Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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ERNST PFUHL

2. Alexandria. Aus Alexandria. Botti 3,10. Stele aus gross-
körnigem Kalkstein, Höhe 0,39 Breite 0,26, zu ergänzende Bild-
höhe 0,23. Halbhohes Relief. Der obere Abschluss fehlt; der
Bruch geht oben durch das Bild. Es fehlen Kopf und Hals der
Dienerin und ein Stück des Kastendeckels ; verletzt sind Ober-
kopf und Nase der Herrin. Die Bemalung ist zum Teil erhalten.
Untermalt war das ganze Bild mit einem fettigen Braungelb,
welches das Einsaugen der Farbe durch den porösen Stein
verhindern sollte. Das Gewand der Dienerin war blau (jetzt
ist es grün angelaufen), das der Herrin zeigt nur noch Reste
der Untermalung. Die Haare des Mädchens sind hellrotbraun,
der Kasten und die Stuhlbeine um einen Schatten dunkler1.—
Ein Mädchen in kurzärmligem gegürtetem Chiton, mit Melonen-
frisur, sitzt nach links gewendet auf einem einfachen Stuhl mit
Kissen und nimmt mit der rechten Hand ein Schmuckstück aus
dem Kasten, den eine kleine Dienerin in gegürtetem Chiton ihr
reicht.—Handwerksmässige Arbeit wohl der ersten Hälfte des
dritten Jahrhunderts. Vgl. A. G. T. 33 Nr. 71 ; Savios 94.
3. Alexandria. Aus Alexandria. Stele aus lockerem Kalk-
stein. Höhe 0,75 Breite 0,40 Bildhöhe 0,39. Halbflaches Relief.
Teilweise stark verwittert, doch ist die Darstellung im wesent-
lichen erhalten. Der obere Abschluss fehlt.—-Eine Frau sitzt
nach links gewendet auf einem einfachen Stuhl mit Kissen
und Fussbank. Sie trägt den gegürteten Chiton und einen um
Beine und Rücken geschlungenen Mantel, der auch die linke
Schulter und den Oberarm bedeckt. Die Haartracht ist nicht
mehr kenntlich. Mit der rechten Hand hält sie einem vor ihr
auf einer Truhe in XArderansiclit sitzenden Knäbchen einen
Vogel hin. Der Kleine hat das linke Bein untergeschlagen, das
rechte steil angezogen und reckt Kopf und Arme dem Vogel
entgegen. Er ist mit einem kurzen Hemclchen bekleidet. Das
Relief unterscheidet sich in nichts von der Menge der ein-
fachen attischen Grabstelen des vierten Jahrhunderts. Das Motiv
erscheint bereits auf der der älteren Hälfte des schönen Stils
angehörigen weissgrundigen Lekythos aus Eretria Έφημ. αρχ.

1 Um Missverständnissen vorzubeugen sei bemerkt, dass beim Tünchen der
Museumswand einzelne Tropfen hellroter Leimfarbe auf das Relief gespritzt sind.
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