Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

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DIE SCHACHTGRÄBER VON MYKENAI 179
über einem so feinen Schmuckstück wie der Krone aus Lilien
und Federn, die der junge Prinz auf dem bekannten Stuckre-
lief von Knossos trägt (BSA. VII 14; Bossert Abb. 74).
Die mykenisclie Krone ist die fürs Grab gefertigte billi-
gere Nachahmung eines Originals, das die tote Fürstin im
Leben trug; aber das Goldblech kann nicht unmittelbar auf
dem Haupte der Toten geruht haben; das verbieten zwar
nicht ihr Umfang (62,5 cm) und ihre Form, wohl aber die
offenbar für Nägel, nicht für Fäden bestimmten Löcher an
ihren Enden und in der Mitte des unteren Randes. Diese er-
klären sich ungesucht, wenn man sich die Krone mit Leder
oder mit einem Holzstreifen gefüttert oder verstärkt denkt.
Nun gehören zu unserer Krone nach Qualität, Grösse und
Mustern die drei Rosetten III 86-88'; es ist schwer, ihren
Platz sicher zu bestimmen. Am ehesten möchte man sie mit
den drei Löchern im unteren Rande und an den Enden der
Krone verbinden. Sie wären dann gewissermassen die reich
verzierten Köpfe der Stifte, welche die Krone auf ihrer Unter-
lage aus Leder oder Holz befestigten. Aber sichere Gewähr
kann diese Deutung nicht beanspruchen, weil zu dem gleich
zu beschreibenden Diadem auch drei Rosetten gehören, wäh-
rend es nur zwei Stiftlöcher, an beiden Enden, trägt.
Dieses Diadem (III 3)* 2 ist zwar weniger prunkvoll als
das erste, aber viel schöner und geschmackvoller. Auf dem
starken Goldblech der üblichen elliptischen Form ist durch
ein schmales Rahmenornament (Spiralhaken mit füllenden
Blättchen) eine Fläche begrenzt, die eine Reihe von Kreis-
buckeln sehr gefällig füllen. Kreise und Punktreihen um-
rahmen sie, um die grösseren Buckel legen sich auch die be-
kannten halben Blattzweige. Es ist dasselbe Eindringen mi-
' Schlietnann 221, Abb. 290; Stais S. 11 f. Auf den grossen verzierten
Blättern sitzen schmale, glatte. Auch hier beweisen Fadenlöcher in den
Rändern der grossen Blätter, dass sie einst aufgebogen und zusammen-
genäht einen Blütenkelch bildeten; in dessen Innerem vertreten dann die
kleinen spitzen Blätter etwa die Staubfäden.
2 Schliemann 216, Abb. 282; Sta'is S.10; Meurer, a. a.0.214. Die Schön-
heit dieses prunkvollen Schmuckstücks kommt erst recht zur Geltung,
wenn es aufrecht und gewölbt erscheint [Bossert Abb. 233]. Das Randmu-
ster entspricht dem der Stele Nr. 1427 (oben S. 130).
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