Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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G. KARO

(Seerosen?) sind wohl nicht lange vor dem Ende der ersten
spätminoischen Phase gebräuchlich. Der Verfertiger unserer
Schale war seiner Aufgabe keineswegs gewachsen, er bleibt
weit hinter seinem Vorbild zurück. Dass er in der Argolis zu
Hause war, lässt sich nicht erweisen. Das Fehlen ähnlicher
Vasen in unserem reichen Scherbenmaterial spricht gegen
diese Annahme. Ganz sicher nicht argivisch aber sind die
folgenden Gruppen.
X. Im V. Grabe befand sich ein grosses dreihenkliges
Vorratsgefäss (856; M. Th. VII 42); in der Form, den metal-
lenen Mustern nachgebildeten Profilen von Hals, Henkeln
und Fuss, dem glänzend schwarzen Firnis und den reichen
Spiralbändern, die ausgiebig mit weissen Punkten und Stri-
chen aufgehöht sind, erinnert diese Vase sofort an kretische
der I. spätminoischen Periode1. Dennoch wird kein Kenner zö-
gern, sie der echt minoischen Keramik abzusprechen und einer
von ihr abgeleiteten Gattung zuzuweisen.
Dieser grossen Vase reiht sich eine Gruppe kleiner Ge-
fässe derselben Form an. Alle sieben stammen aus dem
I. Grabe (190-196; drei von ihnen M. Th. III 9-11). Davon
zeigen vier (190.194-196) die übliche minoische Form mit drei
Horizontalhenkeln, während zwei (191. 192) nur zwei solche
Henkel, eines (193) zwei senkrechte und zwei wagrechte Hen-
kel besass; dies sind singuläre Abarten des geläufigen Typus.
Bei flüchtiger Betrachtung scheint die in glänzendem Firnis
aufgemalte Decoration der minoischen zu entsprechen. Bei
näherem Zusehen häufen sich die Unterschiede. Das Muschel-
Ornament (191.192.195.196) ist auf dem Festlande ebenso häu-
fig2 * * * * 7 wie auf Kreta selten, während anderseits die bisweilen
1 Diese Form des Vorratsgef ässes ist für die spätminoisclie Periode
charakteristisch. Ihre Entwickelung lässt sich auf Kreta gut verfolgen, von
früheren Exemplaren (SM. I) wie Aut. cret. I 38 (II 37,2 hat vier senkrechte
Henkel) zu den entwickelten, schöner geschwungenen Vasen des Palast-
stils (z. B. Evans, Prehistoric Tornbs of Knossos Taf. 100. 101) und der
schon erstarrten, jüngeren Form, wie Evans, Tomb of the Double Axes
(Archaeologia LXV 1914) 20. 48 ff., die dann in der jungmvkenischen Ke-
ramik weitergebildet wird (Myk. Vasen Taf. III ff. aus Rhodos. XXXVII
380 aus Mvkenai).
7 Z. B. Myk. Vasen XXVI 193, und zahlreiche Scherben von Tiryns.
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