Das 500jährige Jubiläum der Heidelberger Universität im Spiegel der Presse: Dresdner Anzeiger — 1886

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Kunst und Literatur.

^ Jn Düsseldorf ist seit 25. Juli eine dem Andenken des
verstorbeum Professors W. Camphausen gewidmete AuS-
stellung eröffnet. Etwa 50 Gemälde deS heimgegangenen
Meisters sind zu einem schönen Ganzen vereint. Die Mitte der
Ausstellung bildet das Bildniß Wtlhclm Camphausens. gemalt
von E. Bendemann, welcheö pietatvoll mit cinem Lorbeerkranze ge-
schmückt ist. Die Ausstellung ist im hösten Grade interessant. Sie
giebt eincn geordneten Uetcrblick über den gesammten künstlcrischen
EntwickelungSgang dcS verewigten KünstterS. Von größeren Ge-
mälden sind auö dem Besitz des Kaisers hierher gekommcn: Der
Einzug des Kaisers in Berlin, Begegnung Sr. Majestät mit dem
Kronprinzen in Königgrätz, Friedrich dcr Große an der Leiche
Schwcrins unb Erstürmung derDüppeler Schanze 9!r. 2. Bom Kunst-
verein Barmen: Der Kaiser uuv seine Paladine. Von Elberfeld das
Portrait des Kaisers. Außerdem sind viele Bitder aus dem Bcsitze
deö Fürsten von Hohenzotlern und einzelner Regimenter, cbenso
von verschiedenen Museen und Privaten ausgestellt.

Heidelberger Jubilätttnsfestlichkeiten.

Am 3. August fand, wie schon kurz gemeldet worden ist, in
der festlich gcschmückten Heiliggeistkirche feierlicher Gottesdicnst statt,
an welchein sämmtliche anwesende Fürstlichkeiten, Ehrengäste und die
Delegirten der Stadt theilnahmcn. Die Festpredigt hielt Prof.
Basscrmann, derselben lag der Gedanke zu Grunve: Bci Gott
sind 1000 Jahre wie ein Tag, bei uns aber 500 Jahre eine
Ewigkeit. Um 11 Uhr trafen die höchsten Herrschaften in der
rcich geschmückten Universität ein. Jm Gefolge derselbcn befanden
sich der CultuSminister Nvkk und die Spitzeu des Hofstaates.
Jn dem neu hergerichtelcn Vcstibnl, wclches mit prächtiger Holz-
arbeit und kunstvolleu historischen Emblemen gcschmückt ist,
wurden die Herrschaften von dem Prorektor und dcm engercn
Seuat cmpsangen und bcgaben sich nach einer kurzen Besichtigung
des Vestibuls nach der im ersten Stock gelegencn Aula. Jn der-
selben waren etwa 400 Personcn vcrsammelt, daruntcr die Depu-
tationen der auswärtigen Universitäten, die Ehrengäste, der akade-
mische Lehrkörper, die Ausschüsfe dcr Studcntcnschaft, sowie die
Spitzen der Civil- und Militärbehörden. Besonders hcrvorzuheben
sind der Cultusminister v. Goßler, General v. Obernitz, Minister
TurbLin und Ellsiätter. Untcr den akademischen Gästcn erregtcn
das lebhafteste Jntcrcsse die Professoreu Helmholtz, Mommsen.
Treilschks, Ednard Zeller, Jhering und Gneist, sowie die französi-
schen Akadcmiker du Camp, Oppcrt, Zellcr, Hermite und Lipp-
mann. Der Saal bot in sciner vornehmen Architeklur und künst-
lerischen AuSschmückung, sowie in der rcichen Fülle der
malerischen akademischcn Trachtcn ein überauö reizvollcs Bitd.
Zehn LlUnutcn nach 11 Uhr verkündcte der Marsch aus den
Mcistcrsingern Las Hcrannahcn deS GroßhcrzogS. Unter Vor-
antritt dcr Pedclle betrat der Zug den Saal. Eröfsnct wurde er
durch Universitätsbeamte» dann folgte der engere Senat, der Pro-
rector. hicrauf der Rcctor wsguitiooutissimus, Se. Kgl. Hoheit
der Großherzog mit Adjutanten, sodann Sc. Kaiscrl. und Kgl.
Hoheit der Kronprinz mit Jhrer Kgl. Hohcit der Frau Groß-
herzogin von Vaden, die Hofstaateii und Minister Nokk. Der Groß-
hcrzog nahm den erhöhten Rectorsitz ein, vor welchem die Scepter
gekrcuzt waren. Chorgesang leitete die Feiec ein. Dcr Großhcrzog
erhob sich von seinem Platze und richlete an die Anwescndeii,
welche sich cbenfallS von ihren Sitzen erhoben hatten, folgende
Ansprache:

