Das 500jährige Jubiläum der Heidelberger Universität im Spiegel der Presse: Dresdner Anzeiger — 1886

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Nr. 218. Freitag den 6. Augnst 1888. 156. Jahrgang.

Tbeater und Musik.

* Ueber den Dresdner Componisten Herrn Felix
DrLseke, sein Leben und seine Werke, bringt die Neue Musik-
Zeitung (Ve>lag von P. I. Tonger in Köln) in den Nummern
11—13 ausfiihrliche Mitthcilungen, dencn wir Folgenves ent-
nehmcn: Dräseke hat sich erst nach unablässigen Kampfen zur An-
erkennung durchzuringen vermocht. Gar manchcs Jahr ist ver-
gangen, ehe ihm die Anffiihrung eines seiner Werke vergönnt ward,
noch länger dauerle cs, bis sich ihm die Möglichkeit emer Berbreit-
ung derselben durch den Drnck crschloß; mit Kälte und Gleich-
gilligkeit begegnete man seinen Bestrebungen in vielen Fällen auch
dann noch, als die hohe Bedeutnng derselben sich schlechthin nicht
mehr wegleugnen lieg. Erst im reiferen Manncsalter wird nun
allmälig sein'em Schaffen die verdiente Würdigung zu Theil. —
DrLseke stammt aus Coburg, wo sein Bater Hofprediger war, und
ist 1835 geboren. Die Liebe zur Mnsik trat frühzeitig hervor,
doch bedurfte es harler Kämpfe, ehe cs Drascke vcrgönnt wurde,
die Musik zum Lebcnöberufe zu erwählcn. Er bcsuchte das Con-
servatorium zu Leipzig und genoß mit Erfolg namentlich den
Unterricht in Formenlehre und höherer Composition bei Julius
Rietz. Entscheidend für scine Richtuna wurde für ihn, vaß er in
Weimar Wagners Lohengrin hörte. Die Hinncigung zu Wagner
führte zum Bruche mit ver Lcipziger Musikschule und zum An-
jchlusse an die Weimarer. Jm Deccmber 1856 siedelte er nach
Berlin über, nachdcm die Spannung mit den Leipzigern infolge
kritischcr Lcistungen Dräsekeö eine ziemlich hohe geworden war.
Die Aufführung eincr (später vernichtetcn) großen Sinfonie im Co-
burger Hoftheater (Nov. 1836) bctrachtet Dr. als den Beginn
seiner öffentlichen Laufbahn. Jn den folgenden Jahren wurde er
mit Liszt bekannt, an den er sich in dcr Folge anschloß, verbrachte
auch mehrere Wochen bei Wagner in Luzern, der damals seinen
Tristan vollcndete. Seine damaligen Werke beurtheilt Dr. selbst
ziemlich streng: „Die Furcht trivial zu werdcn, hatte uns mehr

oder minder zur Hhpergcistrcichigkeit und Unnatur geführt.

meine Musik war durchaus männlich, kernhaft, stolz, aber auch
schroff, ja störrisch, bizarr und bombastisch übertrieben . . . ich
kaprizirle mich, im Umfange der Anlagen und in der langen AuS-
dchnung der Steigcrungen alles vorhergeleistclc weit zu übcrbieten,
— ebenso hinsichtlich des Colorites und der Anhänfung äußerer
Mittel". Der Mißerfolg der 2. Tonkünstlerversammlung in
Weimar 1861 belehrte ihn hinreichend über seine Jrrthümer,
Richard Wager führte ihn aus besscre Pfade, indem er ihm daS
Wesen der Beethovenschen Melodie erschloß. Nach kürzerem Auf-
enthalte in Löwenberg und DreSden siedelts Dräscke 1832 nach
der französischcn Schweiz über, wo er bis 1876 verblieb. 1867
errang cr aus dcr Meininger Tonkünstlcrversamnilung mit Bruch-
stücken aus der Oper Sigurd einen unbestrittenen Erfolg; nichts-
destoweuigcr verstrichen die folgenden Jahre völlig erfolglos und
Dräseke drohte in völlige Vergessenheit zu gerathen, biS ihn im
Jahre 1873 unerwarteter Weise die Kgl. Sächs. Kapelle zu Hilse kam, in-
dem sie seine 6-äur-Sinfonie in das Programm ihrer AbonnementS-
Conccrte auknahm. Seit 1876 lebt Dräseke wieder in Dresden,
war scit 1880 an der Akademie von Rollfuß thätig, von der er
im September 1884 in den akademischen Rath dcs Königl. Conser-
vatoriums als Lehrer der höheren Cowposition übertrat. Von
seinen 25 Werken sind das Requiem, die 2. Sinfonie, das Streich-
guartctt, verschiedene Lieder (bei Hosfarth) und die Oper Gudrun
inzwischen im Druck erschienen. Lctztere ist auch in Hannover auf-
gesührt wordcn. Ats seincn klinsllerischen Hanptgrundsatz bezeichnet
Dräscke das Streben, nirgends archaistisch zu crschciuen, im Gcgen-
theil dicse unscre jctzige Epoche zum musikalischen Ausdruck zu
Lringcn, mit sreudigster Bcnutzung dcr uns zustehenden modernen
Kunstmittel, scien sie harmonischer, rhythmischcr, instrumentaler
Art: aber all' dies zugleich bci möglichster Anlehnung an die
klassischen Muster. — Der oben erwähnte Aufsatz, dem dicse An-
gabcn entlehnt sind, schließt mit einer eingehenden Beurtheilung Ler
Hauptwerke DräsekeS.

