Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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LATTERMANN-HILLER V. GAERTRINGEN

nen nicht sagen, wie alt diese zweite Fassung ist; für uns
wird sie nur durch Apollodors Bibliothek bezeugt (III 156.
159); vielleicht hat sie schon Kallimachos, der sich viel mit
arkadischen Sagen aus seltenen Quellen beschäftigte, aus
einem stymphalischen Localautor geschöpft, dessen Tätig-
keit wir auch sonst spüren (IG. V 2 p. 75ä0; p. XXIX. XXX)1.
Die antiken Gelehrten, die in das locale Sagengewirr System
bringen wollten, hatten es schwer, die Ansprüche von Stym-
phalos mit den früher und allgemeiner anerkannten von
Tegea zu vereinigen, zu denen später die von Megalopolis
und dem abhängigen Lykosura traten, während Orchomenos
damals so wenig vermochte, dass sein König Aristokrates, eine
historische Figur, willkürlich an den Fuss des Lykaion ver-
pflanzt wurde. Für Arkadien ist ja die Sagenfabrik nur zeit-
weilig von einheimischen Grössen, meist von Auswärtigen
betrieben, bis in die Zeiten der Kriege Roms gegen Makedo-
nien und sogar die des Hadrian und Antinous. Die von Mega-
lopolis war bisher noch zu wenig beachtet, während die von
Stymphalos für die Zeit Pindars von Wilaxnowitz im Isyllos
bis auf die einzelnen Anlässe und Beweggründe erkannt ist.
Manches steht in Andeutungen durch die Prolegomena zum
arkadischen Corpus zerstreut. Nicht alles verträgt schon eine
allzu scharfe und bestimmte Fassung; doch darf man es wohl
aussprechen, dass die Entwickelung in der späteren Litteratur
von der älteren Sagenbildung und -Umbildung nicht in dem
Grade verschieden ist, wie man es sich gewöhnlich vorstellt.
Die alte Sage weist also jedenfalls auf eine von Argos
abhängige, aber schon zur Zeit des Schiffskataloges auf eine
in einem selbständigen Arkadien gelegene Stadt. Pindars
sechstes Olympisches Siegesgedicht gibt die Stimmung von
468, nach der Niederwerfung des arkadischen Aufstandes
durch Sparta, die auch in den Genealogien der Sage vollzo-
gene Unterwerfung unter die Vormacht des Peloponnes. Als
diese auf ihrem Höhepunkte stand, nahmen mehrere Stympha-
lier als Offiziere am Zuge der Zehntausend teil. Auf die litte-

1 Reiches Material und anregende Gedanken für die arkadische Sagen-
geographie bei O. Gruppe, Gr. Myth. 193.
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