Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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FUNDE

Glasschrank enthält die grosse Anzahl kleiner Marmorköpfe,
die allenthalben gefunden sind, und viele Aphroditestatuetten
zumal der Sandalenlöserin, deren grösstes 1896 ausgegrabenes
Exemplar schon in Thera I veröffentlicht ist. Unter den Inschrif-
ten ist besonders die grosse Zahl altertümlicher Grabinschriften,
auf Stelen primitivster Form und sogenannten τράπεζαι erfreu-
lich ; dann einige schöne Ptolemäertexte und andere Urkunden
der hellenistischen Zeit. Merkwürdig sind auch die christlichen
und jüdischen (der Name Μοϋσέως, Genetiv, kommt vor!) Grab-
steine aus verhältnismässig früher Zeit. Gerade diese Abteilung
hat sich besonders zahlreicher Schenkungen von arm und reich
zu erfreuen gehabt; ich nenne als Geber die Witwe des Ab-
geordneten Nomikos, den Sohn des bekannten Lokalgelehrten
Conte de Cigalla, G. Belonia, das Eliaskloster. Dass auch die
Masse der Graffiti, müssiger Namen aus der Kaiserzeit, unter-
gebracht werden musste, warein unvermeidliches Übel; besser
sind schon die vielen hellenistischen und römischen Hausaltäre,
über die ich in Lehmanns Beiträgen ztir alten Geschichte I 212 ff.
gehandelt habe. — Endlich im Vasensaal wird die Westseite
durch die riesigen Pithoi und eine Anzahl kleiner, feiner Ge-
fässe der Kykladenkultur eingenommen. Die Ostseite enthält
Dragendorfifs und Schiffs geometrische Vasen, alte und spätere
Terrakotten, römische Gläser etc. Vieles ist zusammengesetzt;
aber gerade manche der grössten Gefässe sind dank dem sie
bedeckenden Bimssande, in dem keine Feuchtigkeit stagnieren
kann, tadellos erhalten. Bestimmte Gattungen des geometrischen
Vasenstils, vor allen des theräischen in seinen Abstufungen, wird
man nirgends so reich und gut vertreten finden wie hier Die
Südseite wird die erwähnten Funde Pfuhls aufnehmen ; die nörd-
liche Schmalwand dient hauptsächlich als Magazin für Skulptur-
fragmente, Stuckproben etc. Was man noch hinzuwünschen
möchte, ist ein einfacher Arbeitsschuppen, der auch den unwichti-
gen Bruchstücken als Aufbewahrungsort dienen und die Haupt-
zimmer entlasten könnte. Aber auch ohne das ist schon viel er-
reicht; Thera ist zur Zeit allen Kykladen, selbst Mykonos, wo
die Schätze des Delischen Apollon ruhen, weit voraus. Deshalb
war auch die Einweihung des Museums, die am 22. Juni statt-
fand, ein wahres Volksfest, an dem sich die Behörden, die ganze
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