„Durchlauchtigster Kronprinz, höchste, hohe, vcrehrte Gäste!
Nls Mein erhabencr Ahn, der unvergeßliche Carl Friebrich, in den
Tagen, da das Schwert allein zu geltcu schien, in hoher Ge-
sinnung und klarcr Erkenutniß desscn, waS dem Staatswcsen danernd
frommt, der Univcrsität neucS Leben einhauchtc, ein wahrcr zweitcr
Gründer derselben, erklärte er: dtcctor der Universität wollen wir
selbst sein und unseren Nachfolgern iu der Kur diese Würde hinter-
tassen. Jn Mciner Eigcnschaft als Rector der Hochschnle begrüße
Zch hcute, an dem stolzen Tage, wclcher die fünfhnndertjährige
Jubelfeier der ältesten Universität des Dentschen öceiches cinleitet,
die glänzende Versammlung, die unS die Ehre und die Freude cr-
wcist, an dcm bedeutungSvollen Feste theilzunehnien. Jch freue
Mich vor Allem der unö beglnckenden Anwcsenhcit Sr. Kaiserl.
und Königl. Hoheit des Kronprinzen des Denischen Neiches und
von Preußen, Lcs erhabenen Vertretcrö unseres Kaisers Wilhelni,
unler desjen glorreicher Regierung, nnter desscn gnädiger und
warmer Theilnahme wir dicseS hcrrliche Friedcnsfest fciern dürfen.
Auch gercicht unS zu hoher Genngthunng, daß Seine Heiligkeit
Papst Leo XIII., hicrin nicht wenigen seiner erhabenen Borgänger
solgend, der altcn Bildungöstätte durch die Widmuiig einer kost-
baren wissenschafltichen Gabe sein freundliches Jntercsse bekundet.
Jch danke inSbesondere allen den Abgesandtcn ver deutschcn
Schwesteranstalten, sowie der vielen Hochschulen und Akademicn
befreundeter Natiouen, welche durch die Beglückwünschung der Jubel-
niiivcrsität ein so jchöneS Zeugniß abgeben von der Einheit der
Wissenjchast. Frcundlich begrüße ich die Männer aus allcn Lebens-
kicisen »venen bie Förderung der Wissenschaft und Lknnst anvcrtraut
jjt, wetche unserem Nuf sympatbisch gefolgt sind. Ein halbes
Zahrtanseud deutscher Gcschichtc hindurch hat sich diese große
Anstalt allcn politischen Wechscln, allcn äußereu Einflüsten gegen-
über oft in schweren Kämpfen behauptet und immer wieder er-
hoben in lebcndiger Kraft, auf den verschiedcnstcu Wegcn
nach Wahrheit strebend, die Jngend bildend. Sie hat das
Kapitai mcnschlichen Wiffens gcmchrt, sie hat den Samen edler
Sitte und humancr Gesiummg in die Herzen der Zugend gelegt.
Ehre sei darum oem Gri'mdcr der Universität, Ruprccht I-, und
allen den erhabcnen Fürstcn geistlichen und weltlichen Standes,
welche dieser Bildungsstätte im Laufe der Jahrhnnderte werkthätige
Theilnahme und mächtigen Schutz gewährt haben. Jch ncnne
dankbar unter vielen Philipp den Aufrichtigcn, Otto Heinrich, den
großen Kenner und Frcund von Kunst und Wissenschaft, den un-
verzagten Rcgcnerator Karl Ludwig. Auch Johann Wilhelm möchte
ich nicht vergessen, welcher dicseS Hauö und diesen Saal, den aus-
gezeichnete Künstler unscrer Tage neu geschmückt, der Hochschule
hat erbauen lasten. Stolz erfüllt Mich, wenn Jch der Verdienste
McincS weisen Ahnhcrrn gebenke, untcr dessen freisinniger und
freicr Regierung die Universität, mit Necht nun Ruperlo Carola
genannt, wieder erstanden ist und cine ncue Blüthe gefunden hat,
wiedcrholt hat die Hochschule schöpferisch eingegriffen in das wisten-
schaftliche Dcnken, neue Anrcgungen, ncue Nichtungen sind von
diesem herrlichen Musensitze ausgegangcn. Auch der Kunst hat
dieselbe Stätte nicht nur Motive geliesert, von Ler deutschen christ-
lichen Kunst dürfen wir wohl sagcn, daß sie hier ihre Wieder-
geburt gefeiert. Und die hcutige Universität ist ihrer großen Ge-
schichte würdig geblieben, in Forschung und Lehre. Jugendfrisch
stchs sie in lebendigem Wechsclverkehr mit den Schwesteranstaltcn,
in der erusten GeisteSarbeit unscrer Tage. Bleibende Werke in den
Geisteswissenschaften, großc Eutdeckungcn auf dem Gcbiete der sich
mächtig entwickelnden Naturwissenschaflen, glänzende Bercdtsamkeit
auSgezeichrietcr Lehrer haben in den letzten Decennien Heidclbergs
Nuhm aufrecht crhalten, treu gemehrt. Bei dem Eintritt in das
6. Jahrhundert Zhrer gescgneten Arbcit bringe ich der großen
Corporation mcinen Glückwunsch dar bcwegten freudigen HerzenS,
in dankbarem Aufblick zu der göttlichen Vorsehung, die so Ebles hat

