Zupitza, Julius [Editor]
Dietrichs Abenteuer von Albrecht von Kemenaten nebst den Bruchstücken von Dietrich und Wenezlan (Deutsches Heldenbuch, fünfter Teil) — Berlin, 1870

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XXX Einleitung

king Goldemar und stai im sin dohter, daz die alt kinginne von leid
starp. do kam der Berner und nam si Goldemar widerumb mit grozer
arbeit, doch bleip si luter und rein von Goldemar. im Reinfried aber
heisst es: in mohten sicherlich niht geliehen sunder vâr die risen, mit
den Goldmâr, daz rieh keiserlich getwerc den wait vervalte und den bere
hie vor den Wölfingen, diese beiden Zeugnisse ergänzen sich gegenseitig,
der inhalt des gedrehtes war demnach: Dietrich verliebt sich in eine von
dem zwergkönig Goldemar entführte königliche Jungfrau, da Goldemar sie
nicht freigeben wollte, holte Dietrich die Will finge herbei: diese besiegten
mit grosser anstrengung die riesen, die Goldemar zu seinem schütze herbei
gerufen, und befreiten die Jungfrau, die nun Dietrichs erstes weib wurde,
ich habe schon oben s. XX VII die Vermutung ausgesprochen, dass sich in der
Virginal eine anspielung auf diesen kämpf finde, ein weib Dietrichs vor der
Herrat nennt keim ältere quelle : nur die Thidr. s. c. 240 die Gudilinda,
tochter könig Drusians, und im Sigenot 32,1 if. sagt Dietrich zu Hildebrand
là dir bevolhen sin min wîp, worunter wohl Hertlin zu verstehen ist.

Der ausdruck als uns diu âventiure seit weist uns auf eine schrift-
liche quelle Albrechts hin.* woher hat diese aber geschöpft? die sage hat
grosse ähnlichkeit mit der von Laurin: auch dieser zwergkönig hat eine
Jungfrau Künhild entführt und lasst riesen zur hilft gegen die Wülfinge
rufen (v. 1487/f.). ist die annähme richtig, dass die Virginal auf den
Goldemar anspielt, so sind die genossen Dietrichs in diesem (wenigstens
nach der ersten stelle) genau dieselben, wie im Laurin. ich denke, die
quelle Albrechts und der Laurin haben eine und dieselbe lokalsage von
Dietrichs und seiner genossen kämpf mit einem zwergkönig selbständig
weiter gestaltet, wo Trutmunt liegt, habe ich nicht ermitteln können.

3. SIGENOT.

Der SlGENOT ist in der ältesten gestalt in der lassbergischen hand-
schrift (L) erhalten, die namentlich auch das Eckenlied enthält. Lassberg
setzt sie noch ins 13. Jahrhundert, nach Schönhuth gehurt sie sogar noch in
die 4 ersten decennien desselben, richtiger ist gewiss Franz Pfeiffers urteil,
der sie {Haupts Zeitschrift 8, 156) ms 14. setzt, gegenwärtig befindet sie
sich in der fürstlich fürstenbergischen hofbibliôthek zu Donaueschingen.

* vgl. oben s. XXIV anm.
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