Ziegler, Hendrik
Die Kunst der Weimarer Malerschule: von der Pleinairmalerei zum Impressionismus — Köln , Weimar , Wien, 2001

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EINLEITUNG

Wollte man das Besondere der Kunst der Weimarer Malerschule in einem Wort
zu fassen suchen, so wäre dies: Reduktion. Die Tendenz, das Landschaftsbild aus
immer weniger Motiven aufzubauen und dessen ausschnitthaften Charakter zu
betonen, prägte die Weimarer Malerschule in den 1890er Jahren deutlich aus,
nachdem sie bereits seit den 1870er Jahren zunehmend auf Vielfalt und Ab-
wechslungsreichtum im Motivischen verzichtet und eine kontrastreiche kolori-
stische Durchfxihmng vermieden hatte. Aus den seit den 1870er Jahren gesam-
melten Erfahmngen mit der Pleinairmalerei heraus Anfang der 1890er Jahre den
Übergang zu einem impressionistischen Malstil vollzogen zu haben, darin be-
steht die besondere Leistung der Weimarer Malerschule, daraus erwächst ihre
Bedeutung fiir die Gesamtentwicklung der deutschen Landschaftsmalerei. Die
Auseinandersetzung mit dem französischen Impressionismus, die innerhalb der
Weimarer Malerschule jenen Entwicklungsschub bewirkte, wodurch sie den
Wechsel von der Pleinairmalerei zum Impressionismus zu bewerkstelligen ver-
mochte, setzte im Vergleich zu anderen deutschen Kunstzentren besonders friih,
nämlich schon 1889/90, ein und war von so nachhaltiger Wirkung wie sonst nir-
gends in Deutschland. Die Charakterisierung jener reduktiven, dabei individuell
sehr unterschiedlich ausgeprägten Bildästhetik, wie sie besonders in der impres-
sionistischen Entwicklungsphase der Weimarer Malerschule greifbar wird, ist ein
zentrales Anliegen der Arbeit.

Aus welchen institutionellen Voraussetzungen heraus die Weimarer Malerschu-
le entsteht, was ihre Leistungen charakterisiert, wann und wie sie sich gegenüber
den übrigen Landschafterschulen in Deutschland abzusetzen beginnt, welche
Folgen die Rezeption französischer Kunst für die Entfaltung ihrer genuinen
künstlerischen Anlagen hat, wann der Zenit ihres schöpferischen Potentials er-
reicht und schließlich überschritten wird, das sind die Fragen, die den Aufbau
der Arbeit bestimmen.
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