gclingen lasten. Jn Erinnerung an das hcutige Jubelfest und alö
Zeichen Meines fürstlichen Dankes übergebe ich der Uuivcrsität
diese Medaille und Kette, welche der jeweilige Prorector als Aus-
zeichnung tragen soll. Jndem Jch in dieser feierlichen Stunde
Jhnen, Herr Prorector, meiue Jubelgabe anvertraue, gebe ich
gerne die Versicherung, daß Jch, hierin untcrstützt von der Weis-
heit und Liberalität Meiucr gelreuen Stände, auch in Zukuuft
diese große Bildungöanstalt hegen und pflegen, ihr Schaffeu mit
allcu Milteln fvrdern, ihr cin treu gestnnler Rector sein werde.
Möge der Ruperlo-Carola unter dcm Schutze Meines HauseS, der
großen Vergangenheit würdig, eine herrliche Zukunst beschieden
sein! Das walle Gott!"

Hierauf verlaS der Kronprinz mit weithin vernehmlicher
Stimme die schon telegraphirte Anrede. Der Proreetor Bekker,
bereits geschmückt mit der vom Großherzog soeben gestifteten
Ehrenkelte, begrüßte nun die Versammlung in kurzer, gedanken-
rcickier Neve. Hierauf sprach der Unlerrichlsminister Nokk, welcher
im Namen des gesammten Ministcriums als Geschenk eine Nepro-
duction der der Universität verloren gegaugenen berühmten Hand-
schrift der Minnesängerlieder überreichte. Nach dem Minister
sprach im Namen der Ständekammern der Präsident der zweiten
Kammer. Lameh. Dann begannen die Anreden der Deputationen,
cröffnet durch die in italienischer Sprache gehaltcne dcs päpstlichen
Bibliothekars Stevensons. Jn der Antwort auf dieselbe hob der
Prorector hervor, daß die. Sendung Stevensons überall
in Deutschland alS cin Zeichen der ersehnten Hcrstellung
friedlicher Zustände angesehen werde. Es folgte Geheim-

