Voss, Georg [Editor]; Lehfeldt, Paul [Oth.]
Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens (Band 3,2): Amtsgerichtsbezirk Eisenach, Die Wartburg — Jena, 1917

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Die Üstseite der Wartburg.

Das Lau dgr a f enhaus.

Die Bedeutung des Landgrafenhauses für den Palastbau
des Mittelalters.

nter den Palastbauten der Hohenstaufenzeit ist das Landgrafenhaus
der Wartburg eine ganz besonders hervorragende Schöpfung. Was
den gefeierten Schlossbau der Landgrafen von Thüringen über die
Kaiserpfalzen der Karolinger, der sächsischen Kaiser und der Hohen-
staufen hoch hinaushebt, ist vor allem die künstlerische Völlendung der welt-
berühmten Hof front des Laudgrafenhauses. Die Haupträume eines fürstlichen
Schlosses, die in den Pfalzeu der deutscheu Kaiser fast überall in einzelne ver-
schiedene Gebäude verlegt werden mussten, sind auf der Wartburg zu einer ein-
heitlichen Prachtfassade in drei Geschossen über einander zusammengefasst.

Auch in seinem Innern zeigt das Landgrafeuhaus den Höhepunkt in der
Entwicklung der Raumanlage des romanischen Palastbaues. Sowohl in Deutsch-
land wie in den übrigen Ländern diesseits und jenseits der Alpen ist kein Schloss-
bau aus der Epoche des romanischen Stils erhalten, in welchem die wehrhaften,
gegen den Ansturm des Feindes gesicherten Wohugemächer und Schatzkammern eines
regierenden Fürsten in ähnlicher architektonischer Vollendung mit der Burgkapelle
und den Repräsentationssälen unter einem Dach vereinigt sind.

Von der stolzen Entwicklung der deutscheu Palastarchitektur seit den Zeiten
Karls des Grossen bis zum Ende der Hohenstaufenherrschaft, also aus einem Zeit-
raum von rund vier und einem halben Jahrhundert, ist uns hier der romanische
Schlossbau in seiner letzten architektonischen Vollendung überliefert.

Zweifellos, die Pfalzen in Ingelheim und Aachen, die von Karl dem
Grossen begonnen und von seinen nächsten Nachfolgern beendet wurden, hatten
weit umfangreichere Säle. Schlosskapellen und Palasthöfe, die den Kaisern zur
Repräsentation der Herrscherwürde zur Verfügung standen. Der grosse Festsaal

Bau- und Kunstdenkm. Thüringen«. S.-Weiraar-Eisenach. III. 2.
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