Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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0. RUBENSOHN

können. Auf grosse Strecken hin ist er noch heute über dem
Boden sichtbar zu verfolgen, andere Teile haben wir durch
Nachgrabungen nachweisen können. Was wir gefunden haben,
ersieht man aus dem Plan Tafel X '. Die ersten Reste der Mauer
findet man auf der Nordostseite der Stadt in der Nachbarschaft
der kleinen halbzerfallenen Kirche H. Elevtherios (Nr. 46 auf
dem Plan), die am Wege nach Naussa unweit der grossen
Hauptkirche von Paros, der Hekatontapyliani, liegt, leicht
erkennbar an den zahlreichen antiken Werkstücken, die in sie
verbaut sind. Die ehemalige Stadtgrenze, nur in ihren unter-
sten Schichten erhalten, dient hier als Feldzaun, der das zu
der genannten Kirche gehörige Ackerstück von den Nachbar-
grundstücken trennt. In fast genau nordöstlicher Richtung
lässt sich von hier aus die Ostmauer in einer Länge von 97 m
verfolgen, dann macht sie eine kleine Biegung nach Südwest
und verschwindet für eine grosse Strecke unter dem terrassen-
förmig ansteigenden Gelände. Wo wir sie dann wieder haben
nachweisen können, in der Nähe der kleinen Kirche H. Joannis
(Nr. 42 des Planes), hat die Mauer fast westöstliche Richtung.
Zwischen den beiden Mauerstücken liegt also die Südostecke
der Mauer, die wir selbst nicht haben auffinden können. Ihre
Eintragung in die Karte ist daher nur vermutungsweise erfolgt.
Die Südostmauer lässt sich mit völliger Sicherheit, wenn auch
mit einigen Unterbrechungen, in ihrem ganzen Verlauf ver-
folgen. Der markanteste Punkt derselben ist die Stelle, wo sie
das meist trockene Bett eines von Süden aus in das Stadtge-
biet eintretenden Baches, des ποταμός Κορμός, gewöhnlich nur
Ποταμός genannt, kreuzt. Bei der Bevölkerung heisst der Platz
αι δυο πλάκες, sein Aussehen veranschaulicht die nachstehende
Abbildung. Man sieht links zwischen den modernen Feldmauern
aus kleinen Steinen, die die westliche Seite des Bachbettes
begrenzen, die antike Mauer hervortreten. Sie ist hier in sechs
Schichten aus grossen Gneisquadern in einer Gesamthöhe von
2,31 m erhalten. In der Mitte des Bachbettes stehen abgestürzt

1 Die nur mit punktierten Umrisslinien gezeichneten Teile der Mauer sind
solche, die entweder vollständig zerstört oder nicht durch Grabung festgelegt
sind; der Verlauf der Mauer ist aber in diesen Strecken durchaus gesichert.
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