Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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SAM WIDE

Füsse ruhen auf einem Schemel. Der Thron ist mit geome-
trischen Verzierungen ausgestattet, die, wie es scheint, einem
Stoffüberzug angehören, an dem unten Fransen hängen. Er ruht
auf Löwenfüssen und endet oben in einem Schwanenkopfe,
über dem eine Palmette hervorragt. Hinter der Göttin flattert
ein Vogel, vor ihr steht auf dem Boden ein oblonger, runder
Gegenstand, auf welchem eine Granate liegt. Das Terrain ist
durch Bemalung angegeben.
Dass die hier zusammengestellten Vasen wirklich eine zusam-
mengehörige Gruppe bilden, scheint mir einleuchtend. Ich hebe
nur einige charakteristische Eigentümlichkeiten hervor. Sämt-
lichen Gefässen gemeinsam ist die schon oben besprochene
Umrahmung der Bildfläche. Die äusseren Konturen der Gewän-
der werden mit breiten Firnisstrichen aufgemalt und der Stoff
wird gewöhnlich mit Tüpfchen oder Kreuzchen verziert. Bei
den weiblichen Figuren wird der Unterschied zwischen Ober-
und Untergewand durch verschiedene Malweise angegeben.
Besonders auffallend ist bei allen Bildern die Wiedergabe der
Wimpern durch Firnisstriche. An den mit Henkeln versehenen
Schalen wird nicht der ganze Henkel, sondern nur ein Teil
desselben mit Firnis überzogen. Die Keule des Herakles ist auf
dem Londoner Gefäss ebenso gezeichnet wie auf dem im
Athenischen Nationalmuseum. Mit Vorliebe wird das Haar flat-
ternd dargestellt. Für die Zusammengehörigkeit der Gefässe
spricht auch der Umstand, dass vier von ihnen fast dasselbe
Maass, 9 —10 cm, im Durchmesser haben. Alles zusammen be-
rechtigt uns zu der Annahme, dass die Vasen aus derselben
Werkstätte stammen. Wahrscheinlich werden sie auch einen
zusammengehörigen Fund gebildet haben.
Die Figuren sind flott, aber liederlich gemalt. Selbstverständ-
lich hat der Maler wenigstens zum Teil attische Vorbilder vor
Augen gehabt, aber die Zeichnung ist mit groben Pinselstrichen
gemacht, echt boiotisch. Auch sonst verrät sich die traditio-
nelle boiotische Technik, z. B. in den Tüpfchen auf den Ge-
wändern. I11 derselben Weise sind die Gewänder auf den von
Conze und Mylonas veröffentlichten melischen Thongefässen
gemalt ; und dieselbe Malweise begegnet uns in der früh-
boiotischen, wie auch in der frühattischen, sicher vom Orient
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