* Die ^eiijchrift für Jnstrumentenbau bringt in Nr. 30 deS
laukenden Jahrganges eine Skizze von Ernst NLder über zwci
historischeJnstrumente, die sich im hicsigenKörnermusenm
befinden, nämlich die Laute und die Guitarre Theodor Körners.
Die Körncrsche Familienlaute (cigentlich cine Mandoline) ist ein
italienisches Jnstruiuent, daS ciner Jnschrift zufolge bereits 1626
von Martin Hoffmann in Leipzig auSgebcssert wurve, also sicher
übcr 200 Jahrc alt ist. Nach 1696 muß die Laute nach Jtalien
zurückgewandert sein, denn Wilhelm v. Humboldt brachte sie von
da sür die Körncr'sche Familie erst wiedcr zurück. Diese Lante
wurde daS Lieblingöinstrmcnt Theodor Körners: er pflegte sie oft
umzuhängen, um als Tronbadour den ihm bekannten Schönen
Serenaden zu briugen odcr auch Fußreiscn zu machen, auf denen
sie seine treue Vegleiterin sein mußte. DaS Körnermuseum hat sie
von den Nachkommen F.W. Kunzes erworben, derKörner nach seiner
Verwnndung (am 17. Juni 1813) in Gcmeinschaft mit Or. Wendler
mit größtcr Aufopferung pflegte. KörnerS Lied An meine Zitber
ist an dicses Jnstrumenl gcrichtet; ihm habcn die DrcSdner Ge-
sangvereine am 28. März 1875 bei der Einwcihung deS Museums
einen silbernen und vcrgoldeten Lorbeerkranz gewidmct. Weniger
interesfaut ist KörnerS Guitarre, die im Jahre 1797 von Otto in
Jcna gefertigt ist und dercn Anfertigung der Gegenstand eineS
längcren BriefwcchsclS zwischcn Or. Körner und Schiller bildet.
Sie ist mit einem Kranze auSBlättern der Körnereiche beiKarlöbad
geschmückt, den die Karlsbader Turner im vorigen Jahre über-
bracht haben.

