Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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0. RUBENSOHN

immer wieder einströmende Seewasser behindert. Nur an der
Endigung des mittleren Kanals glauben wir eine Tiefe von 75 cm
haben bestimmen zu können.
Ganz dieselben Anlagen finden sich auch in der gegen alle
Winde ziemlich geschützten Langeri-Bucht auf der Westseite
der Halbinsel Sunion, in deren Mitte die Insel Οικονόμου (auf
der Seekarte fälschlich Kukulo genannt) liegt. Nicht weit süd-
lich von der oben genannten Kirche Ζωοδόχος πηγή beginnen
hier die Einarbeitungen im Felsboden und ziehen sich eine
grosse Strecke weit an der Ostküste der Bucht entlang. Ver-
messungen haben wir hier nicht vorgenommen. Die Entfernung
der Kanäle und Löcherreihen von einander und auch der
Abstand der Löcher untereinander schienen uns kleiner zu
sein als bei den Anlagen in der Philisibucht, die Längenaus-
dehnung der Einarbeitungen aber eher noch grösser. Die Bevöl-
kerung kennt die Felskanäle und Löcher unter dem Namen
Ελληνικά. Weiter nach Süden und tiefer in die Bucht hinein
haben wir ausser diesen regelmässigen und denen der Philisi-
bucht ganz entsprechenden Anlagen bei günstigem Wetter und
niedrigem Wasserstand noch eine grosse Zahl von Kanälen
gleicher Herrichtung beobachten können, die z. T. senkrecht zu
einander laufen z. T. einander im spitzen Winkel schneiden. Eine
letzte Gruppe solcher Einarbeitungen findet sich in dem nahe
bei Naussa gelegenen kleinen Hafen H. Anargyri, der noch heute
öfters von Segelboten aufgesucht wird und wegen einer Anzahl
Süsswasserquellen in unmittelbarer Nähe des Meeres und durch
eine etwas mehr landeinwärts entspringende salzhaltige Quelle
(vgl. Athen. Mitt. XXV S. 342) bemerkenswert ist. Hier sind die
Anlagen bedeutend kleiner, die Löcherreihen fehlen ganz und
die Kanäle laufen nicht parallel, sondern senkrecht zum Ufer.
Über die Bedeutung dieser Einarbeitungen im Meeresboden
bin ich zu einem abschliessenden Urteil nicht gelangt. Die
Kanäle und die rechteckigen Löcher sind so sorgfältig gear-
beitet, dass wir wohl mit Recht annehmen dürfen, dass die
Kanäle zur Aufnahme von Fundamenten von Mauern, die
rechteckigen Löcher für solche von Pfeilern bestimmt waren,
obwohl wir nirgends einen Stein oder sonst einen Rest von
solchen Bauten gefunden haben.
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