rath Eduard Zellcr» welcher im Namen aller deulschen
Universitäten, Akademien und technischen Hochschulcn sprach. Hieran
schlossen sich die Ueberreichungen der Widmungen und Adressen
der einzelnen Univcrsitäten, deren Bertreter ihre Gabcn auf dem
Tisch vor dem Großhcrzog niedcrlegten. Der Präsidcnt deS Jn-
stitutS von Frankreich, Jules Zeller, der letzte Nector der Straß-
burger Universilät, sprach im Namen aller fremdcn Universitäten
und Alädemien, worauf die fremdeu Corporationen einzeln ihre
Gaben darreichten. Nach weitcren Aureben des Präsidcnten des
Ober-Kirche»raths Stößer, des Archiv-DirectorS v. Wecch, deS
Oberbürgermeisters Wilckens, wclcher im Namen der Stadt eine
prachlvolle Büste des Großherzogs überreichte, sowie nach einer
Ansprache dcS Schweizer BundeSrichters Morel schloß die Feicr
mit Musik. Der Zug verließ die Aula in derselbcu Ord-
uuug, wie er gekommen. Bei dem Verlassen der Universität
wurhen die Fürstlichkeiten mit begeisterten Zurufen begrüßt. Bci
dem Prorector fand Nachmittags ein Effen statt, an welchem die
Miinstcr Goßler und Nokk, sowie der päpstliche Gcsaudte, viele
ofsicicllc Persönlichkeiteu und Ehrengäste Theil uahmcn. — Das
Schloßsest hat am Abende desselbeu TageS bei kühlem, aber klarem
Wetter stattgefunden und ist äußerst glänzend verlanfcn. Tausende
von zum Theil farbigen Lampious markirten die Architektur dcs
SchlosseS, welches außerdem noch mit elektrischem nnd andercm
Lichte erleuchtet wurde. Gcgen 7000 Personen waren im Schloß-
hofe, auf dem Balcone und im Garten anwesend. Dcr Staat
hatte die Bewirthung der Gäste übernommcn. Um 8 Uhr
erschicnen Jhre Königl. Hoheiten der Großherzog und die
Großherzogin, Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit der Kronprinz
sowie die Prinzen Ludwig und Carl. Jn dem sogenannten
Landhause, welches mit Gobelins prachtvoll geschmückt war,
hatten sich die Ehrengäste, die Delcgirtcn, sowie die Professoren
dcr Heidelberger Universität facultätSweise versammelt. Die Dekane
stellteu die Herren ihrer Gruppen den höchstcn Herrschaften vor.
Dcr Großherzog und der Kronprinz unterhiclten sich in der lcut-
seligsten Weise mit den Anwescnden; dic französischen Delcgirten
wurden von allen Hcrrschaften in eine längcre Uuterhaltung gc-
zogen. Die Präsiden sämmtlicher studcntischer Verbindungen wur-
den dem Kronprinzen vorgestellt, dcr für jcdcn einige freundliche
Worte hatte. Die Frau Großherzogin ließ sich die Gemahlinncn
sämmtlicher Professoren vorstcllen. , Um 10 Uhr verließeu dic
Herrschaften daö Schloß untcr begeisterteu Kundgebungcn dcr An-
wesenden. Das Fest sclbst fand crst in später Nacht sein Ende.

Die Nttsstellttttg der StttdSettarvcitett der Königlichett
Akadcmie der bitdendcn Kttnste.

Kann das lebhafte Znteresse des Publikums an der A uS-
stellung dcr Studienarbeiten der Königl. Akademie
in Dresden auch nicht als unninstößlicher Bewciö dafür angeseheu
werden, daß wir es hier mit ganz außergcwöhnlichen Leistuugen zu
thun habcn, so fühlt man doch beim Durchwandcrn der AuLstellung
herauö, um wie viel straffer die Organisation gewordeu ist und
welche Fortschritte erziclt werdcn uiüstcn, seit z. B. in der Mittel-
klasse die anatomischcn Studien in praktischerer Weise geübt und in
der Oberklasse nicht allein männliche Akte gezcichnet, sondern nun
auch Compositionen nach gegebenen Motiven entworseu werden und
das Zeichnen uach dem lebcnden Modell vou dem der trefflichen
Leitung Professor Pohle's unterstehenden Malsaale getrennt gc-
trieben wird. Die wohlthätigen Folgen dieser Neuerungen werden
freilich crst später an den auS den akademischen Ateliers hervor-
gehenden Arbeiten erkennbar werden, wiewohl diese Abtheilungen im
lctzten Jahrzehnt zur Genüge gezeigt haben, daß es dcr Dresdener
AtäLemie an tüchtigen Lehrkräften nicht fehlt und man hier wie
anderSwo etwas Rechtschaffeues lernen kann, wenn es einem sonst
uicht an dcm künstlerischen Genius gebricht und dasselbe von dem
rcchten Ernst begleitet ist.