— Die Becrdigung Franz Liöztö erfolgte Dicnstag
Vormittag in Bayreuth unter Theilnahme zahlreicher Bürger
und auswärtiger Leidtragender. Die Fcier dauerte von 10 bis
11L Uhr. Der deutsche Kronprinz hatte vor sciner Abreise einen
Kranz für Liszks Grab in dcr Villa Wahusried abgeben laffen.
Anch der Großherzog von Wcimar ließ eincn prächtigen Kranz
auf den Sarg legen. Zur festgesetzten Zeit setzte sich der Trauer-
zug in Bewegung. Die Straßen waren von einem überauS zahl-
reichen Publikmn ersüllt, welches ein dichtcs Spalier bildete.
Ucberall brannten die Gasflammen und die Gaskandelaber waren
von Trauerflor umhüllt. An dcr Spitze deS ZugeS schritt die
Geistlichkeit, sodann solgtr der Dicner LcS Verblichenen mit den
Orden dcffelben, hierauf cin Wagen übervoll von Kranzspenden,
dem nun der vierspännige Leichcnwagen solgte. Die Begleitung
dcS Wagens bildeten Bayreulher Bücger. Die Zipfcl des Bahr-
tuchcs hielten .Hoftapellmeister Mottl und Freiherr von Wolzogen
zur rechten und Direclor Mihalovics aus Budapcst und Maler
Jankowsky zur linken Scite des SargcS. Hinter dem Sarge
schrittcn die anwesendcn Schüler LiSzts, serner vr. Thode, Sicg-
fricd Wagncr, der Vertrcter des Großherzogs von Weimar, Frei-
herr von'Wedell, Commerzienrath Groß. Frau Cosima Wagner
und jhre Kinver folgtcn in ciuem Wagen dem Sarge. Den Schluß
dcs Trauerzuges bildeten die übrigcn Trauergäste. Gegen ll Uhr
langte der Leichenzug auf dem Bayreuther Friedhofe an und nun
erfolgte die Beisetzung der Leiche. An der Gruft sprachen Bürger-
Nieistcr Munker, Hofkapellmeister Berg und Hofrath Gille. Die
Rcde des Bürgermeisters Munker schloß niit den Worten: LiSzt,
ver geniale Virtuose. der Meister der Töne, wird ewig leben.
Aucli ihn betten wir wie unjeren vor Jahren heimgegangenen
Meister in Bayreuther Erde. Möge sie ihm leicht sein. Die

Stätte, wo er schläft» wird von unS heilig gehalten werden.
Dem innigsten Freunde und großen Förderer unscreS MeisterS
Wagner und seiner Werke schulden wir und bewahren wir den
wärmsten und ehrfurchtsvollste» Dank." — Die Gruft besindet
stch auf dem städlischen Friedhofe unweit vom Grabe Zean PaulS.
Musikalische Aufführungen am Grabe hatte der Verstorbcne selbst
untersagt. Wie dic „Schles. Ztg." erfahren hat, galt bis Montag
Nachmittag die Frage, ob die Beisetzung in Bayreuth stattsinden
werde, noch als zweifelhaft, weil das Pester Franziskanerkloster
auf Grund cines angeblichen Testaments dieLeiche reclamirte. Das
Testament wurde jedock nicht gesunden.

— Von ciner Ouverture Friedrich deS Großen» die
in der Musikalienverlagshandlung von Heinrich Cranz in Breslau
erschicnen ist, wurde ein Exemplar für die Privatbibliothek des
Kaiscrs angekaufl. Die Verlagshandlung hatte vor JahrcSfrist die
Militärmusik-Ausgabe der Ouverture veröffentlicht, welche sich jetzt
bereits im Besitze sast sämmtlicher preußischer Jnfanterie-Regimenter
befindet und wohl allseitig am 17. August, dem 100jährigen
Todestage Friedrichs II. zur Aufführung gelangen wird.

— Herr Schweighofer hat nun seine Uebersiedelung nach
Berlin vollzogen, wohin er bekanntlich ein sechsmonatlicheS Engage-
ment am Wallnertheater vom 1. October ab angenommen hat.
Der Entschluß des Künstlers, eS in Verlin zu versuchen, ist der
W. Pr. zufolge durch cine momentane Gestaltung dcr Wicner
Theaterverhältniffe und vielleicht auch durch momentane Stimm
ungen veranlaßt worden. Herr Schweighofer wird seine Thätig-
keit in Berlin in einer neuen Poffe von Kneisel beginnen und in
diescm Stücke einen Wicner darstellen, welcher einige Berliner an-
läßlich der Wiener Weltausstcllung kennen gelernt hatte und der
auf Einladung seiner damals gewonnenen Freunde auläßlich der
Berliner JubiläumS - Ausstellung zum Besuche nach Berlin ge-
kommen.

