Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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Μ I Μ O L O G E N.

(Hierzu Tafel I).
Die auf Tafel I in natürlicher Grösse abgebildete Terrakotte
ist bei den Ausgrabungen des Deutschen Instituts am Westab-
hang der Akropolis bei einer der Cisternen gefunden worden,
die dicht unter dem Abhang der Pnyx liegen. Die Erklärung
der Terrakotte als Lampe ergiebt sich aus der Eingussöffnung
oben und den beiden Mündungen rechts und links, in die der
Docht geschoben werden sollte, und deren obscöne Ausge-
staltung bei Lampen ausserordentlich beliebt ist. Oben befindet
sich eine jetzt halb abgebrochene Öse zum Aufhängen, der
Körper ist innen hohl und vorn von drei Relieffiguren gebildet.
Die Basis, auf der die Personen stehen und die zugleich als
Ölbehälter dient, ist so klein, dass die Lampe kaum zu wirk-
lichem Gebrauche gedient haben kann.
Gefertigt ist die Lampe aus schönem, ziegelrot gebrannten
Thon, der mit einem dunkelroten Überzug versehen ist. Spuren
davon haben sich noch besonders deutlich auf der Rückseite,
aber auch vorn an der Brust des Jünglings und am Mantel des
rechts stehenden Mannes erhalten. Der Thon ist nicht sehr
sorgfältig geknetet; man erkennt an mehreren Stellen noch
die jetzt Risse bildenden Linien, in denen die verschiedenen
Thonbrocken an einander gepresst waren, die dann durch das
Brennen ihren engen Zusammenhalt wieder verloren haben.
In Lorm und Technik bildet die Lampe ein Unikum ; bis
jetzt ist kein vollkommen entsprechendes Beispiel publiziert.
Gleichwohl ist es möglich, ihr mit Sicherheit einen Platz in der
Geschichte der antiken Terrakotten anzuweisen. Auszugehen
ist hierbei von dem dunkelroten Überzug, der sich etwas fettig
anfühlt; er findet sich noch bei einigen wenigen Terrakotten,
die wohl alle einer bestimmten Zeit, dem Ende des III. Jahrhun-
derts, angehören. Mir sind aus dem hiesigen Nationalmuseum
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ATHEN. MITTEILUNGEN XXVI.
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