Weinbrenner, Friedrich
Architektonisches Lehrbuch (Band 2): Perspectivische Zeichnungslehre — Tübingen, 1819

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EINLEITUNG

In den beiden vorhergehenden Heften des gegenwärtigen Theils dieses architectonischen Lehrbuches ist die
ganze Theorie der Perspective bildlich durch Linien oder Umrisse der Figuren nach verschiedenen Erklä-
rungen abgehandelt worden , mit welchen sich der bildende Künstler besonders zu beschäftigen hat, da er
sich nicht wohl in eine andere mathematische Zergliederung einlassen kann, weil er sonst Gefahr läuft,
durch eine andere als zeichnende analytische Auflösung der Erscheinungen den Zweck seiner Formen zu
verlieren. Demnach und mit Berücksichtigung dessen ist im Allgemeinen in jenen beiden Heften abgehan-
delt worden , wie sich Linien, Winkel , Flächen und Körper auf einer gegebenen Bildfläche auf verschie-
dene Weise darstellen , und sich selbst die richtige Auflösung der perspectivischen Aufgaben durch die An-
wendung eines andern Verfahrens beweisen lasse, wenn von denselben Formen und Grössen bekannt sind.

Die vier folgenden Hefte enthalten eine Reihe zweckmässig gewählter Beispiele von verschiedenen Anwen-
dungen der in den zwei vorhergehenden Heften enthaltenen Aufgaben und Lehrsätze. Es wird daher , zur
leichteren Verständlichkeit dieser vorliegenden vier Hefte , das klare Auffassen jener aufgestellten Lehren
erfordert, um dann die weitere Anwendung für die practische Ausübung der Perspective , so wie sie hier
gelehrt wird, sich vollkommen eigen zu machen , indem diese Hefte nicht nur die gewöhnlichsten , sondern
auch die schwersten Aufgaben enthalten. Hiebet ist jedoch immer Bücksicht genommen, wie die Aufgaben
auf die leichteste Weise durch die vorhergehenden wieder gelösst werden können , so dass ein Jeder , wel-
cher solche in der Reihenfolge einstudirt, und etwa ähnliche Aufgaben dabei aufzeichnet , ohne Sch wierig-
keit die perspectivische Zeichnungslehre , in ihrem ganzen Umfange , erlernen wird.

Zur besseren Versinnlichung sind in diesen Lehren der practischen Perspective die vier ersten Aufgaben
des ersten Hefts deren perspectivische Projection daselbst durch die Abtragung der geometrischen gesucht
worden , wieder aufgenommen, und für die Schattirung der Objecte einige Körper aus dem zweiten Hefte
des ersten Theils ( über Licht und Schatten ) beibehalten , und die in jenem Hefte weggelassenen Aufgaben
über die Beleuchtung von einem oder mehreren Fackellichtern , als hierher gehörig, nachgeholt Ingleichem
ist auch bei den in die Perspective übergetragenen Körpern und der architectonischen Glieder auf die ge-
hörige Proportion derselben gesehen , weil der bildende und besonders der Bau- und plastische Künstler
alle Gegenstände so viel möglich schon in den Theilen zum Ganzen proportioniren muss , damit er sein
Auge immer mehr an richtige Verhältnisse gewöhne , deren er bei Erfindung und Zusammensetzung der
Formen , häufiger als jeder andere Künstler bedarf.
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