Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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C. WATZINGER

tiger, die Farben werden ungleichmässig und ohne Rücksicht
auf die geritzten Konturen aufgetragen. Als dritte Farbe ist zu
nennen ein schönes dunkeles Rot, mit dem die vom schwarzen
Firnis unbedeckten Teile überzogen werden. Doch findet sich
auch diese Farbe nur bei den älteren Exemplaren und ver-
schwindet im Laufe der Entwickelung. Eine weitere Eigentüm-
lichkeit der älteren Vasen ist ihre Vorliebe für kurze Beischrif-
ten, durch die die Gefässe als Geschenke oder Weihegaben
bezeichnet werden. Die Buchstabenformen weisen uns vom
IV. Jahrhundert abwärts, ohne eine bestimmte Datierung zu
erlauben. Formen wie C für X kommen auf rotfigurigen Vasen
bereits Anfang IV. Jahrhunderts vor.
Die nächste Vorstufe zu diesen Vasen bilden die attischen
Gefässe des IV. Jahrhunderts, die auf den glänzend schwarzen
Firnis aufgesetzte gelbe, meist vergoldete Guirlanden und Ran-
ken tragen1. Sie teilen mit diesen die Anwendung der dunkel-
roten Farbe zur Bedeckung der ungefirnissten Teile des Gefässes
und, wenigstens am Anfang der Entwickelung, den guten, schwar-
zen Firnis. Sie unterscheiden sich aber von ihnen durch die
neue, viel reichere Ornamentik und durch die eigenartigen,
von allem bis dahin Gebräuchlichen abweichenden Formen.
Als auf den Firnisgrund aufgesetzte Dekorationen kommen
Füllhörner, Delphine, Thyrsoi und Kränze bereits auf Ompha-
losschalen im V. Jahrhundert vor; in der hellenistischen Zeit
begegnen wir allen diesen Ornamenten auf den hellgelb gefir-
nissten Flaschen, bei denen sie in brauner Farbe auf den Grund
aufgemalt zu werden pflegen 2. Auch die hellenistischen Grab-
hydrien aus Alexandria zeigen ähnliche Verzierungen im Verein
mit anderen Ornamenten3. Das Aufkommen der Schachbrett-

1 Vgl. besonders Furtwängler Beschreibung der Vasensammlung in Berlin
N" 2851—2864. Die Guirlanden mit herabhängenden Amuletten z. B. auf einer
kleinen Kanne aus der Krim Compte rendu 1866, 182.
2 Vgl. oben S. 57 Anm. 1.
3 Die gleichen Ornamente finden sich auch auf den sog. Gnathiavasen in
Unteritalien, die in ihren Formen viele Berührungspunkte mit der besprochenen
Gattung aufweisen. Leider fehlt es an genügendem publizierten Material, so
dass ich die Untersuchung dieser Beziehungen in grösserem Zusammenhang mir
für später Vorbehalte.
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