Haben in diesem Jahre die akademischen Ateliers dcr Herren
Professorcn Or. HLHnel und vr. Schilling für Bildhauerkunst
nur wcnige Arbciten beigesteuert, von denen die Emil Hubcr'sche
Gruppe „Pan einer Nymphe das Flötenspiel lehrend" und Hcr-
mannSchönau's „Pan mit Nymphe" mit der großen und kleinen
silbcrncn Medaille ausgezeichnet wurden, so ist dafür daS Atelier
dcS Herrn Hofrath Prosestor Pauwels um so reicher und glänzeuder
vertreten. Was zunächst die sieben demselbeu Atelier entstammenden
Concurrenzentwürfeanbetrifft, so ist August Frinds auch in den
Maßen sich in den richtigen Grenzen haltendeS Oelgemäldc: „Nu-
dolph von Habsburg an der Leiche Ottokar's von Böhmen nach
der Schlacht auf dem Marchfelde im Jahre 1278" hinsichtlich der
Geschlossenheit und Wucht dcr Darstellung unstreitig die beste
Arbeit, wiewohl auch daö mit dcm Reiscstipendmm bedachte siguren-
reiche Bild der zu trostloser Thätigkeit verdammten „Dauaiden"
von Paul Pötzsch seine nicht zn lcugnenden großen compositio-
nellen Vorzüge besitzt und durch die gefällige, nirgends gezwungcne
Gruppirung der in endloscr Reihe daherschreitenden Enkelinnen deü
BeluS angenehm berührt, in coloristischer Beziehung aber sowohl
von dem in der Bewegung des weiblichen Körpers leider recht un-
schönen „Sündenfall" vonIohannesIentzsch, alsvon dem mächtig
sich aufbauendenAlexander Marcks'schcn Gemälde: „Hagen raubt
den Donaunixcn den Schleier" übcrtroffen wird und in ber Technik
viclleicht nicht einmal das in der Composition allerdingö ver-
unglückte, „Die Rückkehr des verlorencn Sohnes" behandelnde Kon-
stantin Feudel'sche Bild erreicht. Eine dem Atelier Ehre machcnde
Leistung ist unstreitig auch die von idealem Geiste gctragene „Ehe-
brecherin" vonWalther Scholtz, zumMindesten die vor Christus
niedergesunkene Sündcrin und nicht minder die Gestalt deS Heilands,
eine der Würde des geschilderten Monicnts cntsprechende, ein Ur-
theil, welcheö im Allgemcinen auch von Arno SeemannS

„Christus am Kreuz" gilt, so rvenig der strebsame junge Künstker
diescr ge.valtig-erhadenen Aufgabe selbst bei der Voraussetzung dei
erforderlichen Talentes jetzt schon gewachsen sein kann. Viel Schönes
und zu den besten Erwartungen BerechtigendeS trifft man auch
unter den sonst noch vom Pauwel'schen Atelier auSgestellten zahl-
rcichen Arbeiten. So crwähne ich nächst Elimar von Esch
weges lebendig componirtcr „Corsofahrt im Großen Garten" mit
Jhrer Majestät der Königin in offener Kalesche und anderen be-
kannteu Portraitfigurcn, daS in der Farbe stimmungSvolle Bild
Joh. Dietrichs „Hagar und Zsmael", August Frind»
historisch interestante „Katharine von Rudolstadt", Rich. Hesse-
hübsckeS „Kinderbildniß" und dessen im Charakter echte italienischc
„Fruchthändlerin", sowie Moritz Heidels „Ewigen Juden",
Nud. TrachcS freundliche „Abschicdsscene" und insbcsondere daS
außerordenllich gut individualisirte „männliche Bildniß" von
Alexander Marcks nebst desscn landschaftlichen Naturstudien
und Otto Nahlcrs Oelgemälde „Blumen", während aus dem
Atclier des Herrn Professor Or. Grosse die poelisch zart cm-
pfnndeue Compositiou „Waldweben im Sommer" von Guido
Richter und Georg Schwenks mit wohlthuender Sicherheit
gemaltes männlicheö Porlrait auf Anerkennung Anspruch haben.

