Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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DAS GRIECHISCHE THEATER IN SYRAKUS 25
Säulen angebracht werden sollen, scheinen mir niedrige Stützen
oder kurze Säulchen viel erträglicher als hohe Säulen, die einer
Säulenhalle anzugehören scheinen». Und über das Theater von
Pergamon urteilt derselbe (Theater S.152): «Ausdrücklich mag
darauf hingewiesen werden, dass die Löcher und Pfosten nicht
etwa dazu gedient haben können, ein Podium aufzuschlagen.
Denn die Pfosten sind zu dick und stehen zu enge, als
dass sie nur eine niedrige Bühne gebildet hätten».—Bei einer
niedrigen Holzbühne war zudem eine konstruktive Verbindung
mit der rückwärtigen Skenenwand oder dem Proskenion nicht
erforderlich, weil das Holzgerüst auf architektonische Wirkung
keinen Anspruch macht. Eine niedrige Bühne als Spielpodium
kann selbständig für sich stehen und braucht sich der rück-
wärtigen Architektur nicht anzupassen. Man vergleiche insbe-
sondere die Abbildung der niedrigen Phlyakenbühne bei Dörp-
feld Theater S. 322. Die verschiedene Profilierung der offenbar
künstlerisch ausgebildeten Holzpfosten bereitet freilich auch
bei der Annahme einer niedrigen Bühne Schwierigkeiten. Aber
eine Erklärung kann etwa in der Weise versucht werden, dass
wir für das grössere Mittelintervall eine Verbindungstreppe
zwischen Orchestra und Bühne postulieren, so dass nun die
Stützen zu beiden Seiten symmetrisch folgendermaassen sich
anordnen : Q Ο O □ · Die leeren Zwischenräume zwischen
den Pfosten mögen mit Teppichen und Kränzen verhängt ge-
wesen sein. Wenn die Erklärung nicht völlig befriedigt, so ist
sie zum wenigsten nicht schlechter als die oben angedeutete
für die Dekoration eines hohen Proskenions.
So schliesst sich denn unsere ganze Beweisführung zu dem
Satze zusammen, dass das Theater von Syrakus wahrscheinlich
die Überreste einer niedrigen Holzbühne bewahrt. Nur das
eine vielleicht am schwersten wiegende Bedenken bleibt noch
übrig, dass diese Einrichtung in allen anderen griechischen
Theatern fehlt, die doch bisher schon in so grosser Zahl be-
kannt geworden sind. Und zweifelnd fragen wir uns, wie es
denn kommen mag, dass gerade nur Syrakus, nur ein sizili-
sches Theater das solide Fundament einer Holzbühne aufweist;
denn das niedrige hölzerne Logeion werden vir hier doch nur
unter der Voraussetzung unbedenklich hinnehmen dürfen, dass
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