Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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G. KARO

grosse Anzahl von länglich rechteckigen Platten aus Berg-
kristall, in verschiedenen Formaten, gefunden worden. Ich
hege kein Bedenken, diese mit den Fayencen und ein paar
Elfenbeinplättchen desselben Grabes einem prächtigen Spiel-
brette zuzuschreiben, ähnlich dem von Evans in Knossos
ausgegrabenen (BSA. VII 78 ff.). Dazu gehören dann auch
offenbar einige beinerne Spielsteine mit Zeichen auf der
Unterseite, die bisher nicht beachtet worden sind (IV 507).
Leider lässt sich das Spielbrett nicht mit annähernder Sicher-
heit als Ganzes reconstruieren. Es war gewiss einer der aller-
kostbarsten Schätze dieser Grüfte.
Die runden Fayenceplatten tragen auf der Rückseite eine
Versatzmarke. Dieselbe kehrt wieder auf der Rückseite einer
der grossen Fayenceschleifen dieses Grabes, die längst bekannt,
aber noch nicht erklärt sind1. Sie bestehen durchweg aus
zwei Stücken, der Lasche mit Knoten und den befransten
Enden, und tragen alle Nagellöcher zur Befestigung. Die
Fayence ahmt einen carrierten Stoff nach, bald mit hellen
Linien auf dunklem Grunde, bald umgekehrt. Drei Paare
von unter einander symmetrischen Schleifen sind ganz* oder
teilweise erhalten; das kleinste, ganz flach gearbeitete, hat
glatte Rückseite — es war also einst auf einer ebenen Fläche
angenagelt; an den beiden anderen, unter einander gleich
grossen Paaren sind die unteren Hälften — die Enden der
Schleife — auf der Rückseite leicht concav, mit einem klei-
nen Falz, die Laschen aber sind stark aufgebogen und tragen
auf der Rückseite einen tiefen Falz mit einer oder mehreren
Querzungen. Diese Schleifen waren also an einem unten
ebenen, oben stark vorspringenden Gegenstände befestigt,
ihre Rückseiten aber bis oben hin verdeckt. Am wahr-
scheinlichsten scheint mir die Erklärung, dass diese Fayencen
Verkleidungen fester Holzgriffe waren; auf eine hölzerne
Unterlage deuten die Nagellöcher in sämtlichen Schleifen.
Man könnte sich die grossen wohl an den Griffen des Kastens
oder Tisches denken, der zum Spielbrett gehörte. Vielleicht

1 IV 553. 554. 557-568. Schuchh. 292, Abb. 265; Stais S. 57; [Evans,
Palace of Minos I 431-484].
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