Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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1 cm
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PAROS II

21 I

Skizze und dem Abklatsch angefertigte Zeichnung gegeben wird.
Oberer Abschlussstein einer grösseren Basis, Länge 1,16 m,
Höhe o, 16 m, Tiefe 0,33 m. Die untere Fläche ist rauh bear-
beitet. Das Profil ist auf der linken Schmalseite nur 6 cm weit
herumgeführt, die Fläche dahinter ist freigelassen, hier stiess
also ein anderer Stein an h Der Block ist als Thürsturz in die
halbzerfallene Kapelle des Hag. Georgios eingemauert, die auf
halber Höhe des südlichen Abhanges des Μικρό Βουνό, östlich
der Stadt, ungefähr eine Stunde Weges von ihr entfernt liegt.


In derselben Kirche ist noch eine ganze Anzahl antiker Werk-
stücke verbaut, ein gut gearbeitetes jonisches Säulenkapitell
älteren Stiles lag im Inneren am Boden. Wir haben die ganze
Umgebung der Kirche und die Höhe des Μικρό Βουνό auf’s
genauste nach einer antiken Anlage durchsucht; die Ansetzung
des Demeterheiligtums auf dem Gipfel dieses Berges würde am
besten zu Herodots Angaben passen, und die Lage einiger an-
derer Heiligtümer auf benachbarten Höhen würde sie noch

1 Die Buchstabenformen weisen die Inschrift in römische Zeit. In Θράσωνος
ist die untere Querhasta des h durch ein Versehen des Steinmetzen etwas zu
hoch geraten, so dass Olympios Πράσωνος las. Der Name Thrason ist ge-
rade in Paros sehr häufig. In Ήρηι ist das 1 fälschlich vor das ρ gesetzt wor-
den. In Z. 3 war ursprünglich Βαβοΐ geschrieben, das v ist von einer späteren
Hand eingeritzt worden. Bloch sieht in Ήραις der vorhergehenden Inschrift
einen Beinamen der beiden Göttinnen Demeter und Kora, in Ήρτ) dieser In-
schrift einen Beinamen der Demeter. Dass beides unmöglich ist, geht nicht nur
aus den äusseren Verhältnissen des Kultus hervor—· wie sollte insbesondere Kora
zu dem Beinamen Hera kommen — sondern auch aus der Wortstellung und der
Bezeichnung der Demeter als {Ιεσμοφόρος. Aphrodite, die in Sparta den Beina-
men Hera trägt, heisst da Αφροδίτη "Ηρα,nicht umgekehrt. Die Analogie der
Erasippe-Inschrift beweist, dass in der Vorlage des Cyriacus das gestanden hat,
was wir oben in den Text gesetzt haben, höchstens wäre zu vermuten, dass dort
wie hier hinter "Ηρηι das και gefehlt hat. Über den Kult wird an anderer Stelle
gehandelt werden.
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