Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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DIE SCHACHTGRÄBER VOX MYKENAI
ihnen gefunden sind (M. Th. I. VII)1. Sie haben für die
Datierung der Grüfte natürlich nur sehr geringen Wert.
Beim III. Schacht fand Schliemann (Mykenae 190) 'unge-
fähr 9 Fuss oberhalb der Öffnung dieses Grabes . . . neben
demselben, in einer Tiefe von 21 Fuss unterhalb der frühe-
ren Bodeufläche, bei einer Menge Skeletten von Menschen
. . . Messer von Obsidian und fünf sehr hübsche, ohne Töpfer-
scheibe gemachte Vasen’. Es sind zwei gelb polierte Känn-
chen mit runder Mündung (III 159. 160) und zwei kleine matt
bemalte Gefässe, der zweihenklige Napf III 158 (M. Th.
IV 17), das Kännchen III 157 (M. Th. IV 16), sowie zwei
Scherben mit Spiral- und Polypenmuster (161. 162; M. Th.
IV 1.8). Die Obsidianmesser legen die Vermutung nahe, dass
hier etwas ältere Gräber bei der Anlage unserer Fürsten-
gruft zerstört wurden. Sie können also für diese einen termi-
nus post quem abgeben.
Leider lässt sich nicht mehr nachweisen, welche von den
M. Th. Taf. V. VI abgebildeten Scherben wirklich aus dem
IV. Grabe selbst stammen, welche aus dem in dieses hinein-
gerutschten Schutt. Bei V 24-27 (locale hellthouige Ware
mit einfachen Linearornamenten in matter Farbe) und V 29
(‘ripple ornament’) hat diese Frage geringere Bedeutung als
bei den bunten Fragmenten grosser Gefässe auf Taf. VI, die
immer wieder als Beweis dafür angeführt werden, dass in
den Schachtgräbern ' Kamares’-Vasen vorkämen. Aber eines
kann mit aller Sicherheit behauptet werden: Keine dieser
Scherben ist echt minoische Ware2. Und dies gilt
ebenso für alle die zahlreichen in Tiryns gefundenen 'Ka-
mares’-Scherben und für die selteneren von anderen myke-
nischen Stätten des Festlandes. Mit Ausnahme von Melos,
wo man minoische Originale und locale Nachahmungen ne-
beneinander findet und besonders gut vergleichen kann (Ex-
cav. at Pliylak. 148 ff. Taf. XXIV; Dawkins, BSA. XVII 9 ff.),
ist meines Wissens noch keine einzige echt mittelminoische
1 VII 41 ist eine Nachahmung von MM. III; 40 scheint der Greifenvase
VI 048 (M. Th. VIII 43) verwandt. 36 ist einheimische matt bemalte Ware.
* Das betont mit Recht Reisinger, Kretische Vasenmalerei 13. Die Bemer-
kung AM. XXX 1905,15 lf., über 1 Kamares’-Scherben aus Tiryns, ist irrig.
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