Nicht ganz so Bollendctes wie im Vorjahre ging dieSmal aus
dem akademischen Atelier sür LandschaftSmalerci des Professor
Preller hervor, da kciner der fortgeschritteneren Schüler dicses
tüchtigen Meisters viel über ein Jahr selbsiständig arbcitet. Ziehen
wir dies aber in Betracht, so sind die ausgestellten Arbeiten um so
höher zu veranschlagen und Landschaften wieRich. Lanzcndorfs
„Abendstimmuug", Walt. SyrutschöckS „Abend im Boigtlande"
uud „Am WalveSrande", Otto Schneidcr'S malerischeS „Motiv
aus dem Jnnthale" oder Karl AhrendS' „Thalmühle in Thü-
riugen" u. s. w. ebenso staunenswerthe Leistungcn wie die in Blei
ausgeführten Zeichnungcn Georg HäntzschelS: „Motiv aus dem
Sarnthale" und dessen „Ebene von Bozcn" neben O- Schneij-
der's stimmungsvoll behandelten Kohlenentwurfe «Jm Sturm"
und einigen anderen gezeichueten Studicn.

Den Bcschluß machen die im Atelier für Architektur
deS Herrn Baurath Professor Lipsius von dessen Schüleru an-
geferiigten baulichen Projccte, nebst den bei Professor Hcrrmann
thcils selbstständig gearbeiteten schönen ornamentalcn Compositionen
von B. Blauert, M. Drechsler und A. Wenzel, theils nach
Gyps schr sauber getuschten, die exacte pädagogische Führung in
Allem erkenncn lastenden Ornamente. Jn der Architektur, bei dcr
es so weseutlich auf eine praktische Schulung ankommt, ist der
Grmidriß, der sich so leicht wie ein Buch lesen lastcn soll, die
Hauptsache und eben deShalb die Ausbildung der Schüier nach
dicser Nichtuug hin vor allen Dingen anzustrcben. Wie außerordentlich
TüchtigeS in diesem Punkte im Lipsius'schcn Atelier geleistet und da-
neben zugleich eine stylvolle mit dem Grundriß im strengsten
orgaiiischen Zusamnienhange stehende Fatzadendnrchbildung angestrebt
wird, das bezeugen nicht allcin die den Anfang der architektonischen
AuSbildung machenden Projecte R. Bieligs, A. FriedrichS,
G. Kochs und K. Schümichens, sondern in noch künstlerischer
Weise die Entwürfe Bernh. Blauerts zu einem auf ciner An-
Höhe am Wasser gelegeneu herrschaftlichen Landsitze und Max
Drechslers Projcct zu einem Wohn- und GcschLftöhause eines
GroßkaufmannS auf unregelmäßiger, an zwei Straßen gelegener
Grundfläche, welchen Studienarbciten die von P. Beuthner,
F. Mühlberg, Cl. Türke und E. Seifert auSgestellten Pro-
jecle zu GeschäftShäusern nebst dem schönen und würdigen Ent-
wurfe zu eincr protestautischen Kirche von Emil Scherz folgen
uud sich A. DürichenS Project zu einem freistchenden Wohn-
hause, sowie der Entwurf A. Wenzels zu einem herrschastlichen
Landsitze und I. FörsterS Portalbau verdienstlich anrcihen.

Daß die Arbciten der Schüler auS den vorbereitenden Klaffen
der sichtbar im Aufschwung begriffenen Königl. Akademie der bil-
denden Künste ebenfalls zur Ehre gereichen und von der Tüchtig-
keit uud Gcwiffeuhaftigkeit der an derselben lehrenden Profefforen
rühmlichcs Zeugniß ablegcn, brauche ich wohl nicht noch besondcrS
zu betonen. Theodor Secmann.

