Weinbrenner, Friedrich
Architektonisches Lehrbuch (Band 2): Perspectivische Zeichnungslehre — Tübingen, 1819

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Diese vier Hefte der practisch-perspectivischen Zeiclinungslelire , die ich Anfangs nur in zwei Heften ab-
zufassen gedachte, nachher aber wegen des Umfanges und der Vollständigkeit in vier Hefte ausdehnen
musste , enthalten grösstenteils die bildlichen Vorstellungen aller Hauptformen bis zur Fertigung ganzer
Prospecte , und zwar :

1) Das dritte Heft die Aufzeichnung einzelner Körper mit Schattirung derselben , wenn das Sonnen-
licht parallel mit der Bildbasis in einem beliebigen Höhenwinkel einfallt ;

2) Das vierte Heft über perspectivische Aufzeichnung mehrerer mit einander in Verbindung gesetzter
Körper und Schattirung derselben, bei dem mit. der Basis parallel einfallenden Sonnenlicht, nebst
der Beleuchtung verschiedener Objecte mit einem oder zwei Fackellichtern. Hiezu fügte ich auch
eine bildliche Vorstellung von den voran aufgezeichneten verschiedenen Körpern , wie solche zu
modelliren und zur etwaigen Erklärung der bis dahin in der perspektivischen Zeichnungslehre vor-
gekommenen Erfordernisse des Stand- Distanz- Augpunkts etc. zur Versinnlichung dienen können.

3) Das fünfte Heft enthält die Verfolgung einzelner zusammengesetzter Körper und Formen, mit Be-

rücksichtigung auf architectonische Glieder uud ganzer Gesimse etc. mit der weitern Lehre über die
Beleuchtung der Objecto , wenn das Ficht von hinten oder vorn schief gegen die Objectenbasis in
seiner Grund- und Höhenerscheinung einfällt , und endlich

4) das sechste Heft die Aufzeichnung fganzer Prospecte, wie solche nach den Maasen ohne besondere
geometrische Zeichnungen in das Perspectivische übergetragen werden können , so wie auch die
Anwendung der Perspective auf sogenannte Zerr- oder Täuschbilder, nebst einer sinnlichen Vor-
stellung über die Schattirung der perspectivischen Bilder für die Ab- und Zunahme des Lichts
und Schattens , in Gestalt einer hiezu gefertigten Licht- und Schattenscala.

Noch habe ich im Allgemeinen bei diesem zweiten Theile meines architectonischen Lehrbuches , welcher
den ganzen Umfang der Linearperspeclive, insoweit sie der Künstler bedarf, mit Anwendung des Lichts,
Schattens und dem reflectirenden Licht umfasst zu bemerken , dass diese Lehre der Maler, und dabei der
Baumeister nicht wohl enll>ehren kann , weil fürs erste diese alle bildliche Täuschung körperlicher Gegen-
stände durch sie mathematisch richtig vorzustellen in Stand gesetzt werden, und fürs andere der Baumei-
ster seine Bauentwürfe , welche derselbe gewöhnlich in geometrischen Umrissen entwirft, durch dieselbe so
anschaulich darzustellen lehrt, wie die Gegenstände selbst in der Natur dem Auge in Form erscheinen,
was selbst die grösste Einbildungskraft bei geometrischen Zeichnungen nicht hervorzubringen vermag. Auch
ist für denselben die perspectivische Darstellung seiner Objecte mit Licht und Schatten ebenso nützlich und
überhaupt die Kenntniss von Licht und Schatten und dessen Modification des Reflexes , und der Luftperspee-
tive von ungemeinem Nutzen, weil nur durch sie und ihre Einwirkung die Gegenstände gehörig zu erken-
nen , und in ihren Formen eindrucksvoll zu bemessen sind.
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