Der wahre Jakob: illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung — 14.1897

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tzeloenthunr. <«<-

In alten Heldenliedern ist manche Mär mahlt
Zon treuen Waffenbrüdern, von Helden auserwähll.

Da war von Kampfesnöthen, von grimmer Schwerter Schlagen,
Zon kühnem Drachentödten gar viel zu singen und zu sagen.

Ist denn nun ganz erstorben der stolzen Recken Ruhm?

Ist still ins «Lrab gesunken der Zorzeit Heldenthum?

Go sind die Kraftgestalten. so fest wie Stein und Lrz.

Kn denen wir bewundert den starken Krm. das tapfre Kerz?

Der Zage dichte Keöel durchdringt des Menschen «Leist,

Dem sich das fest «Leglauöle dann oft als Trug erweist:

Kn vielen Hochgebornen bleibt nichts von edler Kraft.

8on Schönheit, Weisheit, «Lüle im Zellen Licht der Wissenschaft.

Etwas über Fabriken-Inspektion.

Kein Fabrik-Inspektor darf eigenmächtig eine Revision vornehmen,
sondern hat zn warten, bis er vom Fabrikbesitzer dazu eingcladen wird;
der Besuch hat an einem Sonntag stattzufinden, damit der Herr Inspektor
nicht durch Maschinenlärm oder durch Ranch und Ruß belästigt wird.
Beim Eintritt ins Haus führt man ihn ins Speisezimmer und bewirthet

Doch dafür tritt manch Andrer in reinem «Llanz hervor.

Der sich bisher im Dunkel der fernen Zeit verlor.

Das sind die wahren Helden, die an das Zoll geglaubt, sHauxt.
«Lekämpft für seine Freiheit mit Schwert und Feder, Krm und

Dem 8olke selbst gebühret der höchste Heldenpreis
Für das. was es geschaffen mit seiner Arbeit Schweiß,

Für das. was es so standhaft an Koth und Schmach erlitten.
Für das. was es im «Lrimme sich als sein gutes Recht erstritten!

Des grössten Kampfes Stunde, schon rückt sie nah herbei.
Auf. auf. du Sohn des Zolles! der Kampf nur macht dich frei.
Kicht wird's an Helden fehlen, die wie aus Stein und Lrz.
Den Sieg erringt die Wahrheit, es triumphirt das tapfre Kerz!

ihn gut. Die Frau des Hauses wird dabei die Honneurs machen, sich
mit ihm über das Wetter, über Politik, Mode, Theater, Gesellschafts-
klatsch u. s. m. unterhalten und so werden dem Beamten die Stunden
seines Besuchs angenehm vergehen. Mit der freundlichen Einladung, ge-
legentlich einmal wieder zu kommen, verabschiedet man ihn.

Sollte indeß ein Fabrik-Inspektor indiskret genug sein, die Fabrik
sehen zu wollen, dann trägt man auch diesem Verlangen Rechnung.

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Was wir brauchen.

Aes Tages Losung ist Kampf und Streit,

Ist Nörgeln und Kritisiren —

Alle könnte die Nebel der bösen Zeit
Man gründlich noch kuriren?

Nit kleinen Mitteln ist nichts gethan,

Die würden schwerlich lohnen —■

So wendet ein Radikalmittel an:

Wir brauchen neue Kanonen!

Alan sagt, der Glaube sei aus der Welt,

Der sündigen, beinah' geschieden.

Der Arme zu viel vom Diesseits hält.

Ist nicht mit dem Jenseits zufrieden.

Drum gilt es, vor sträflicher Ketzerei
Zu schützen die Religionen,

Ihr fragt, welches Nittel das wirksamste sei?
Wir brauchen neue Kanonen!

Ls wird die Vrdnung, dis Autorität
Im Staate oft untergraben.

Gefährdet ist alles, was heute besteht.

Wenn schlechte Kanonen wir haben.

Der Proletarier wird radikal.

Liegt nicht mehr im Staub vor den Thronen;
Das soll sich nun ändern mit einem Mal —
Wir brauchen neue Kanonen.

Die alten tödten nicht schnell genug.
Vernichtender wirken die neuen.

So will die Regierung mit Recht und §ug
Nit diesen uns erfreuen.

Drum Reichstag — hier wird nicht gezagt und
Zweihundert Millionen fgeschwankt.

Bewillige, wie die Regierung verlangt —

Wir brauchen neue Kanonen!

Der kleine Tausch in der Westentasche.