— Der Umstand, daß von Seite dcr Jntendanz dcS Mün-
chener Hoftheaters drei ablaufende Verträge nicht mehr er-
neuert werden (Frl. Ernst, Or. Seidel und Herr Dengler) spricht
für die vorausgesehene Einschränkung des Budgets der Königl.
Hofbühnen. Die bereits früher bekannt gewordenen Abininderungcii
der Gehalte bilden cin weiteres Moment dieier beabsichtigten
Neuerung. Hand in Hand damit dürfte eine Umgestaltnng deS
OpernplaneS gehrn und daS Zuröckgreifen auf ällere lange ver-
cibsäuinte Opern, dcren Jnsccnirung sich in mäßigcn Grenzen hält,
an die Stclle von EintagSopern treten, die einmal und nicht wieder
auf der Münchener Hofbühne aaftauchten. Die Anstellmig dcs
HoskapellmeisterS Stranß steht mit dieser Neuordnung deS Hof-
theatcrö in Verbindung.

Knnst und Literatur.

* Die talentvolle Malerin Fräulein Amalie AugSpurg
hat soeben in ihrem Atelier (Näcknitzstraße 8) ein Bild aufgestellt,
welches die allgeineine Aufmerksanikeit auf sich zu lenken berechtigt
ist, und von vem auch bereits Photographien in den Kunsthand-
lungen zu haben sind. Dieses Bild bezieht sich auf daS Schicksal des
unglücklichen Königs Ludwig, deffen Geschichte es gewiffermaßen in einem
Blicke zusammenfaßt. Unter einem mächtigen, schön gezeichncten
Baume am Starnberger Sce sehen wir den König in ritterlicher
Trachi auf einer Bank sitzen. Seine Haltung ist äußerlich ruhig;
nur daö starre Auge verräth die innere Erregung. Lichte Ncbel
wogcn über dem Waffer, und aus ibnen guellen geisterhaft die
Gestalten empor, deren innereS Geffcht den König bewegt.
Zunächst am Ufer schwimmt Lohengrin hcran in dem vom Schwan
gezogenen Nachen, in dem auch Tannhäuser, die Harfe spielend,
Platz genommcn hat. Jn weiterer Ferne reckt sich bie mächtige
Gestalt Siegmunds empor, und hoch oben in den Wolken sprcngt
auf fcurigem Rosse die Walküre daher. Nur eben sichtbar tauchen
aus dem feuchten Duft hie und da die Rheintöchter auf, während
aus dem Schilf des Ufcrs zwei Nibelungenzwerge hervortretcn,
von denen der eine auf cinem Kissen dem Könige die Geisterkrone
darbietet, die ibm allein fromnit. Die luftigen Gcstalten winkcn
dem Könige, ihnen nach oben zu folgen. Mittcn untcr ihnen abcr
schwebt endlich in der lichten Erscheinung eineS verklärten Geistes
Richard Wagner selbst heran und bictet dem König die schwer
errungene Palme des Friedens dar. Wir brauchen nicht zu fagen,
wie beziehungsreich nach allen Nichtungen bm diese auch im ein-
zelncn vorzüglich gelungcne Compositivn ist; nur daS ist her-
vorzuhebcn, daß sie, den Beruf echler Kunst ersülleiid,
Verklärung und Versöhnung athmet. Eö ist der cdelste
Theil des unglücklichcn Fürsten, dcr bier im Bilde bem
Beschauer cntgegenlritt, seine fantasievoll künstlerische Natur: sie ist
cS, die ihn in Widerspruch mit der wirklichen Welt sctzte und so
auf Erden zum FIuche für ihn ward; sie ist es aber auch, die ihm
ein ewigeS Bürgerrccht in der idealcn Welt des Gcistes sichert, in
welche er durch die dunklc Pforte eines jähen Todes eintreten wird.
Daö hat offenbar die Künstlerin niit ihrem Wcrke sagen wollcn,
und gerade deöhalb ist es psyckiologisch fein gesühlt, daß die Halt-
ung des KönigS, von jeder äußerlick erscheinenden leidenschaftlichen
Errcgung frei, eine würdige, edle Ruhe und nur tiefmelancholischeS
Sinnen zeigt. Möge in diesem Geiste auSgleichcnder Beruhigung
und Versöhnung das vielsagende Bild die weiteste Verbreitung
sinden.

— Profeffor Kugel in Ruhla erhielt den Auftrag, eine
lebensgroße Statue des Kaisers Wilhelm anzufertigcn, die dann, in
Marmor ausgeführt, im ncncn Post- Gebäude in Erfurt aufge-
stellt wird.

