Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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EINE BÖOTISCHE VASE GEOMETRISCHEN STILS

(Hierzu Tafel V).

Die auf Tafel V abgebildete Vase geometrischen Stils wurde
in Böotien gefunden und aus der Sammlung Margaritis für
das Akademische Kunstmuseum in Bonn erworben. Es ist ein
Trinkbecher primitiver Form ohne Fuss mit zwei hohen Henkeln.
Der Körper erweitert sich nach oben, erreicht in etwa 2/3
Höhe, wo die Henkel anfangen, seine grösste Weite und zieht
sich dann nach dem oberen Rande zu in ungebrochener Kurve
wieder zusammen. Die Lippe ist nicht besonders abgesetzt.
Genau dieselbe Form finden wir bei einer Dresdener Vase der-
selben Gattung Arch. Anzeiger 1900 S.IIO, die als aus Griechen-
land stammend erworben wurde. Ähnlich ist die Vase in Ko-
penhagen Arch. Zeitung 1885 Tafel 8,2 a, ferner die Vasen
im Athenischen Nationalmuseum Athen. Mitt. 1893 Taf. 8,3;
Jahrbuch des hist. 1887 S. 54 Fig.17; 1900 S. 54 Fig.116; doch
ist bei diesen der obere Teil des Bauches eingezogen. Ein wenn
auch nur kleiner Fuss ist angefügt bei den Vasen Jahrbuch
1900 S. 54, Fig. 117 und Pottier Vases du Louvre I pl. 11 A 288.
Böhlau (.Jahrbuch 1887, 54) nennt als älteste Analogie zu die-
ser Form die mykenischen zweihenkligen Trinkbecher (Myken.
Thongef. X 48 ; V 22). Man wird aber eher vermuten dürfen,
dass die mykenische und die geometrische Form der Trink-
becher ebenso wie der griechische Kantharos auf eine gemein-
same Urform zurückgehen, die am treuesten in den kyprischen
Töpfen der Kupferbronzezeit (Ohnefalsch-Richter Kypros Taf.
CLXVIII 2b; mehrere Exemplare im Bonner Kunstmuseum) er-
halten und in Schliemanns δέπας άμφικΰπελλον der troischen
Funde weiter variiert ist. Während aber in der mykenischen
Periode die Becherform unter dem Einfluss der Metalltechnik
umgebildet wurde und scharf gebrochene Profile erhielt, finden
wir im geometrischen Stil die Urform reiner erhalten, und zwar

ATHEN MITTEILUNGEN XXYI.

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