Dke Siottx-Jttvr«mer inr Zoologischett Garten.

Der unbändige Stolz und die ernste Verschlossenheit, welche
hcrvorragende Charaktereigenschaften der wilden Söhne der Prairie
bildeu, lassen diesclben nie dem Publikum sehr nahe koiumcn odcr
gar für längere Zeit an der Uliizäunung weilen, wie dies die
Vertreter aller bisher vorgeführteu Volksstämme gern gethan.
Dadurch ist nun aber dein Beschauer die Möglichkeit geraubt, die
Ausstattung der Fremdlinge genauer zu mustern, weShalb es denn
räthlich und nothwendig crschien, eine AuSwahl von Gegenständen,
die für das Lcben der Sioux von Bedeutung sind, in demWinter-
hause dcs Gartcns zur AuSstcllung zu bringen. Wir wcrden die
dasclbst sichtbaren Objecte in unserer Besprechung durch gesperrten
Druck kennzeichnen. Was nicht so markirt ist, mag man an den
Jndiauern selbst und anf dcn ebenfalls im Winterhauje ausliegenden
Gemälden zu erkennen suchen. Die AuSstellung gcnügt aber auch
noch einem andern Bebürfniß in vorzüglicher Weise, indem sie
uns eine große Zahl überaus anschaulicher LandschaflSbilder von
der Meisterhand Rudolf Cronaus vorführt, welche die Boden-
und VegetationSverhältnisse deS Dakotagebietes und damit die Be-
dingungcn erkeuncn laffen, die für die Entwicklung ves Lebens Ler
Jndianer zu cinem nomadischen JLgcrlebcn bestimmend warcn.

Die Kleidung der Sioux-Männer beschriinkt sich im
contineutal - hcißen Souimer auf einen Lendenschurz und eine
reiche Bemalung des nackten Körpers mit weißer, gelbcr, rolher
und blauer Farbe; an kalten Abenden hüllen sie sich wohl
in cine mächtige Büffelhaut, doch so, daß die kühlcre, reich
bcmalte Jmicnseite derselben auf dem Körper liegt. Jn
der kaltcn JahreSzeit tragen sie statt der früher gewöhulichen
Röcke auö Büffel oder Wapiti-Hirschleder, das sie trefflich zu gerben
verstehen, ein cingehandcltcs, möglichst buntes baumwollcncS Hemd,
über welches Lei starker Kälte noch die Büffelhaut, doch mit
der haarigen Seite nach innen, oder eine bunte, dichte Decke ge-
worfcn wird, die sie in sehr mühsamer Weise aus dem Haar der
wildcn Bergziegen fertigen; die Stücke jcder Farbc werden besonderS
ausgeführt und dann mit dcn anderSfarbigen zu Mustern ver-
woben. Die Beine bekleiden dann Lederhosen, die jedoch vom
Kuöchel aus nur Unter- und Oberschenket bedccken; den vom Eullur-
mcnschen als am nothwendigsten erachteten Theil des Bcinkleides
verschmäht der Jndianer, weil ihm durch dcnselben das Reitcn
auf nacklem Pferderücken erschwert werden würde. Die Füße stecken
in Mokassins, Schuhen aus Hirschleder, mit Perlen verziert.
An dem dünnen Zopfe der Skalplocke ist bei dem siegreichcn
Krieger die Feder des Kriegsadlers bcfestigt. Ohrgehängc
aus Muschelstücken und Ringen, Halsbänder und Brustschilde aus
Knochen und Bärenklaucn, blitzende Armspangen, gewaltige
Tabaksbeutel mitPerlenstickerci, die HLusig interefsante figürliche
Darstcllungen zeigt, und mit Fransen, die mit lebhaft gefärbten,
gespaltenen Stacheln des amerikanischen StachclschweincS uniwunden
sind, der unerläßlichc Pfeifcnsack, kleine perlengeschmückte Skalpir-
messerscheiden, Spiegel- und Farbentäschchen vervoll-
ständigen die AuSrüstung des DakotaS. Bei festlichen Gelegenheitcn
prangt auch am Gürtel deS Sioux der erbeutcte Skalp, der sorg-
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