Kautzsch, Rudolf
Diebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau — Stuttgart, 1895

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78 Diebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau

Hss. vom Anfang des Jahrhunderts zeigen: ein breites Gesicht mit
starker Einziehung in Augenhöhe, ganz spitzem Kinn und grossen Augen.
Die Realismusstufe ist noch eine sehr niedere. Der Boden ist ohne
jede Vegetation. Dagegen werden grosse grüne Stauden und roth-
braune Rosetten zur Füllung des Hintergrundes reichlich verwendet.
Die Technik ist Strichstil, nicht so sicher wie bei A, aber auch ent-
fernt nicht so unbekümmert wie bei C. D scheint seine Bilder auch
selbst gemalt zu haben, da die Bemalung in den drei hier aufgeführten
Stücken dieselbe ist, obwohl eins davon als Einschiebsel mitten unter
ganz anders bemalten Bildern der Hs. C II steht.

Hervorgehoben mag werden, dass der Maler in keinem der drei
Werke Blau1), Karmin- oder Purpurroth verwendet.

I.

Kgl. Bibliothek, Dresden (A 50):
Historienbibel, s. o. C. II.
Vier Bilder, fol. 98—103'.

II. (24)

Kgl. Hof- und Staatsbibliothek, München (cgm. 203):
Rudolf v. Ems, Alexander.2)
2 Bilder und ein Initial.

III. (25)

Fürstl. Fürstenbergische Hofbibliothek, Donaueschingen (Nr. 71):
Wirnt von Grafenberg, Wigalois.3)

Vgl. Barack*) S. 44.

Zahlreiche Bilder, grosses W als Eingangsinitial.

Einband: Holzdeckel mit Pergamentrücken. Das eingepresste
Ornament zeigt eine Ranke mit Eicheln, darüber und darunter je einen
auf die Spitze gestellten Rhombus mit einköpfigem Adler. Auf dem
Schnitt des Buches steht mit grossen Buchstaben: Vigelis vom Rad.
Ganz denselben Einband, auch dieselben Buchstaben in der Titelangabe
auf dem Schnitt zeigt eine eis. Papier-Hs. mit Bildern in Stuttgart
(Kgl. Handbibl. cod. poet. germ. 2: Wilhelm v. Orlens), welche sich laut
Eintragung auf fol. 4 im Jahr 1631 im Kloster Weingarten befand. Da
der Einband wohl noch dem 15. Jahrhundert angehört, ist mindestens
zweifelhaft, ob er den Büchern im genannten Kloster gegeben wurde.
Viel eher dürften wir in den beiden Werken Bestandtheile einer süd-
deutschen (fürstlichen?) Privatbibliothek vor uns haben. Es lohnte

1) Nur in dem Initial der Hs. II ist ein deckendes, fettes Dunkelblau
verwandt. '

2) Gödekel, 126. Vgl. oben Hs. AXIV.

3) Goedeke I, 101. Die Ausgabe, von Schönbach Heilbronn 1879 an-
gezeigt, lässt noch immer auf sich warten. Bisher habe ich unsere Hs. nirgends
angeführt gefunden.

4) Barack, Hss. der Fürstl. Fürstenbergischen Bibliothek, Tübingen 1865.
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