Zahn, Wilhelm
Die schönsten Ornamente und merkwürdigsten Gemälde aus Pompeji, Herculanum und Stabiae: nach einigen Grundrissen und Ansichten nach den an Ort und Stelle gemachten Originalzeichnungen (Band 2) — Berlin, 1842/​1844

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IX. Heft.

81. jflLus der Casa del Naviglio (délie Baccanti} zu Pompeji, ausgegraben 1826, gegenwärtig im Königlichen Museum zu Neapel. Thronender Bacchus in der Grösse des Originals, auf rotheui
Grunde gemalt; befand sich am Atrium gleich rechts vom Eingange, dem Fragmente der Juno gegenüber und bildet das Gegenstück der thronenden Ceres, links vom Eingänge, auf Taf. 82
abgebildet. Der Gott des Weinbaus erscheint hier in jungmännlicher Schönheit, sein Haar mit Weinlaub und Blumen bekränzt. Das ihm über die Schulter und über den linken Arm hängende
Gewand Coder vielleicht Rehfell) ist blau, desgleichen das über den oberen Theil der Schenkel liegende ebenfalls blau, während das, welches sein linkes Bein bedeckt, roth ist. In seiner
Rechten hält er ein goldenes Trinkgefäss (Carchesium}, in seiner Linken den Thyrsusstab. Der Thron ist golden, mit Edelsteinen geziert und mit purpurnen Kissen und Gewände belegt:
unten links von ihm sitzt ein Panther und rechts ist ein Tamburin, mit bläulichem Felle überzogen. Der hinter dem Throne stellende Säulenschaft mit grünen Bändern, ist röthlich grau. Sowohl
dieser Bacchus als die übrigen Gottheiten und Figuren an den Wänden dieses Atriums sind ausserordentlich schön gemalt. Auf dem Grundrisse der Taf. 98 sind alle Orte genau angegeben,
wo sich diese ausgezeichneten Wandgemälde im genannten Hause vorfanden.

82. Aus der Casa del Naviglio Cdelle Baccanti) zu Pompeji, ausgegraben 1826, gegenwärtig im Königlichen Museum zu Neapel. Thronende Ceres, in der Grösse des Originals, auf rothem Grunde
gemalt, Gegenstück des auf Taf. 81 gegebenen Bacchus, befand sich am Atrium gleich links vom Eingange, dem thronenden Jupiter gegenüber. Die Göttin des Ackerbaues sitzt auf goldenem
Throne, der mit grünem Gewände behangen und mit blauem Kissen belegt ist, bekleidet mit einer durchsichtig weissen Tunica ohne Ärmel und einem ebenfalls weissen Obergewande, welches
ihre Beine bedeckt; ihr Kopf ist mit Kornähren und blauem Schleier geschmückt; in ihrer Linken hält sie einen Büschel Ähren, in ihrer Rechten eine goldene brennende Fackel. Der Fussschemel
ist auch golden; der ihr zur Rechten stehende geflochtene Fruchtkorb mit Ähren gelb, der hinter dem Throne stehende Pilaster röthlich grau.

83. Wand aus der Casa d'Argo e d'Io in Herculanum, ausgegraben 1830, befindet sich im Triclinium rechts vom Eingange, wie auf dem Grundrisse der Taf. 63 genau angegeben ist. Der Grund
der Wand ist schwarz, nur der Grund des Obertheils ist weiss, unten die Lambris ist wie Marmor in verschiedenen Farben gemalt. Das Hauptgemälde stellt Argus, Io und Mercur vor.
Io, eine Tochter des Inachus, wurde wegen ihrer Schönheit vom Jupiter geliebt und aus der Ursache von der eifersüchtigen Juno verfolgt, worauf sie Jupiter in eine Kuh verwandelte. Als
dieses Juno gewahr wurde, bat sie sich die Kuh vom Jupiter zum Geschenk aus, und liess sie vom hundertäugigen Argus bewachen. Jupiter beauftragte nun den Mercur, die Kuh dem Argus
zu entführen; Mercur machte sich als ein wandernder Hirte zu dem Argus, schläferte ihn durch sein Flötenspiel ein, brachte ihn um und entführte die Kuh. Apollodor II. 1. 3. Ovid. Met. 1.
624 — 716. Auf diesem Bilde scheint der Künstler einen Moment dargestellt zu haben, wo Mercur dem Argus die Hirtenflöte Syrinx überreicht, um von der Erde einen Stein aufzunehmen
und ihn damit zu tödten, denn ein Schwert hat hier Mercur nicht. Sowohl dieses Hauptbild als auch die beiden schwebenden Victorien in den beiden Seitenfeldern, wie überhaupt die ganze
Wand, sind sehr beschädigt und kaum noch zu erkennen.

