Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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0. RUBENSOHN

macht den Eindruck, als ob hier eine antike Flickung vorläge,
aus der sich der eingesetzte Flickstein gelöst hat.
Auch ein Theater hat Paros besessen ; das lehrte schon die
Ehreninschrift für Killos, dessen Bekränzung bekannt gegeben
werden soll Διονυσίων των [μεγ]άλων τραγωδών τώ άγώνι. Jetzt
ist es auch ausdrücklich bezeugt in dem parischen Dekret für
Magnesia (Dittenberger Sylloge'1 261), in dem Z. 41 bestimmt
wird, dass die Verkündung der Asylie und Kathierosis von
Magnesia durch die Archonten έν τώι θεάτρωι stattfinden soll,
δταν πρώτον άγωμεν [τα Διο]νυσια τα μεγάλα τραγωδών τώι άγώνι.
Die agonistischen Veranstaltungen in diesem Theater können
nicht so unbedeutend gewesen sein, da sie sogar aus der Ferne
Tragödiendichter nach Paros gezogen haben. Den Grabstein
eines solchen aus Faodicea in Syrien haben wir gefunden, die
Inschrift lautet: [Γαι]ος Τοΰλιος) [Μ]άγνος τραγω[δ]ογράψος Λαυ|
[δ]ικευς τής Συ(ρίας. μνήμης χάριν. Er wird mit einer jener
wandernden Truppen von Techniten zu einer Dionysienfeier
nach Paros gekommen und dort gestorben sein. Gefunden
haben wir das Theater nicht.
Wir ersehen aus dem hier zusammengestellten, bei der Natur
der Quellen natürlich sehr lückenhaften Material, dass die
Stadt Paros in den hellenistischen und römischen Zeiten, aus
denen die benutzten Inschriften stammen, das äussere Gepräge
trug aller jener kleinen Inselstädte, deren wir jetzt schon eine
ganze Reihe durch die Inschriften und Monumente näher ken-
nen gelernt haben. Aus der Glanzzeit von Paros, aus dem sie-
benten, sechsten und auch dem fünften Jahrhundert, wissen wir
über das Aussehen der Stadt fast nichts. Nur ein sehr charak-
teristisches Denkmal aus dieser Periode ist erhalten geblieben,
das für das Stadtbild dieser Zeit interessant ist. Es ist eine Ur-
kunde, die wir nach den Buchstabenformen A, C=ß, Γ=λ, N
und wegen der Wiedergabe von o und ου durch ω und
der Bezeichnung des langen O-Lautes durch 0 in die erste
Hälfte des fünften Jahrhunderts setzen müssen. Der Stein*
0,265 m hoch, 0,18 m breit, 0,09 m dick, ist unten abgebro-
chen, sonst überall wohl erhalten und ist gefunden auf der
Tholos des Herrn Varuchas in einer Hausmauer, die aus mehre-
ren antiken Werkstücken bestand. Die Inschrift lautet: δς άν
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