— Dcr Bildhauer Herr Fr. Behrendt, Lehrer ain
Berliner Kunstgewcrbe-Museum und zur Zeit bei den Nestau-
rirungsarbeiten der Marienburg beschäftigt, ist zum Profeffor er-
nannt worden.

— Bckanntlich hat man sowohl in Karlsruhe, wie in Hcidel-
berg die Errichtung eineS Scheffel-Denkmals projectirt. Zum
Sckeffel-Denkmal in KarlSruhe sind bis jetzt 15127 Mark ein-
gegangen. Die Sammlung für daS Scheffel-Denkmal in Heidel-
berg beträgt 11006 Mark. Die A. D. C. Bnrschenschaften haben
dazu den hohen Betrag von 2400 Mark gespendet.

— Die von dem berühmten Bildhauer Adam Kraft gefer-
tigten „Stationcn" in Nürnberg haben im Laufe cer Zeit
theilweise so gelitten, daß sie nächstens auf Kosten der Gemcindc-
verwaliung auSgebaut werden sollcn. Der Stifter dieser „Sta-
tionen", Martin Ketzel, war in dcr Absicht, die Entfernung vom
Hause deö PilatuS biS zur Richtstätte Jesus abzuinessen, im Jahre
1477 und, weil er bei seiner ZurUckkunft daS Maß vcrloren hatte,
im Jahre 1488 nochmals nach dem gelobten Lande gepilgert und
hatte dann nach der zweiten Zurückkunft die Entfernung durch
sieben von Adam Kraft hergestellte Säulcn mit Hautreliefs be-
zeichncn laffcn.

— Die Schriftsteller von königlichcm Geblvt sind wicderum
um einen Namen vermehrt worden. 3n der nächsten Nummer des
„Nineteenth Century" wird PrinzCarl von Schwede» und
Norwegcn eincn Revue-Arlikel veröffentlichen. Derselbe ist be-
'itelt: „Ein indischcs Dschungel, ein Blalt auS meinem Tagebuche",
und schildert eine Tigerjagd, welcher dcr Prinz vor einigen Jahren
bciwohnte. Herr Carl Sievers hat den Artikel ins Englische übcr-
tragen. Wie eS heißt, wird Prinz Eugen in Kurzem dem Beispiele
seineS BruderS folgen und cine Schilderung seines BesucheS der
Drusen auf dem Libanon veröffeutlichen.

— 2n Lemberg ist in diesen Tagen der Schriftsteller
Johann Lam, der größte polnische Humorist, verstorben. Ein
höchst gebildeter, in classischer und englischer Literatur sehr bewan-
derter Geist, wußte er sich in der polnischen Presse und zmneist
als Feuilletonist (Lemberger Chroniken) cine ausnahmsweise Stell-
nng zu crringen. Außer mehrcren Bänden seiner Chroniken und
Briefe, die er in Lemberger und Warschauer Blältern seit Jahren
veröffentlichte, machte cr sich cinen großcn Nuf durch seine Ro-
manc, für welche DickenS sein Vorbild war. Vieles hat er auch
aus dem Englischen übcrsetzt. Seit drei Jahren führte er ein
wahres Märtyrerdasein. An der Brust hatle sich eine so große
Gefchwnlst gebildet, daß er weder schreiben, noch lesen, noch licgen
konnte. Fortwährend in ErstickungSgefahr schwcbend, hat er den
ganzen Tag und die ganze Nacht im Faulcuil sitzend seine Arbeiten
dictirt und seine Fcau hat ihm vorgelesen. Das Pubükmn wußte
nichls von den Qualen deS Schriftstellers, an desscn guter Laune
und gesundem Sinn eS sich ergotzte.

Wisjenschaft.

— Der französische Chemiker Delafontaine hat kürzlich
mit Hilfe der Spekiralanalyse cin neueS Metall entdeckt, dem er
den Namen Dyöporium gegeben hat. Delafontaine hat bereitS
früher, im Jahre 1878» cin noch nnbekannies chemisches Elcment
Holmium in dcr Holmiaerde entdeckt, aus der er auch daS Dhsporium
dargestcllt hat. LctztereS ist daö drilte Metall, vas in Licsem Jahre
gefunden worden ist. Jm Februar entdeckle Prof. Winkler das
Germaninm, und wenig später der inzwischen verstorbene Professor
Linncmann das Austrium.