Rurzgefaßter Leitfaden der politischen Polizei.

Vorwort.

Der gute Wille der politischen Polizei, ihre
Unentbehrlichkeit zu erweisen, ist über allen Zweifel
erhaben, ihre Pflichttreue ist bewundernswerth
und ihr Eifer unvergleichlich.

Doch dein Vollbriirgeu mangelt zu oft nur
die tiefgründige Kenntniß der Vorbedingungen des
Erfolgs, die Berechnung der tauglichen Mittel
greift fehl und die entworfenen Pläne zeigen die
bedauerlichen Mängel strategischer Erfahrung.

Der „kleine Tausch" soll diesen Uebelständen
abhelfeu und der politischen Polizei die Fähigkeit
verleihen, durch die That zu beiveiscn, daß sie die
niemals trügende, durchaus zuverlässige, daß sie
die einzige Stütze von Thron, Altar, Ordnung,
Eigenthum, Sittlichkeit und Gesetzestreue ist. Der
„kleine Tausch" ist für jeden Kriminalisten das,
was der Knopf auf dein Spazierstock, der Wetter-
hahn auf dem Kirchthurm und der Strick an dem
Galgen. Der Herausgeber.

Die Aufgaben des politischen Polizisten.

Die glänzende Zeit des Sozialistengesetzes ist
dahin, das die reinste Lebenslust für die Schüler
Sticbers und Krügers gewesen ist. In der dünnen
Atmosphäre des gemeinen Rechtes gilt cs des-
halb, durch doppelte Thatkraft die naturgesetzliche
Nothwendigkeit der politischen Polizei Jedermann
vor Augen zu führen. Wenn wir nicht alle Tage
auf die Gefahren, die dem herrschenden System
drohen, mit Fingern zeigen, wenn wir nicht auf
die Abgründe des Umsturzes weisen und jede
Woche mindestens eininal Staat und Kirche, Ge-
sellschaft und Moral vor den Anschlägen der Re-
volution retten, so wären zwei Drittel der geheimen
Fonds überflüssig.

Die Angst vor dem rothen Gespenste muß
dein Durchschnittsbllrger erhalten werden. Sein
Gruseln ist unser Gewinn.

Doch da wir von der öffentlichen Unsicherheit
leben, so genügt es nicht, in den Niederungen
der Menschheit zu jagen. Das Edelwild der oberen
Regionen ist auch eines Pürschgangs werth, und
st mehr die Verhältnisse sich erhitzen und wie
Schilfrohr im Winde schwanken, um so williger
werden die Mächtigen unsere Hilfe anrufen.

Geschäftig gleich dem Eichhörnchen auf der
Weltesche, das vom Wipfel bis zur Wurzel un-
ablässig läuft und kundschaftet, muß der politische
Polizist horchen, sammeln, spähen und verschlagene
Botschaft hierhin und dorthin tragen. Er schürzt
die Knoten der Verschwörung und zerhaut sie
wieder, er spinnt ein dichtmaschiges Netz von
Halbwahrheiten und Falschheit, von Zweideutig-
keiten und Gerüchten, von Schein und Dichtung,
und in den Maschen zappelt das nur zu leicht ge-
fangene Wild.

Hier stürzt ein Großer, dem er verstohlen ein
Bein gestellt, und der im Falle den Nebenbuhler,
den er für den Urheber seines Unglücks hält, mit
sich in die Tiefe reißt. Die Rathgeber der Ge-
waltigen verstricken sich in die Fäden, die die
Polizeikunst webt, und ein Fasching der Ueber-
raschungen erhöht und erniedrigt die Günstlinge.

Die Werkzeuge der politischen Polizisten.

Wer die Anweisungen dieses Leitfadens wirk-
sam ausführen will, muß voraussetzungslos an
sie Herangehen, so wie der Denker an die tiefen
Streitfragen der menschlichen Erkenntniß. Vor
allem muß er ohne den lästigen Ballast des so-
genannten Gewissens die hohen Aufgaben, die hier
gestellt sind, zu lösen unternehmen.

Bedarf er einer Quittung, einer bestimmten
Unterschrift, so wird sie eben geliefert. Es kommt
nicht darauf an, daß die Handschrift echt, der
Name echt ist; wenn das Papier nur ein Glied
in der Kette, ein Hilfsmittel seiner Absichten ist,
darf der Fachmann nicht zaudern, das, was die
Böswilligen eine Urkundenfälschung, kluge Leute
aber eine Korrektur des Glückes nennen, ausführen
zu lasse».

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