Zahn, Wilhelm
Die schönsten Ornamente und merkwürdigsten Gemälde aus Pompeji, Herculanum und Stabiae: nach einigen Grundrissen und Ansichten nach den an Ort und Stelle gemachten Originalzeichnungen (Band 2) — Berlin, 1842/​1844

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heil des auf Taf. 93 im Ganzen abgebildeten Mosaikgemäldes, ausgegraben am 24. October 1831, hier in der Grösse des Originals erscheinend. Obertheil des Alexander zu Pferde.
Theile des auf Taf. 93 im Ganzen abgebildeten Mosaikgemäldes, ausgegraben am 24. October 1831, hier in der Grösse des Originals erscheinend. Oben Darius mit seinem Wagenlenker,
unten einige Köpfe der Persischen Krieger.
Drei Mosaikgemälde (Fussboden) aus Pompeji, gegenwärtig im Königl. Museum zu Neapel.

Das hier unten gegebene grössere Mosaikgemälde, eine Schlacht des Alexander und Darius, vielleicht die bei Issus, wurde am 24. October 1831, als Fussboden einer Exedra, in
der Casa di Goethe *), CCasa del Fauno, Casa del gran Musaico) in der Strada della Fortuna (Strada della Porta di Nola) entdeckt, wie auf dem Grundrisse von Pompeji Taf. 100 genau
ano-e^eben, und ist gewiss die allervollkommenste Mosaikarbeit, die uns bis jetzt das Alterthum überliefert hat; es besteht, so wie die beiden andern, aus lauter farbigen Marmorstückchen, nicht
aus Glaspasten, und ist der Art ausgeführt, dass auf einem Räume von einem Quadratzoll mehr als 150 Marmorstückchen zu zählen sind. Vielleicht war dies Mosaik durch das Erdbeben im
Jahre 63 nach Chr. G. beschädigt worden, indem man schon im Alterthum versucht hatte, es zu restauriren; da aber diese Restaurationen nicht genügend erschienen, so hatte man die
fehlenden Stellen mit Gips ausgefüllt, Avie dies auch neuerdings, bald nach der Ausgrabung, bei den beschädigten Stellen geschehen ist. Der obere Grund (die Luft) des Bildes ist weiss.
Alexander in reichem Harnisch mit seinem Speere einen Perser durchbohrend, hat kräftige Gesichtsfarbe und braunes Haar, der Harnisch ist weiss, der Gürtel grün, mit gelben Rändern:
das Medusenhaupt auf der Brust fleischfarbig, mit blondem Haar und grünen Schlangen; die beiden Achselbänder sind roth, mit weissen, dem Donnerkeil ähnlichen Verzierungen, und mit
rothen Bändern an dem Harnsich befestigt; der über die Schulter hängende Mantel ist violettroth; der Griff des Schwertes am Wehrgehänge von Elfenbein mit goldenen Reifen. Das Pferd
des Alexander, welches mit weissem Zaume, gelbem Stirnband, goldnem Gebiss, Buckeln, Schnallen und einer Tigerdecke geschmückt ist, hat rothbraune Farbe. Der links vom Alexander
sichtbare Krieger, vielleicht der Feldherr Parmenio, trägt einen silbernen Helm mit goldenem Blätterkranz. Darius auf dem Wagen, mit gelber Kopfbedeckung (Tiara), über den Untergang eines
seiner Getreusten entsetzt, hat einen dunkel purpurrothen Mantel, ein braunrothes Unterkleid, welches zu beiden Seiten des breiten weissen Streifs auf der Brust, mit goldenen Sternen verziert
ist, und vermittelst eines schmalen rotlien Gürtels mit goldenen Spangen zusammengehalten wird; den Hals umgiebt ein goldenes Halsband in Gestalt von Schlangen, deren Köpfe an
beiden Endpuncten beinah zusammenstossen; seine Armbänder sind gleichfalls golden. Der Wagenlenker des Darius ist grün, auf der Brust roth bekleidet, mit gelber Kopfbedeckung. Die Pferde
vor dem Wagen sind schwarz, mit rothem Geschirr. Das hier in der Mitte des Bildes vor dem Wagen, vielleicht zur Flucht des Darius bereit gehaltene Pferd hat Isabellenfarbe und eine
gelbe Decke; der Krieger, welcher das Pferd hält, trägt rothe Beinkleider (Anaxvriden), gestickt mit weissen Greifen; seine Kopfbedeckung ist wie die aller übrigen Perser gelb; die Schuhe
oder Stiefel grau. Vielleicht könnte dieser Krieger auch den zur Flucht eilenden Ocsatres, Bruder des Darius, vorstellen. Der vom Alexander durchbohrte Perser, vielleicht Mithridates.
Eidam des Darius, hat ebenfalls gelbe Kopfbedeckung, gelben Bock, rothbraune Beinkleider, mit weissen Greifen, und graue Schnürstiefel; sein gestürztes verwundetes Pferd ist schwarz und
hat rothe und Aveisse Zäume. Die Fahne der Perser ist dunkelroth, auf der man noch ein Fragment eines Hahn- oder Greifkopfes erkennt. Der blätterlose Baum ist hellbraun. Die
SchAverter und Lanzenspitzen sind blau, stahlfarbig. Unten der Grund, das Erdreich, ist grau. Das Gemälde ist ringsum mit einer 8 Zoll breiten Verzierung von Zahnschnitten und auf
den vier Ecken mit Rosetten umgeben. Vielleicht haben die am Eingange der Exedra, zwischen den Säulen angebrachten drei schmalen Mosaikgemälde, mit verschiedenen Thieren und
Lotusblumen, den Nilstrom darstellend, Bezug auf die Schlacht, da Alexander in Folge derselben Ägypten eroberte.