— Jn Duffield (unweit Derby) smd die Grundpfcilerciner
alten Norman nenburg cutdcckt worden, deren Umfang sich
nahezu dem des TowerS in London gleichstelltc. Die Mauern sind
10 bis 15 Fuß dick. Die Burg soll uach dem Tower eine der
fchönsten in England gcwesen sein.

Hcidclverger Jublläitmsfestliihrekteu.

*Unserem gestrigen Berichte haben wir noch die Rede dcS
Geheimrath Eduard Zeller bei dem Festakte in der
Aula der Univcrsität am 3. Juli nachzutragen. Diefelbe
lautet:

„Ew. Köiügk. Hoheit unb der llniversttät, derm Rector
üeentissimrw Hdckstdicsclben smd, bin ich beaustragt, dle wärmsten Glück-
wünsche der wissenschasllichcn Körperschakten auszusprechm, wclche nicht
allenr aus avcn Gauen des dcutschcn Reiches, sondcm von allm dm
Bitdungsstättm, an denen die Wissenschast in deutscher Zunge betriebm
und gelehrt wird, ihre Vertreter hierher entsandt haben: der Universnälen,
der lcchnischm Hochschulen, dcr wissenschastlichcn Akademim. Sie konntm
diescn Auftrag Einein ertheilen, weil es em Gcsühl srmdiger Theilnahme
ist, das sre alle der Schwcsteranstalt gegenüber beseelt, deren Ebrmtage
wir seiern, weil fie alle von dem Bewußtsein der inneren Zusammeu-
gebörigkeit unserer Wffsmschaft erfüllt smd, fiir welchen Zweck diese auch
und in wclcker Art ste gepflegt werdm. Hcidelberg isr die älteste von
den Universitäten des dcutschen ReicheS. abcr cS ist, als wäre ihr bci
ihrer Gründung das Gcschenk einer ewigen Jugmd in die Wiege gelegt
worden, so ersrischt sühlen sich alle, dle von ihrem Hauche berührt wcrden:
Die Jungen, welche ihre wissmschaftliche Bilduna bci ihr suchcn, die
Alten, welche als Lehrcr an iyr wirken, odcr zur srohm Erinnerung an
die Tage der Jugend zu ihr zurilckkchrm. Und auch ihr selbst ist es
unter der vätcrlichcn Fürsorge crlcuchletcr Fürsten gelungm, sich nach
jedem Schicksalsschlag, der sic traf, zu crnmlem Glanze zu verjüngm;
den Schaaim der Zöglinge, die sie in die Wclt hinansgesandt hatte,
imnicr weitere solgen zu lassen; den Gelehrten, welche Heidelbergs Namm
in die Ehrentafeln Ler Geschichte so ruhmvoll eingeschriebm habm, dm
wissmschastlichm Entdeckungcn, die in Heidclberg gemacht wordcn sind,
immer neue hinzuzusiigcn. Möge der gute Geist, der sic bisher geführt
hat, ihr treu bleibm! möge dieser schöne Flcck deutschcr Erde noch dis
in fcrnc Jahrbuiidcrte der glückliche Wohnsitz der Wissmschaft und Geistcs-
sreiheit, deutscher Bildung und dcutscher Vaterlandsliebe bleibm!"

