Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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ZU EINER INSCHRIFT AUS EPIDAURUS

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zuerkannt war, ist durch den Titel επί πάντων στρατηγός wieder-
gegeben. Dass er in seiner Stellung auch den Epidauriern
gefährlich werden konnte, bedarf nicht des Beweises.
Aber wie vereinigt sich mit dieser für die zeitliche Bestim-
mung der epidaurischen Inschrift massgebenden Thatsache ihre
Jahresangabe? Nach Frankel ist zu Ende der Z. 21—die Silben
-κοστόν stehen erst am Anfang der folgenden — nach τέταρ-
τον erhalten : KAI Γ N E N I ; diese Lesung erlaubt schlechter-
dings keine andere Ergänzung als τό τέταρτον και [έ]νεν[η] -
κοστόν έτος. Auf dem Abklatsch, der mir vorliegt, vermag ich aber
die beiden N so wenig wie das angeblich in ihrer Mitte ste-
hende E zu erkennen; ich sehe nur και El ΛΟ. Trotz aller
Zerstörung scheint mir namentlich der dritte Buchstabe als
dreieckig durchaus sicher; nach dem runden ist noch für zwei
Buchstaben Raum. Das ergiebt: τό τέταρτον και έ[βδ]ο[μη]|κο-
στόν έτος; der Beschluss ist demnach entweder noch in dem
74. Jahre selbst oder bald nach Ablauf des 74. Jahres gefasst.
Wie in anderen Inschriften Achaias liegt der Jahrzählung sicher-
lich die neuerdings mehrfach mit unverdienter Geringschätzung
behandelte - Aerä von der Unterwerfung Griechenlands unter
Rom zu Grunde ; der Beschluss für Euanthes fällt also in das
Jahr 72 vor Christus, gerade in die Zeit von M. Antonius’ ausser-
ordentlicher Machtstellung und rühmloser Wirksamkeit.
Die Folgerungen, die sich aus diesem berichtigten Ansätze
für die Geschichte des Hauses des Euanthes ergeben, lasse ich
unerörtert, da ich auf diese und andere epidaurische Inschriften
in Bälde zurückzukommen gedenke ; doch sei schon bei dieser
Gelegenheit die Lesung zweier weiterer Stellen des Beschlusses
für Euanthes berichtigt. Es heisst Z. 44 ff. nach Fränkels Ver-
öffentlichung : αΐτηΌείσας δέ και τάς άμετέρας πόλιος στρατιώτας
Εΰ[άν]θης-[έ]πι[θ]υσας έποίησεν παρεόήμεν. Fränkel versteht
hier [έ]πι[θ]ΰσας von «Geldopfern», die Euanthes gebracht hätte.
Ich begnüge mich festzustellen, dass auf dem Stein, auch im
Abklatsch deutlich, σπευσας steht. Am Schlüsse schreibt Frän-
kel Z. 74/5: άναγράψαι δέ εις στάλαν τοϋ [δωρήμα]|τος τό άντί-
γραφον παρά τάν εικόνα αυτοΰ. Der Stein lässt keinen Zweifel,
dass statt des unerhörten [δώρημα]|τος : δόγμα|τος zu lesen ist.
Athen. Adolf Wilhelm.
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