Das ZAveite Mosaikgemälde, einen bacchischen Genius (Acratus) auf einem Panther reitend vorstellend, wurde am 10. December 1830 in der Casa di Goethe, in einem Zimmer am Atrium
rechts vom Tablinum entdeckt, wie auf dem Grundrisse von Pompeji, Taf. 100 genau angegeben ist. Der Grund des Bildes ist dunkelbraun, beinahe sclrwarz, der Panther gelb, sein Hals mit
grünem Weinkranz umgeben, der Zügel im Munde ist Silber; der Genius hat blondes Haar, mit grünen Epheublättern und gelben Beeren geschmückt; das nach dem Munde haltende Trink-
gefäss von Glas ist halb mit rothem Weine gefüllt; die Decke, auf der er sitzt, Aveiss. Die Masken, Bänder und Früchte im Bande des Bildes sind alle in ihren natürlichen Farben dargestellt.

Das dritte Mosaikgemälde, ein LöAve von Amorinen bezähmt (die Stärke durch Liebe besiegt), mit mehreren allegorischen Figuren, Avurde im Triclinium in der Casa del Centauro, in
der Strada di Mercurio am 31. Mai 1829 entdeckt, Avie auf der Taf. 90 genau angegeben ist, und schmückte bald darauf mehrere Jahre lang den Fussboden eines Zimmers im Königl. Palast
auf Capo di Monte, bis er vor einiger Zeit in das Königl. Museum zu Neapel gebracht Avorden ist. Diese Scene ist in einer Landschaft vor einem Tempel dargestellt. Die vor dem Tempel
opfernde Priesterin hat gelbe Tunica und violetten Mantel; die links sitzende Localnymphe ist mit Aveisser Tunica und gelbem Pallium bekleidet; so wie die rechts sitzende Localnymphe rothe
Tunica und gelbes ObergeAvand trägt. Eine schöne Verzierung von Meander in verschiedenen Farben, die hier nicht abgebildet ist, umgiebt dies Gemälde.

Gelbe Wand in den Farben des Originals, aus der Casa della Pescatrice zu Pompeji, ausgegraben 1823. Das Gemälde der Fischerin mit dem Amor im Mittelfelde, habe ich auf Taf. 60, so
Avie zwei andere Gemälde auf den Mittelfeldern der ZAvei andern ganzen Wände desselben Zimmers, eine Europa und ein sich im Wasser spiegelnder Narciss, auf Taf. 38 und Taf. 68, in
diesem Werke, erste Folge, in der Grösse der Originale publicirt.