Der Festakt am 4. August in der Heiliggeistkirche be-
gann, wie wir schon kurz bcrichteten, Vormittags Uhr. Von
der Aula aus setzte sich Vormittags 9 Uhr der feierliche und äußerst
wirkungSvolle Zug durch die Hauptstraßcn der Stadt, unter Voran-
tritt eines Mnsikcorps, in solgendcr Rcihenfolge in Bcwegung:
15 Mitglieder deS StudentcnauSschusses, die Pedelle, der Prorektor,
begleitet von dcm engeren Scnate, die Deputirtcn ausländischer
Universitäten und Akademien, die Deputirten außcrdeutscher Univer-
sitäten und Akademien dcutscher Zunge, die Deputirten deutschcr
Uiiivcrsitäten und Akademicn, die Dcputirten der Polhtechniken, die
akademische Körpcrschaft nach Facultäten gcordnet, 15 Mitglieder
des StudeiitenausschuffcS. Dcr Großhcrzog und die Frau Groß-
herzogiu, svwie Scine.K. u. K. Hohcit der Kronprinz trafen
wenige Minutcn vor 9'/z Uhr an dcr Hciliggeistkirche ein und
wurdcn am Eingauge des Gotteshauses vom Prorektor uud dem
engeren Senate cmpfangen und nach ihrcn der Kanzet gegenüber
befindlichen Plätzen geleitct. Die Kirche war reich und würdig
ausgeschmückt, die Fülle malerischer akademischer Trachten gewährte
ein überaus reizvolles Bild. Nach dem von den Gesangvereincn
mit großem Orchcster auSgcführten „Hallelujah" von Händcl besticg
Geh. Rath Prof. Kuuo Fischer die Redncrkanzel und hiclt die
nach Form und Jnhalt geradezu meisterhafte Festrede über den
Entwickelungsgang dcr Universität. Mit einem Ehor aus dem
„Lobgesang" von Mcndelssohn schloß die Feier. Der Großherzog
und die Frau Großherzogin, svwie Se. K. u, K. Hoheit dcr
Kronprinz sprachcn dcm Gch. Rath Prof. Fischer in den wärmsten
Ausdrücken und unter wiedcrholtem Hcindtdruck ihren Dank für
seine Rede auS. Auf dcr Rückfahrt, wic bci der Hinfahrt warcn
der Großherzog und die Frau Großhcrzogin, sowie Se. K. u. K.
Hoheit der Kronprinz von den in den Straßen versammelten
Menscheumaffm niit stürmischen Zurufen begrüßt wordcn.

Des Nachmittags fand m dcn beiken Sälen der
Museumsgesellschaft das große, vvn dcr Regierung veran-
staltete Festmahl stalt. Jn der Milte der Querlaset an der
Sticnseite des großen SaalcS saß Se. K. u. K. Hoheit der
Kronprinz, rcchts von cemselbcn »ahmen der Piinz Karl von
Baden, Prof. Kuno Fischcr und der Staatsmiiuster v. Goßler,
links dcr Prinz Ludwig und Prof. Mommsen Platz. Gegenüber
Sr. K. u. K. Hohcit dem Kronprinzen saß dcr Großhwzog,
ivelchem zur Rcchten dcr Cultusministcr Nokk und die Profefforen
Bunsen, Gneist und v. Hclmholtz, zur Linken der Piorcktor Prof.
Bekker, der Staatsnünister Turban und Pros. Ebuard Zeller Platz
nahmen. 350 Personen waren anwesend, darunter ncben den
Delegirtcn und Ehrengästen die Spitzen der badischen Civil- und
Militärbehörden. die obersten Hofchargen, sowie der Präsidcnt des
Reicketages, v. Wedell-PicSdorf. Nach dem sechSlen Gange brachte
dcr Großherzog auf Se. Majestät dcn Kaiser den solgenden
Toast aus:

„Fiinshundcrt Jahre deutscher Gcschichte überblicken wir heute bei dem
Jubclscste der Ruperto Carola, Diescs halbe Jahrtausend ist aber vielsach
von weltgcschichtücher Bedeulung, da in manchcm Jahrhuiidert Dcuischlands
Macktstcllung weit Lber die Grcnzcn Europas hinaus wirksam gewcsen
ist. Die Universität Hcidelberg hat die wechselndcn Gesckicke Deutschlands
im Sinne ihrcr L tijter und Neubcgründcr treu helsenL bcgleitet und dabei
thalkräftig mitgcwirkt, der Nation dieVorzügc wisseiischasttichcr Forschung
zu gewähren. Nickt immer war cs dieser Hochschule vergönnt, ihre
Geisiesarbeit im Fricden zn vollzichen; um sö höher schätzen wir die
Gegenwart, welchc uns bcrechtigt zu hofsen, daß das iieubegründete
Dcütsche Reich die Riacht bcsitze, den Weltjrieden dauernd zu sichcm,
Wir blicken Lahcr Lankl'ar zu dem Oberhauple Les Neichcs, nicht wcil
wir in ihm den TrSger der Kaiserkrone und somit der Macht und Größe
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