C. G. Boerner, Auktions-Institut, Kunst- und Buchantiquariat <Leipzig>   [Hrsg.]
Sammlung kostbarer alter Kupferstiche, Holzschnitte und Radierungen des in Mannheim verstorbenen Dr. ing. h. c. Carl Gaa: ferner dessen Spezialsammlung von Stichen und Radierungen des Georg Friedrich Schmidt ... ; Versteigerung am Mittwoch, den 5. und Donnerstag, den 6. Mai 1926 — Leipzig, 1926

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VI

VORREDE

Carlos Gaa hat hier, wie man sieht, neben der Berufsarbeit, die seine Zeit völlig ausfüllte
und in der er anerkannt Großes geleistet, gewissermaßen im Nebenberuf zu eigner Freude
eine Sammlung geschaffen, wie sie wohl schwerlich jemals in dem kurzen Zeitraum von 18 Jahren
vereinigt wurde. Es ist ein schmerzlicher Gedanke, daß sie nunmehr das Los der meisten ähn-
lichen Sammlungen teilen soll, wieder nach allen Himmelsrichtungen verstreut zu werden, daß
soviel hingebende Liebe, soviel, abwartende Geduld, soviel feinstes Kunstempfinden und soviel
trefflicher Geschmack eines zielbewußten Kenners nichts Bleibenderes zu schaffen vermochten,
als dies Denkmal eines zu früh vom Schicksal gebrochenen Willens. — Aber — das dürfen
wir uns nicht verhehlen — auch die schönste Sammlung ist tot, sobald sich die Augen für
immer geschlossen haben, denen sie ihr Dasein, ihr Blühen und Gedeihen verdankt. Der
Geist ist's auch hier, der lebendig macht und Früchte trägt. Daß die Sammlung Gaa nicht
völlig der Vergessenheit anheimfalle, dafür wird der vorliegende Katalog sorgen, denn — das mag
hier einmal offen herausgesagt werden ■— die deutschen Kupferstich-Auktionskataloge, und ganz
besonders die Boernerschen, sind mit einer Genauigkeit und Sorgsamkeit abgefaßt, die man weder
in England noch in Frankreich, noch überhaupt irgendwo auf der Welt kennt. Sie werden,
wenn ihre Aktualität vorüber ist, gewissermaßen zu historischen Dokumenten, weil sie sich den
jeweiligen Resultaten der wissenschaftlichen Forschung anschließen und auf diese Weise zum
unentbehrlichen Rüstzeug der kunstgeschichtlichen Bibliotheken und Kupferstichkabinette ge-
hören.

So wird auch der Katalog Gaa, wenn er seinen nächstliegenden Zweck erfüllt haben
wird, in die lange Reihe jener berühmten Sammlungskataloge eingereiht werden, die, wie so
viel andere, eine stumme, und doch dem Eingeweihten vertraute Sprache redenden Verzeich-
nisse von v. Liphart, Mitchell, Angiolini, Straeter, Kallmann, Morrison, v. Lanna, Huth, Främbs,
Vincent Mayer, Julius Hof mann und Davidsohn ihren Platz in der Geschichte der graphi-
schen Künste mit Ehren behaupten. — Mir waren die Genannten alle noch persönlich wohl-
bekannt und zum Teil sogar liebe Freunde. — Carlos Gaa wird unter ihnen der jüngste sein,
aber gewiß nicht den letzten Rang in meiner Verehrung und Wertschätzung einnehmen.

Dresden, im Februar 1926.

Max Lehrs.
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