Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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DIE «PYRAMIDE» VON KENCHREAI.
(Hierzu Tafel XI).

Wer von Argos auf kürzestem Wege nach Sparta reiste,
musste den sehr unbequemen, steil ans Meer tretenden Ausläu-
fer des Partheniongebirges, Anigraia (jetzt Savitza 975 m) über-
schreiten und erreichte das Ziel entweder durch das Tanosthal
über Thyrea oder über Astros und das heutige Dorf Hagios
Petros1. Wer den Umweg über Tegea wählte, ging dahin durch
das Thal von Elysiai, wo sich heute in grossen Schleifen die Pelo-
ponnesbahn emporwindet. Nach Hysiai wiederum kam man auf
zwei Wegen: über Lerna oder über Kenchreai. Diese Orte be-
zeichnen also die Einfallsthore eines von Tegea kommenden
Feindes. Da die Thalmündung von Kenchreai kaum 7 km von
den Thoren von Argos entfernt ist, so hatte man dort doppelten
Grund, sie scharf zu bewachen. Es liegt deshalb für uns nahe,
an jener Stelle Reste antiker Festungskunst zu vermuten. Statt
dessen berichten die meisten Reisenden von einem merkwür-
digen Grabmal sehr alter Zeit, dessen Thür an die Gallerien
von Tiryns erinnere, und dessen Pyramidenform vielleicht mit
der ägyptischen Herkunft des argivischen Herrschergeschlech-
tes Zusammenhänge. Nur Donaldson2 erblickte in dem Bau ein
φρυκτώριον, und Ernst Curtius schloss sich, ihm trotz Leakes
Widerspruch an 3 4. Heute lässt sich die Frage nach der Bedeu-
tung des Baues mit Bestimmtheit entscheiden.
Ich habe diese von Ross vortrefflich beschriebene Ruine '· im
Jahre 1896 untersucht und im Frühjahr 1901 mit C. Watzingers

1 Vgl. neuerdings Kromayer, Archäol. Anzeiger des Jahrbuchs 1900 S. 205.
2 Suppl. zu Stuart und Revetts Athens S. 23.
3 Leake Peloponnesiaca S. 251, Curtius Peloponnes II S. 366 ; die übrige Litte-
ratur S. 564 Anm. 19.
4 Reisen im Peloponnes S.141 ff. Vgl. Expedition de Moree II Taf. 55, Tsountas-
Manatt The Mycenaean age S. 39 Fig. 10.
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ATHEN. MITTEILUNGEN XXYI.
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