Blaue Wand in den Farben des Originals, aus der Casa della seconda Fontana di Musaico zu Pompeji, ausgegraben 1827. Diese Wand befindet sich in der Exedra (Tablinum) des ZAveiten
Hofes, dem Eingange gegenüber, wie auf dem Grundrisse der Taf. 98 deutlich angegeben ist. In diesem Zimmer sind oben noch viele untere Beste des oberen StockAverks zu erkennen.
Mosaikfussböden aus Pompeji, aus verschiedenen Häusern entnommen. Der hier in der Mitte abgebildete Estrichfussboden, roth mit Aveissen Steinchen, schmückt den Eingang der Casa
de' Capitelli colorati, Avie auf dem Grundrisse der Taf. 98 zu sehen ist. Der hier rechts gegebene ebenfalls rothe Estrichfussboden ist in einem Hause hinter der Curie, in der Nähe des
Forums, dem Vesuv entgegengesetzt, in der Strasse, Avelche vom Forum zum Scavo della Begina führt. Die übrigen hier gegebenen Theile befinden sich meistens in einem Hause in der
Nähe der Basilica, ZAvischen der Casa di Championnet und der Curie. Es ist hier die Lage und Grösse der Marmorstückchen genau angegeben, so dass darnach die Ausführung im Grossen
leicht möglich ist.

Aus Herculanum. Staffeleigemälde mit drei Figuren, in der Grösse und in den Farben des Originals, vielleicht einen tragischen Dichter oder Schauspieler hinter dem Theater vorstellend, der
ein Theaterstück aufschreiben Iässt. Es Avurde nebst drei andern Staffeleigemälden, die auch auf Stuck zum Einsetzen in die .Mauer gemalt sind, in einem Zimmer zu Herculanum im
Februar 1761 entdeckt. Alle vier Gemälde befanden sich nicht in den Wänden, sondern wurden als besondere einzelne Gemälde auf dem Fussboden stehend, an die Wand gelehnt, gefunden:
sie sind von sehr guter Zeichnung und ausserordentlich schön gemalt; ZAvei derselben habe ich in der ersten Folge dieses Werkes auf Taf. 78 und Taf. 84 publicirt.

98. Grundrisse und Durchschnitte verschiedener Häuser zu Pompeji, ausgegraben 1825 — 1834. Casa de' Capitelli colorati, 1833 — 1834. Casa del Gran-Duca di Toscana, 1833. Casa di
Meleagro, 1829— 1830. Casa del Poeta tragico 1824—1825. Fullonica 1826. Casa della prima e seconda Fontana di Musaico, 1826 — 1827. Casa del Naviglio (delle Baccanti)
1825—1826. Casa dell' Ancora, 1829 — 1830. Casa di Pomponio. Casa de' cinque Scheletri. Taberna (Lupanaro) 1827. Auf diesen Grundrissen sind alle Orte genau benannt, avozu
s|e den alten Bewohnern dienten, auch ist genau angegeben, avo die Hauptgegenstände, vorzugsAveise die in diesem Werke publicirten Malereien, entdeckt worden sind.

99. Mosaikfussböden aus der Casa del Laberinto zu Pompeji, ausgegraben 1835, in den Farben des Originals erscheinend. Dieser Fussboden besteht aus lauter farbigen Marmorstückchen,
(nicht aus Glaspasten) Avie hier treu angegeben ist, so dass darnach die practische Ausführung im Grossen leicht möglich ist. Auf dem Grundrisse von Pompeji, Taf. 100, ist das Zimmer
bemerkt, in welchem dieser Fussboden sich befindet.

100. Grundriss von Pompeji mit den Besultaten der Ausgrabungen von 1743 bis 1844, nebst den Benennungen der öffentlichen und Privatgebäude. Mehrere der im vorigen Jahrhundert aus-
gegrabenen und damals Avieder zugeschütteten Gebäude sind mit blasserem Tone angegeben.

W. Zahn.

*) Casa di Goethe wird dies Haus genannt, weil die Ausgrabung desselben am 7ten October 1830 zu Ehren des Baron von Goethe (Sohn des grofsen Dichters), der mehrere Tage bei mir in Pompeji verweilte, angefangen wurde.

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