84. Wand aus der Casa délia seconda Fontana di Musaico zu Pompeji, ausgegraben 1827; hier in den Farben des Originals; befindet sich in dem Zimmer gleich links vom Eingange, wie auf
dem Grundrisse der Taf. 98 genau angegeben ist.

85. Aus Pompeji und Herculanum. Einzelne Ornamente in der Grosse und in den Farben der Originale, von verschiedenen Wänden entnommen.

8ßi Wand an einem Hause in der Strada della Fortuna Cder Casa del Gran-Duca gegenüber) zu Pompeji, ausgegraben 1838. Der Grund der drei Hauptfelder dieser Wand ist roth, der Grund
des oberen Theils weiss, der Grund der Lambris schwarz; auch ist der Grund der beiden schmalen Zwischenfelder schwarz, auf denen säulenartige Candelaber von rother Farbe, mit grünem
Blätterwerk mit Köpfen und silbernen Vasen gemalt sind. Das kleine Bild im Mittelfelde stellt silberne Vasen vor; die andern beiden Bilder mit Federvieh sind auch in ihren natürlichen
Farben gemalt. Die Ornamente dieser Wand sind theils gelb, grün, roth, violett, grau u. s. w., die feinen Linien sind meistens weiss, einige auch gelb, so wie Köpfe, Tliiere und Blätterwerk

in ihren natürlichen Farben dargestellt.

87. Aus der Casa della Caccia Cdi Dedalo e Pasifae) zu Pompeji, ausgegraben 1834. Schwebende Gruppe, Bacchant und Bacchantin, oder vielleicht Bacchus und Ariadne vorstellend, hier in
ihrer ganzen Farbenpracht und in der Grösse des Originals erscheinend, befindet sich auf einer Wand der Exedra, wie auf dem Grundrisse der Taf. 80 ganz genau angegeben ist.

88. Aus der Casa del Naviglio Cdelle Baccanti) zu Pompeji, ausgegraben 1826. Thronender Jupiter in der Grösse des Originals, am Atrium auf rothem Grunde gemalt, der Ceres gegenüber, links
vom Einlange zum Tablinum, bildet das Gegenstück der thronenden Juno, von der leider selbst bei der Ausgrabung nur noch die Fusse des Pfaues vorhanden waren. Der Gott des Himmels
und der Erde sitzt nachdenkend auf goldenem, mit Adlern und Edelsteinen geschmücktem Throne, der mit grünem Gewände behangen ist, den rechten Arm auf die Rücklehne des Thrones
stützend und die rechte Hand an den mit hellblauem Nimbus umgebenen Kopf haltend; in seiner Linken hält er das Scepter; sein Gewand ist violett und inwendig blau gefüttert; seine
Sandalenbänder sind grün; der Fussschemel ist golden; rechts neben ihm steht sein Adler von goldbrauner Farbe; der hinter dem Throne sichtbare Pilaster ist gelblich grau. Dieses Gemälde
war bald nach der Ausgrabung kaum noch zu erkennen.

89 Aus der Casa di Castore e Polluce zu Pompeji, ausgegraben 1828. Candelaber auf weissem Grunde in der Grösse und in den Farben des Originals, befindet sich in der Mitte der grösseren

Wand in dem kleinen Zimmer des Atriensis, welches gleich links vom Eingange des Hauses am Corinthischen Atrium liegt, wie auf dem Grundrisse der Taf. 90 genau angegeben ist.

(irundriss, Durchschnitt und Ansicht der Casa del Centauro m der Strada di Mercurio zu Pompeji, ausgegraben 1829. Grundriss, Durchschnitt und Ansicht der Casa di Castore e Polluce in

der Strada di Mercurio zu Pompeji, ausgegraben vom April 1828 bis Mai 1829. Die Restaurationen beim Durchschnitte und der Ansicht sind meistens nach den während der Ausgrabung

noch vorgefundenen Fragmenten gemacht worden. Das Haus des Castor und Pollux an schönen Gemälden eines der reichsten in Pompeji, wird so genannt, weil an den Wänden des

Eingangs sich die Bilder dieser Dioscuren einander gegenüber befinden, auch wird es Haus des Quästors wegen der darin entdeckten zwei Geldkasten genannt. Das Haus besteht aus zwei

mit einander verbundenen Theilen, deren jeder einen besonderen Eingang hat. Die äussere Mauer dieses Hauses nach der Hauptstrasse zu, ist mit Stuccatur-Arbeit überzogen, die über

einem roth angestrichenen Sockel in Quadrirungen besteht, von eingepressten Carniesleisten eingefasst, deren Vertiefungen blau bemalt sind; die Thürgesimse sind aus Tuffstein von Nocera mit

Stuck überzogen. Die zwölf Säulen am Corinthischen Atrium bestehen gleichfalls aus Tuffstein von Nocera mit Stuck überzogen, die an ihren Untertheilen, da wo sie glatt und nicht cannelirt, roth

angestrichen sind. Das Wasserbecken (Compluvium), welches das von den Dächern fliessende Wasser aufnahm und es von dort in die untere Cisterne leitete, hatte in der Mitte eine marmorne

