherlich
folgerichtiger und allgemeiner stattgehabt hat. Neben däru
steht dru, neben sänu : snu, neben pasu : ir. -fsu usw. (Wacker-
eagel-Debrunner a. a. 0. § 69b). Besonders häufig findet
die schwache Stammform sich im Vorder- oder Hinterglied
einer Zusammensetzung: dru’padä, jnwbadh, ir. kamnafsu,
ghrtdsnu usw. Ein entsprechender Ablaut müßte neben ari
ein n geschaffen haben. Dieses möchte ich als in den Worten
risadas und süri wirklich vorhanden plausibel machen.

1) Vgl. hierzu O. Strauss, ZDMG. 81 S. 109f.
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