Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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DAS GRIECHISCHE THEATER IN SYRAKUS

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nicht recht verstehen. Eine ohne Unterbrechung durchlaufende
Säulenfront ist durch diese Verschiedenheit ohne weiteres aus-
geschlossen. Am ehesten könnte man noch eine Dreiteilung
der Stützenstellung zu 3X3 Intercolumnien behaupten, wie sie
sich in der folgenden symmetrischen Zusammenfassung erge-
ben würde :
_a_
□ OOQQQQOOQ
b ~ c
Und damit wäre vielleicht das Theater von Delos (und Perga-
mon?) zu kombinieren, wo Dörpfeld (S. 273, 384 ff. und 152)
eine Gliederung der Skene in drei Häuserfronten feststellt.
Aber abgesehen davon, dass Puchstein (S. 22 f.) diese ganze
Art der Proskenionsdekoration nicht ohne Grund in Zweifel
gezogen hat, vermisse ich in Syrakus einmal die Trennung der
einzelnen Abteilungen, die Dörpfeld in Delos durch Interco-
lumnien mit festen, gemalten Wänden bewirkt sein lässt. Und
dann : warum wohl ist der Säulenabstand so weit genommen ?
In den griechischen Theatern hat man sonst überall die Proske-
nionssäulen enger an einander gestellt, gerade deshalb wohl,
um möglichst viele Intercolumnien zu erzielen. Charakteristisch
ist wieder besonders das Theater von Delos, wo die Axweite
der Stützen an den drei offenen Seiten des Bühnenhauses
(2,04 m) der des Holzbaues in Syrakus (2,43 m) sich nähert,
während die Säulenreihe der Vorderseite (des Proskenions) an
der Orchestra nur eine Axweite von 1,50 m aufweist. Und diese
enge Säulenstellung im Proskenion ist allen griechischen Thea-
tern eigentümlich, den kleinsten sowohl (Neu-Pleuron mit 7 Inter-
columnien und 1,59 m Axweite und Oropos mit 9 Intercolum-
nien und 1,36 m Axweite) wie den grössten (Epiclauros, Athen
und Megalopolis mit je 15 Intercolumnien und 1,73 [1,97] m,
1,36 [1,27] m, 1,80 m Axweite). In Neu-Pleuron mag allerdings
die Axweite im Verhältnis zur Länge des Proskenions (11,15 m)
gross erscheinen: aber aus architektonischen Rücksichten ging
es nicht an, die Intercolumnien viel kleiner zu machen.
Wir müssen demnach den Gedanken aufgeben, den Holz-
bau als das Proskenion des griechischen Theaters erklären zu
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