Witting, Felix
Die Anfänge christlicher Architektur: Gedanken über Wesen und Entstehung der christlichen Basilika — Zur Kunstgeschichte des Auslandes, Band 10: Straßburg: Heitz, 1902

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EINLEITUNG

ie Wissenschaft begreift unter dem Namen der altchristlichen
Basilika eine Reihe im Einzelnen untereinander abweich-
ender Anlagen. Was durchhält, scheint vor allem die For-
mation des Laienhauses zu sein. Dasselbe besteht aus drei einander


parallel laufenden Längsräumen, die unmittelbar am Eintritt in das
Gebäude einsetzen und als solche fortlaufen. Die Abschlusswand vorn
wird nicht als eng zu diesen gehörig empfunden, sondern als ange-
rückt. Ebenso erscheint die Abschlusswand zum Presbyterium hin
als zu diesem gehörig. Wie die Höhe der Gesimse schon erkennen
lässt, ist der Triumphbogen nicht in innerlichem Konnex mit den Lang-
hausarkaden gedacht, sondern als etwas Getrenntes, Angeschobenes.
Man vergleiche etwa eine antike Anlage wie das sog. Peristyl im Dio-
kletianspalast zu Spalato,1 um sich den Unterschied klar zu machen.
Hier ist die Seite mit dem Bogen in der Mitte in engem Anschluss an
die seitlichen Kolonnaden aufgefasst, das Gebälk zieht sich in einem
Zug herum und der Bogen erscheint wie eine Biegung desselben. In
der christlichen Basilika dagegen ist eine deutliche Naht zwischen
Triumphbogen und Langhausarkaden vorhanden. Das darf als Regel
gelten, wenn auch einzelne Ausnahmen zu konstatieren sind. In S.
Agnese, S. Lorenzo f. le m. (älterer Teil) zu Rom, in H. Demetrios
und der jetzigen Moschee Eski-Djuma in Thessalonich laufen die
Säulen auch vor dem Eingang herum,2 aber es ist dafür gesorgt, dass
sie sich von den Längsarkaden deutlich absetzen. Ausserdem muss man
nicht vergessen, dass sich innerhalb der christlich-basilikalen Archi-
tektur hie und da noch stark antike Strömungen geltend machen. Wie

1 s. Abbildg. 14.
2 In S, Agnese und S. Lorenzo lief auch ehemals der Lichtgaden Uber der
Apsis hin.

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