Rosette, an welcher Frösche, Eidechsen und andere ähnliche Thiere abgebildet waren aus der aus einer bronzenen Spitzröhre das Wasser in die Höhe sprang. Die beiden Geldkasten an

diesem Atrium waren auf einem mit Marmor incrustirten Sockel von Mauerwerk befestigt- sie bestanden aus Holz, inwendig mit Kupferplatten gefüttert und auswendig mit eisernen Bändern

imlefft, und mit Schlössern, Griffen und vielen Verzierungen von Bronze geschmückt. An diesem Corinthischen Atrium befand sich ausser den auf dem Grundrisse angedeuteten Gemälden

ich°der schöne thronende Jupiter von einer Victoria gekrönt; ein Krieger mit einem Palmzweig in der Hand; ein Fragment eines Mercur mit einem Halme neben sich. Auf den über der

Tl • 9 zu beiden Seiten gemalten Landschaften ist auf der einen dargestellt, wie Perseus die Andromeda vom Meerungeheuer befreit hat und mit ihren Verwandten kämpft, die ihm die

llung mit mr streiti& macnen; auf der andern Landschaft ist Jupiter dargestellt wie er, in einen Stier verwandelt, von Amorinen umgeben, die Europa entführt. Die verschiedenen

J*m • am genannten Atrium haben ihren Eingang und erhalten ihr Licht aus diesem'Atrium, indem die Thüren derselben so eingerichtet waren, dass der obere Theil, der sich nicht öffnete,

Glasfenster bestand, durch welches Licht einfiel, wenn auch die Thür verschlossen war; diese Thüren Avaren der zweiten Eingangsthür dieses Hauses und der einen Thür der

aus ei"emCeiitaur0 ähnlich, wie hier auf der Ansicht zu ersehen ist. Das dem Eingänge gegenüberliegende Tablinum hatte ausser den prachtvollen .Malereien der Wände, die ich bereits in

CaSfl W rke abgebildet habe, auch einen reichen xMosaik-Fussboden. Links vom &Tablinum befindet sich der gewöhnliche Gang nach dem Peristylium. Von diesem Gange führt eine Treppe

diesem ei ^^; auf der Treppe kann man durch ein senkrecht länglich schmales Loch auf den Eingang des Hauses die Eintretenden sehen, ohne gesehen zu werden. Im Garten

zum oberen ^ ^ dem Atrium und deül Tablinum in der Mitte, gegenüber eine kleine Hauscapelle mit vier Säulen, die dem Bacchus scheint geheiligt gewesen zu sein. In der

steht, dem i g ' -n(j Malereien einer Fortuna, daneben Schlangen wïa eö n' ™Hprn Küchen der Pompejanischen Häuser häufig vorkommen. Die Wände des mittleren Peristyliums

iyuluc um Grundrisse bemerkten, noch mit vielen andern interessanten Malereien geschmückt, worunter einige kleine Schränke mit offenen Thüren darstellen, darin verschiedene

sind ausser den a dere Thiere, lebendig oder todt, gemalt sind. \ron dem off ± jjofe in der Mitte dieses Peristyliums diente ein Theil zum Garten, von welchem noch die Spuren zu

Fruchte, Genüge ^ djente zum Fjscubehälter, in dessen Mittp 5»,,c „-„„r «änlp durch eine bleierne Röhre ein Springbrunnen hervorsprudelte. Das Hauptzimmer an diesem

tf*rikptinpii wAJTAii * der Riiöv*^ • t • i ™us einer 0*11*10 ■ • ■

erKeuueu wart», Speisesaal mit den prachtigsten seltensten Marmorn sowohl an den Wänden als auf dem Fussboden verziert, von denen aber schon viele von den Alten gleich

Hofe war ein l est- o _ eüommea waren. Rechts vom mittleren Peristylium liegt das Toscanische Atrium mit dem zweiten Eingange zu diesem Hause und den angrenzenden Zimmern,
welches dJ^^tHLch ^schmückte Theil des Hauses war. Obgleich dieses Haus gewöhnlich für die Wohnung eines Quästors oder Einnehmers von öffentlichen Geldern gehalten wird,
so bin ich doch der Meinun* dass man es weit eher für die Wohnung eines reichen Kaufmanns, welcher viel Handel zur See hatte, halten dürfte, vielleicht gar das Handlungshaus zweier
Brüder worauf den,/ die am Eingange gemalten Brüder Castor und P0HUX mit Jkgm Stemm über dem Kopfe, als Führer der alten Schiffer, die symbolische Bedeutung aussprächen, um so
mehr, als auch auf der Aussenseite dieses Hauses ein Mercur nebst einer Fortuna gemalt ist.

II.
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