Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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FUNDE

Auf Grund der dem Institut erteilten Erlaubnis hat F. Miller
von Gaertringen im Juni dieses Jahres einige Grabungen auf der
Insel Thera angestellt, um seine früheren Arbeiten von 1896,
1899 und 1900 abzuschliessen. Zuerst wurde der wie eine Bastion
der Stadt vorgelagerte, ihren Zugang beherrschende Fels unter-
sucht, der die Kapelle des H. Stephanos trägt. Es zeigte sich,
wie dies schon Weil in diesen Mitteilungen 1877 angedeutet
hat, dass dieser Bau in eine grössere, mit drei Eingängen ver-
sehene byzantinische Kirche des Archangelos Michael hineinge-
setzt war. Trotzdem viele antike Werkstücke in die jetzige Kirche
verbaut sind, hat sich an dieser Stelle kein dem Altertum gehö-
render Grundriss nach weisen lassen. Dagegen fanden sich, augen-
scheinlich von der Agora und dem nahen Dionysostempel ver-
schleppt, einige wichtige Urkunden, ein Gesetzesfragment des
IV., ein Proxeniedekret für einen Samier, als πρυτανίων γνώμα
bezeichnet, des III. Jahrhunderts, und ein Beschluss des κοινόν
των Βακχιστών für den ptolemäischen Platzkommandanten Aa-
δάμας Διονυσοφάνους των περί αυλήν διαδόχιον, der uns wert-
volle Einblicke in die Organisation der ägyptischen Garnison im
II. Jahrhundert thun lässt. Die Festungsmauer hingegen, die sich
vom H. Stephanos auf dem Bergrücken bis in die Nähe des
Christos hinaufzieht, scheint wie die anderen Befestigungslinien
am Nord - und Südwestabhang des Stadtberges byzantinischen
Ursprungs zu sein.— Unterhalb des Gymnasion der Epheben
wurde eine grosse, späte Cisternenanlage freigelegt, die zuerst
von Wilski und Schiff in Juli 1900 beachtet worden war. Dabei
fand sich unter anderen eine verbaute Weihung eines άλειπτήριον
an Hermes und Herakles in monumentaler Schrift, wahrschein-
lich eine Generation älter als das Testament der Epikteta, d. h.
-f 230 v. Chr. Vor der grossen, 6 Meter hohen Terrassenmauer,
die wir seinerzeit dem Festplatz des Apollon Karneios zuzuwei-
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