Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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PAROS II

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ganzen Stadt nicht ganz 2,5 km betragen, also auch für antike
Verhältnisse recht klein sein, wenn wir z. B. bedenken, dass
der Themistokleische Mauerring eine Länge von 8 km hatte
und der Umfang Thebens nach den neuesten Forschungen von
Sotiriadis ungefähr gleich gross war.
Ziemlich dunkel bleiben die Befestigungen an der Seeseite und
die Hafenanlagen. Miltiades kam mit siebenzig Schiffen nach
Paros und belagerte die Stadt zu Wasser und zu Lande. Dass
er die Flotte der Parier, von der wir doch in der Zeit der Per-
serkriege mancherlei hören (vgl. Herod. VIII 67), zerstört hätte
oder überhaupt mit ihr in Kampf geraten wäre, davon berichten
Herodot und Ephoros nichts. Sie wird also im Hafen von Paros
in Sicherheit gewesen sein. Über die Häfen von Paros besitzen
wir eine Notiz des Skylax (Periplus 58): Πάρος λιμένας έχουσα
δυο, ών τον ένα κλειστόν (überliefert ist καθτστόν, die sichere
Verbesserung rührt von Gronovius her). Diese Angabe ist un-
verständlich, wenn sie, wie bisher immer geschehen ist, auf die
ganze Insel bezogen wird. Wir haben gesehen, dass die Insel
eine Anzahl guter, im Altertum benutzter Häfen besitzt; von
Herrichtungen zum Schliessen eines derselben ist aber nichts
bekannt. Insbesondere zurückzuweisen ist die vielfach, unter
anderen auch von Bursian Geographie von Griechenland II 488,
ausgesprochene Meinung, dass mit dem geschlossenen Hafen
die grosse Bucht von Naussa gemeint sein könne. Die Öffnung
der Bucht ist viel zu breit dafür, und Spuren antiker Befesti-
gungen haben sich an der ausgedehnten Küstenlinie nicht nach-
weisen lassen. Dasselbe gilt von den übrigen oben besproche-
nen Häfen und Buchten, der Langeri · Bucht, der Philisi- und
Marmarabay und dem Hafen von Trio, bei einigen derselben
fehlt sogar die Möglichkeit zur Herrichtung von Hafensperren.
Aber davon abgesehen erscheint es als eine ganz unmögliche
Annahme, den κλειστός λιμήν getrennt von dem Hauptort der
Insel anzusetzen. Der geschlossene Hafen muss bei der Stadt
Paros gelegen haben.
In der Bucht von Parikia finden sich zu beiden Seiten des
Akropolishügels Einbuchtungen, die heutzutage von mittelgros-
sen Segelschiffen auch zu längerem Aufenthalt oft aufgesucht
werden. Von einer eigentlichen Hafenbildung kann aber bei
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