Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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Ι2δ EMIL KRÜGER
verschiedenen Ebenen zu denken sind, sich überschneiden, so
wird die tiefer zu denkende Ebene schräg nach hinten geführt,
so dass bei der Überschneidung ein leichter Höhenunterschied
bemerkbar ist h
Wesentlich für die Beurteilung ist die Stellung der Figur,
die in dem so flachen Relief ganz ins Profil gerückt ist. Im
Flachrelief ist in den Zeiten der Kunstblüte die völlige Profil-
stellung, die in der archaischen Kunst so häufig erscheint, sehr
selten. Auch wenn die Profillinie der Gesichter direkt auf dem
Grund aufliegt, wie z. B. bei dem grossen eleusinischen Relief
(Friederichs-Wolters 1182; Καββαδίας, Γλυπτά 126), erscheinen
doch die Körper in Dreiviertelansicht, damit auch die abge-
kehrte Körperhälfte zur Erscheinung kommt. Ein Flachrelief
mit völliger Profilstellung aus dem IV. Jahrhundert ist die
Bryaxis-Basis im athenischen National-Museum (N° 1733, BCH
1S92 Taf. 3, Έφημερ'ις άρχαιολ. 1893 Taf. 6); vielleicht zwang
hier die Darstellung des Reiters dazu. Erst in der zweiten
Hälfte des IV. Jahrhunderts bietet der Fries des Lysikrates-
Monumentes eine Reihe von Beispielen reiner Profilstellung.
Der Künstler dieses Reliefs hat aber nicht nur eine sitzende
Figur vollkommen ins Profil gerückt, sondern hat auch die dem
Flachrelief von Natur gezogenen Grenzen dadurch überschrit-
ten, dass er den linken Arm auf den Grund zuführen lässt
und damit den Schein einer grösseren Tiefe zu gewinnen
sucht1 2. So wird der Eindruck voller Körperlichkeit, den sonst
nur das Hochrelief geben kann, erreicht, und das Auge des
Beschauers beim ersten Anblick getäuscht. Bald aber, wenn so
der Blick auf die plastische Erhebung gelenkt wird, bemerkt
man, dass die Verkürzung des linken Unterarms misslungen ist,
wenn sie auch durch die Verhüllung weniger auffällt, und ern-

1 Löwy Die Naturwiedergabe in der älteren griech. Kunst S. 21 hebt diese
Erscheinung am Parthenonfriese hervor : «Besteht auch dort, wo hinter einander
zu denkende Teile im Relief an einander treffen, eine leichte Verschiedenheit
des Planes, so streben doch im weiteren Verlauf die Flächen wieder nach
vorn . . . . »
2 Anfänge perspektivischer Verkürzung, doch in höherem Relief, konstatiert
A. Brückner auf dem eleusinischen Reiter-Relief (Athen. Mitt. 1889 Taf. 12
S. 403), das er ans Ende des V. Jahrhunderts setzt.
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