Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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0. RUBENSOHN

Aus dem Delion stammt die Inschrift schwerlich. Wenn aus
dem Fundort der Inschrift überhaupt ein Anhaltspunkt für die
Ansetzung eines Artemisheiligtums entnommen werden kann,
so möge darauf hingewiesen sein, dass in seiner Nähe, etwa
in der Verlängerung der westlichen Mittelachse der Bucht von
Parikia, unweit des bischöflichen Gartens, Fundamente eines
grösseren Baues unter einer leichten Humusdecke liegen. Es ist
möglich, dass hier ein Artemisheiligtum gelegen hat, dann aber
jedenfalls nicht ein ausschliesslich der ephesischen Göttin ge-
weihtes, sondern eines der gemeingriechischen Göttinnen, in
dem neben der Ephesierin beispielsweise auch die Leuko-
phryene von Magnesia (Dittenberger Sylloge2 261) Verehrung
genossen haben wird1.
Nicht unbedeutend scheint auch der Hermeskult in der Stadt
gewesen zu sein. An Hermes als Gott der Palästra wendet sich
die Weihinschrift eines Gymnasiarchen, seines Hypogymnasi-
archen Epianax und einer Anzahl von Epheben (CIG 2386),
und als solcher ist er auch wie in zahlreichen griechischen
Gemeinden mit Herakles verbunden (Löwy Archäol. epigr. Mit-
teilungen aus Österreich XI 186 Nr. 4). Lehrreicher als die Ver-
bindung des Gottes mit Herakles ist die mit Artemis. Einmal
wird diese bezeugt durch ein archaisches Relief (Löwy a. a. O.
S.153), auf dem Hermes, wie Zahns Untersuchung ergeben hat,
Kerykeion und Leier und Artemis den Bogen trägt. Über den
Fundort des Reliefs ist nichts bekannt; es war in einem Hause
der Stadt eingemauert. Auf der einen Schmalseite ist ein Palm-
baum sorgfältig eingraviert. Das zweite Zeugnis ist die schon
oben S. 216 erwähnte Weihung der Strategen an Aphrodite,
Zeus Aphroclisios, Flermes und Artemis Eukleia. Danach scheint
es, als ob der Hermes-Artemiskult auch auf dem Kunadosberg
anzusetzen sei. Allerdings kann die Verbindung der beiden

1 Die bekannte, in die Kanneluren einer Säulentrommel eingetragene Wei-
hung der Telestodike an Artemis, jetzt in der Biblioteca Oliviero zu Pesaro,
(Bechtel Inschriften des jonischen Dialektes S. 53 Nr. 60) stammt wahrscheinlich
nicht aus der Stadt und deren Umgebung, sondern ebendaher, wo die Weihung
der Telestodike und ihres Gatten Demokydes noch heute sich befindet, aus
dem Heiligtum der Artemis, das wir, wie oben S. 162 ausgeführt, bei der Kapelle
des Hag. Ioannis Spiliotis anzusetzen haben.
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